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0815 geht gar nicht….oder einfache Lösungen für alle sind mir suspekt

Wissen ADHS-Eltern mehr und sollen Hunde fernsehen? Teil 1

Ein Kommentar

Irgendwann, so gegen Ende des 1. Lebensjahres meines Kindes hörte ich zum ersten Mal den Begriff “ Wahrnehmungsstörung“.
Aha.
Das Wort selbst ist ja nicht so schwer zu verstehen.
Was aber genau sich dahinter verbarg….keine Ahnung.

Ich bin zwar eine Studierte. Aber da weiß man auch nicht alles. Die einzige Wahrnehmungsstörung, die ich in meinem Studium kennen gelernt habe, ist die zwischen Gesetzgebern und Rechtsprechern einerseits und dem Rest der Welt andererseits.

Es sollte auch noch eine Weile dauern, bis ich heraus fand, was dieses Unwort mit uns zu tun hatte.
Nicht etwa, weil ein freundlicher Kinderarzt mir das erklärt hätte.
Nein Tante google half nach und die Frühchen-mailing-Liste , über die ich schon hier geschrieben habe.
Und ein sehr bedeutsames Buch von A. Jean Ayres , ein Klassiker der sensorischen Integration:

Bausteine der kindlichen Entwicklung: Die Bedeutung der Integration der Sinne für die Entwicklung des Kindes

mehr

Und weil ich eine fleißige Mami bin, die für ihr Kind das Beste will – ebenso wie die weniger fleißigen – habe ich noch mehr dazu gelesen und immer darauf geachtet, dass nicht zu viele Reize um uns herum schwirrten.

Nun hatte ich es leicht, was das TV anging: mein Nachwuchs hatte schlicht und ergreifend Angst vor den sich bewegenden Bildern und den Geräuschen, die aus dem Off kamen.
Teletubbies…..gruselig.
Sesamstrasse….Ungeheuer.
Sandmännchen….ja, da war auch mal was Nettes dabei.
Tier-Dokus, auch mal über Tier- Operationen in Nahaufnahme: gerne.
Oder kurze Kinderfilme mit echten Menschen.

Davon gibt es aber nicht allzu viel und so haben wir die Medien- Debatte erst jetzt….. 10 Jahre später als viele andere Familien.

Was mich betrifft, so gebe ich zu, dass iPad, Handy und PC Überlebensmittel für mich sind und ich sie nicht missen möchte.
Ohne Rechner wäre meine Isolation als alleinerziehende, berufstätige Mutter mit betreuungsintensivem Kind vielfach größer gewesen.
Ohne Handy hätte ich mein Kind, dass noch Halt brauchte, als es schon allein durch die Großstadt fahren musste, nicht von der Arbeit aus beruhigen können.
Viele Informationen, die ich mir selbst zusammen suchen musste, habe ich aus dem www.
Unterstützung, zu der meine Familie und früheren Freunde nicht bereit oder in der Lage waren, bekam ich von Fremden in Selbsthilfe-Foren.

Mein Nachwuchs, der sich schwer mit sozialen Kontakten tat, hat echte Kontakte mit Hilfe von Facebook vertieft und gehalten. Dinge, die in der Schule zacki-zacki und oft nonverbal ausgetauscht werden, können so in Ruhe aufgegriffen werden und am nächsten Tag kann man dran anknüpfen.

Klaro, dass die Konteneinstellungen gemeinsam überprüft werden.

Mit den Jahren habe ich viele enge Kontakte zu Familien mit “ Wahrnehmungsstörungen“ bekommen.
Allen gemeinsam ist, dass sie sehr bewußt mit Medien jeder Art umgehen.
Viele Kinder haben kein TV im Kinderzimmer. Gameboy-Zeit ist reduziert. Der eigene PC kommt erst in der Pubertät.

Aus diesem Grund reagiere ich leicht genervt, wenn Bücher wie

Digitale Demenz: Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen

quelle

hochgelobt werden und deren Verfasser , hier Manfred Spitzer, von Talkshow zu Talkshow gereicht werden.

Zuletzt geschehen mit Michael Winterhoff, der hiermit zwar an die elterliche Intuition appelliert, in großem Maße aber Verunsicherung verbreitet und letztlich “ schwarze Pägagogik“ für das Maß aller Dinge hält. In Zeiten von Super-Nanny gern gelesen.

Habe ich mich schon durch das Geschreibsel von Winterhoff gequält, schaffe ich es mit Spitzer auch.

Und bin positiv überrascht.
Vorrangig ist hier nicht Technikfeindlichkeit.
Es wird sich auf viele, nicht mehr ganz so neue Studien bezogen.
Deshalb auch kein Aha-Moment beim Lesen, eher das Gegenteil. Ja, das wissen wir doch alles schon….oder etwa nicht?

Kann es sein , dass sich viele Eltern von Kindern mit Reizverarbeitungsproblemen und Regulationsstörungen mehr mit dem Thema auseinander setzen als die stolzen Eltern von Kindern, die ja in allen Gebieten schon “ so weit“ sind?

Erschreckend die Berichte über Babys, die mit 8 Monaten in den USA an die Glotze gewöhnt werden. Natürlich mit speziellen Programmen.
Erschreckend auch die Dauer des Medienkonsums dort.
Ich finde es schon viel, was viele Kids hier alles schauen und wie lange . Mich wundert immer, dass die halbe 9. Klasse um 23 h noch “ on “ ist. Hier stimmt ausnahmsweise mal das Argument meines heimischen Teenies : die Anderen dürfen auch alle……und ich kontere dann mit dem Argument meiner Eltern : wir sind aber nicht “ die Anderen „.

Aber das ist alles nix gegen das Land der Superlative.

Da lobe ich mir ausnahmsweise das hausbackene Deutschland.
Wird wohl noch ne Weile dauern, bis wir das eingeholt haben.

Bislang bereue ich es nicht, das Buch zu lesen.
Nervig finde ich die Art der Vermarktung. Zum Glück geht es in dem Buch sachlicher und fundierter zu. Vielleicht hat der Autor Recht und es geht nicht anders, um Gehör zu bekommen.

Ich werde weiter lesen….besonders auf das, was noch zum Thema Mediensucht kommt, bin ich gespannt.

Vorerst der Vorläufer dieses neuen Bestsellers:

Sollen Hunde fernsehen ?


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