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0815 geht gar nicht….oder einfache Lösungen für alle sind mir suspekt

Die Guten in’s Töpfchen die Schlechten ins Kröpfchen…..

4 Kommentare

In der aktuellen Ausgabe der Hamburger Lehrerzeitung der GEW findet man einen ernüchternden Bericht – „Alles stabil “ zum Anmeldestand im Januar 2013 für den Jahrgang 5 auf die Stadtteilschule bzw. das Gymnasium in Zeiten der Inklusion light.

“ Die Ergebnisse zeigen einen ungebrochenen Trend hin zum Gymnasium und mit …. Deutlichkeit, wer die Lasten der Inklusion trägt“.

Stadtteilschule:
5405 ( Vj: 5784) Anmeldungen gesamt, davon
683= 12,6 % ( Vj: 594= 19,2%) Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf gem. §12 Hamburgisches Schulgesetz.

Die meisten der Inklusionskinder – kann nicht endlich mal jemand eine untechnische Bezeichnung für diese kleinen Alltagshelden erfinden? – haben Förderbedarf im Lesen, sozialer und emotionaler Entwicklung, nämlich 10, 88%.
Da finden sich z.b. die ADHS-Kids und Spätzünder aller Art wieder.

Die tätsächliche Anzahl ist höher, denn der Förderbedarf wird oft erst im Laufe der 5. Klasse festgestellt.

Die Inklusionskinder verteilen sich unterschiedlich auf die Stadtteilschulen. Es gibt Extrem-Beispiele, wie 15 Inklusionskinder auf 33 Kids ohne entsprechenden Förderbedarf.
An vielen Stadtteilschulen in sozialen Brennpunkten liegt der Anteil der Inklusionskinder
bei 20 – 30 %.

Gymnasien
6682 Anmeldungen gesamt, davon
15 = 0,24‰ Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf.

An keinem Gymnasium sind im 5. Jahrgang mehr als 2 Inklusionskinder.

Kümmern sich in diesem Schuljahr noch 204 Grundschulen um die 683 Inklusionskinder der 4. Klasse, so werden es ab Herbst nur 57 Stadtteilschulen sein.

Ohne Berücksichtigung der Inklusionskinder sind 57, 1 % zukünftige Gymnasiasten und 42, 9 % Stadtteilsschul-Schüler.

Es geht in Richtung 60: 40.

Für Nicht-Hamburger: beide Schulformen bieten das Abitur.
Angesichts dieser Zahlen kann der Schulsenator jedoch noch so oft beteuern, dass wir ein ausgeglichenes, dem Gedanken der Chancengleichheit gerecht werdendes 2 Säulen – Schulsystem haben.

Besonders unter den Bedingungen der Sparversion von Inklusion mehr als zynisch.
Wer nur ein wenig über die vielfachen “ Diagnosen“ , die zur Feststellung des Inklusionsstaus führen können weiß, erschrickt über die systematische Verweigerung von guter Ausbildung diesen Kindern gegenüber.

Restschule lässt grüßen.

Um keine Illusionen aufkommen zu lassen: laut Bundesbildungsbericht 2012 erreichten nur 34 % aller Schüler das Abitur.

Drängt sich die Frage auf: ist es wirklich so toll, zu den rund 60 % hartgesottenen, normgerechten Leistungserfüllern gehören zu müssen?

Ach, wann hören wir endlich mit dieser unglückseligen Selektion auf?

Hinweis: zu Grunde gelegt wurden die von BSB ermittelten Zahlen vom 8.2.2012 und vom 11.2.2013, sowie die Presseerklärung der BSB vom 13.2.2013

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4 Kommentare zu “Die Guten in’s Töpfchen die Schlechten ins Kröpfchen…..

  1. „Diagnosen“: Wer alles Kindern den Weg verbauen kann, ist schon schlimm. Glücklicherweise haben wir uns dagegen gewehrt, als unsere Tochter (Asperger) in die Förderschule kommen sollte. Sie ist jetzt in der 8. Klassenstufe (also das 2. Jahr hier in Brandenburg) im Gymnasium, mit Schulbegleiter und durchweg guten bis sehr guten Zensuren…
    Ein ehemaliger Klassenkamerad meiner Tochter ist jetzt auf der Realschule, weil die Direktorin der Grundschule die Gymnasialempfehlung verweigert hatte. Seine Mutter hatte gewagt, in einer Elternversammlung der Direktorin zu widersprechen. An der Schule ist unsere Tochter auch auf Betreiben hauptsächlich ihrer Klassenlehrerin massiv gemobbt worden, so dass wir sie für die 5. und 6. Klasse in eine andere Grundschule haben umschulen lassen. – Wir haben wirklich viel Glück gehabt…

    • Sicher hat deine Tochter es da auch nicht immer leicht.
      Verglichen mit anderen „Diagnosen“ gibt es für Asperger viele klar beschriebene Ansprüche auf Unterstützung und mittlerweile sickert glücklicherweise ja auch durch, dass Asperger nichts mit “ Minderintelligenz“ zu tun hat. Immer noch hart zu erkämpfen, ich weiß.

      Kinder mit unklareren Entwicklungshemmnissen werden da eher in die Ecke dumm, faul, schwer erziehbar, schlechte Eltern und was weiß ich noch alles gesteckt – und oft aufgegeben.

      Leider herrscht bei (zu) vielen die Mentalität: „rette sich , wer kann “ vor ( was einerseits verständlich ist ) aber leider an der grundsätzlich katastrophalen Bildungs- und Inklusionspolitik nichts ändert.

      • „dumm, faul, schwererziehbar, schlechte Eltern“: kenne ich alles aus meiner Schulzeit und aus der ersten Grundschule meiner Tochter.
        Sicher hat sie es auf dem Gymnasium nicht leicht: sie kommt jeden Nachmittag völlig fertig nach Hause, da sie sehr lärmempfindlich ist.
        „Inklusion“ kann nur bei einer völlig anderen Schulpolitik was werden. Stress ist Gift für eine gelingende Bildungspolitik, und Stress wird erzeugt durch knappe Kassen, unausgegorene Konzepte etc. Es soll immer was ganz Tolles werden, darf aber nichts kosten. Kein Wunder, wenn das dann nur ein tolles Luftschloss wird.

      • Ein Luftschloss, das längst nicht so erwünscht ist wie vollmundig behauptet…..

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