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0815 geht gar nicht….oder einfache Lösungen für alle sind mir suspekt

Sonderlocken

2 Kommentare

Es gibt kein richtiges Leben im Falschen…..

Wer immer sich für ein besseres Leben, eine gerechtere Gesellschaft/ Welt gerade macht, stolpert früher oder später über diesen Satz von Adorno.
Man mag ihn deuten wie man will…ich bin fern ab von philosophischem Geschwurbel.

Er fällt mir nur ein, wenn ich sehe, zu welchen Abstrusitäten auch im Prinzip richtige Überlegungen und vor allem Haltungen und Verhaltensweisen führen können.

Kinder, allesamt eher sensibel, werden in der Schule klein gemacht mit Leistungsdruck, Ungerechtigkeit und anderen Mitteln, die der Selektion dienen.

Kinder, die noch sensibler sind und unter die Kategorie ADHS oder ASS fallen, werden entweder total demontiert durch dieses System oder sie bekommen eine rücksichtsvollere Behandlung, die sich sonderpädagogischer Förderbedarf nennt. Und in Wirklichkeit doch nichts anderes ist als ein Eingehen auf die individuellen Besonderheiten, Schwierigkeiten und wenn Weihnachten und Pfingsten auf einen Tag fällt auch auf die Stärken.

Als wenn das nicht jedes Kind bräuchte.

Aus Sicht der Kinder ergibt sich eine ver-rückte Position innerhalb der Klasse.
Wer “ anständig“ behandelt wird, ist nicht normal.
Wer nicht normal ist, dem traut man nichts zu.
“ Dummen“ traut man auch nichts zu. Also muss ich dumm sein.
Oder werden.
Auch die anderen halten mich für dumm.

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Das macht es schwierig, sich gut zu entwickeln.

Bislang ist Inklusion eine Worthülse.

Menschlicher Umgang mit allen Schüler/innen ist die erste Voraussetzung für das Gelingen derselben.

Dass damit schon heute ein Anfang im Schulalltag gemacht werden kann, schildert anschaulich Prof.i.R. Dr. Raimer Kornmann hier:

Ich beobachtete einen Studenten bei einer Rechenstunde. Er stellte den Kindern Aufgaben, die im Kopf zu lösen waren und ging dabei durch die Bankreihen. Dabei achtete er auf die Kinder, die sich meldeten und ließ sich von ihnen die Lösung ins Ohr flüstern. Nachdem alle Kinder, die sich gemeldet hatten, auch berücksichtigt worden waren, ließ er zunächst die Aufgabe wiederholen und rief danach gezielt bestimmte Kinder auf, die Lösung zu sagen und zu wiederholen. Es waren immer richtige Lösungen, und sie wurden auch und gerade von den leistungsschwachen Kindern eingebracht.
Für diese als schwächer geltenden Kinder mag es ein besonders wohltuendes Erlebnis gewesen zu sein, mit richtigen Lösungen identifiziert zu werden und hierfür Anerkennung zu erhalten – so wie für alle anderen auch. Durch die Wiederholungen der richtigen Lösungen im Zusammenhang mit der erneut vorgegebenen Aufgabenstellung ergaben sich auch Lerngelegenheiten für diejenigen Kinder, die die Aufgabe falsch oder gar nicht gelöst hatten, ohne dass sie dabei negativ vor der Klasse auffielen oder gar bloß gestellt wurden. Gleichwohl war es aber dem Lehrer möglich, solche Schwierigkeiten zu erkennen, um sich für das nächste Mal gezielte Hilfen und Erleichterungen zu überlegen. Keinesfalls war also die Unterrichtssituation für irgendwelche Kinder, die bestimmte Schwierigkeiten hatten, beängstigend. Ihre Schwierigkeiten wurden zwar von dem Lehrer erkannt, fielen aber ansonsten nicht auf.

Leider ist ein solches Vorgehen nicht üblich.

Deshalb ist es manchmal nötig, einen “ break“ zu machen.
Raus aus der Schonumgebung, die zur Frust-und Bremsumgebung geworden ist.

Freiwilliger Verzicht auf Sonderlocken, die zum Schutz da sind, aber zum Nachteil gereichen.

Finanzielle Ressourcen sind ein wichtiger Aspekt bei der Realisierung von Inklusion.
Srukturelle Veränderung ebenso.
Am Wichtigsten scheint mir aber das Umdenken der Menschen, von deren Verhalten und Urteil so viel für die Kids abhängt.
Und das kann man weder kaufen noch verordnen, leider.

Ich freue mich über Feedback. Um einen Kommentar zu schreiben, muss man nicht registriert sein.

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2 Kommentare zu “Sonderlocken

  1. Schulnoten sind ein Selektionsmittel mit weitreichenden Folgen. Durch die Fixierung des Schulsystems auf bestimmten Lerntypen kommt es zur Ausgrenzung der nicht geförderten Lerntypen. Siehe dazu auch http://www.philognosie.net/index.php/article/articleview/163/
    Das sind meiner Meinung nach der visuelle und motorische Lerntyp. Welche Potentiale allein dadurch verloren gehen halte ich für immens. Hinzu kommt jedoch noch, dass nur verhaltenskonforme Schüler gefördert werden, alle anderen jedoch keine ausreichenden Freiräume mehr bekommen und dadurch Konflikte geradezu provoziert werden. (BSP. unzureichende Freizeitangebote für Jugendliche, Förderung von Projekten für Jugendliche). Dadurch entstehen Fronten und Disharmonie die sich in Ablehnung gesellschaftlicher Normen ausdrückt, wie z.B. Aufräumen von Unrat, auffälliger Kleidung, Körperschmuck und letztlich auch Piercing ausdrückt. Natürlich vermischt sich das auch wieder mit der pubertären Entwicklung.
    Dennoch halte ich das Ganze immer noch auch als ein Symptom gesellschaftlicher Freiheitsberaubung an den Jugendlichen, weil es einfach an Gestaltungsmöglichkeiten fehlt.

  2. Pingback: Zuwachs in der ADHS-Blogwelt… « ADHS-Spektrum: Neues und Altes aus der ADHS-Welt

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