leidenschaftlichwidersynnig

0815 geht gar nicht….oder einfache Lösungen für alle sind mir suspekt

By the way…

9 Kommentare

So. Der Kinderpsychologe, der Ihnen gegenüber sitzt, hat Ihnen gerade gesagt, dass Ihr Dreijähriger „ein Verhalten zeigt, das mit dem eines Menschen aus dem autistischen Formenkreis übereinstimmt“. Was Sie jetzt spüren, ist Beklommenheit, klar, eine Vorahnung, dass Ihr Leben als Eltern viel härter werden wird, als Sie es sich ausgemalt hatten, allerdings auch ein bisschen Bestätigung.
Wenigstens haben Sie jetzt einen zehnseitigen Bericht, den Sie Freunden und Verwandten vorlegen können, die immer wieder behauptet haben, Jungs seien nun mal langsamer als Mädchen ………
An Leute, die es zuerst erfahren sollten, schicken Sie ein paar allgemein gehaltene E-Mails mit Wendungen wie „ach übrigens“, „wie’s aussieht“, „hat Autismus“, „mach dir aber keine Sorgen“ und „bestätigt, was wir sowieso schon vermutet hatten“. Die Antworten folgen prompt, klingen aber unbeholfen: Beileidsbekundungen sind eben mangels Leiche unangemessen, und E-Cards mit „Tut mir leid, dass euer Sprössling ein Autist ist“ gibt es noch nicht. Manche Leute schicken Ihnen Zeitungsausschnitte über Autismus – darüber, wie das Reiten und Schamanen in der Mongolei einem Kind geholfen haben, über einen berühmten Schriftsteller, dessen autistischer Sohn ganz gut zurechtkommt, über eine bahnbrechende Diät auf der Grundlage von Hanf und Açaifrüchten. Die Ausschnitte wandern in den Kompost……

Wie der Schriftseller David Mitchell lernt, seinen kleinen Sohn zu verstehen, beschreibt er in einem lesenswerten Artikel in der DIE WELT online hier.

Sehenswert ebenfalls Bettina Böttingers Reportage B.sucht im wdr, leider zu vorgerückter Sendezeit, aber immerhin über die Mediathek abrufbar hier.
Besonders hat mir das Porträt von Sabine Kiefner gefallen, auf deren sehr informativen Blog ich gerne hinweise: Aspergerfrauen.
Auch Dr. Peter Schmidt ist kein Unbekannter in der “ Szene“ und wer noch nichts von ihm gehört hat, kann sich auf seiner HP schlau machen.
In Kombination mit dem dritten portraitierten Autisten, Julius, wird deutlich, wie vielfältig das autistische Spektrum ist.

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Für gerade mal 30 Minuten kann man nicht mehr erwarten.

Wer mehr über Dr. Christine Preißmann erfahren möchte, wird bei Aktion Mensch fündig. Ein Interwiev mit ihr gibt es hier zu lesen.

Zum Schluss noch einen Tipp für den Wochenend-Einkaufsbummel: kleinen Stop in der Zeitschriften-Abteilung, Fokus Heft 28 S. 94 aufschlagen und diesen Artikel lesen :

Lächeln lernen : Sie leidet am Asperger-Syndrom. Trotzdem schaffte es Christine Preißmann, Ärztin und Buchautorin zu werden.“

Über Preißmanns bemerkenswertes Buch habe ich kürzlich hier geschrieben.

U P D A T E : wer es nicht in den Zeitungsladen geschafft hat, schaut hier

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9 Kommentare zu “By the way…

  1. Danke für den 2. Buchtipp diese Woche. Das Buch von Frau Preißmann habe ich mir heute bestellt.

    Die gestrige Sendung ist für ihre Kürze wirklich sehenswert! Frau Böttinger kommentiert kaum, sie bewertet nicht, sie läst die porträtierten Menschen einfach Sein! Schade, dass es nur 30 Minuten waren.

    Sabine’s Mut bewundere ich sehr!

  2. Also, ich würde SOFORT die Karte mit „Tut uns leid, dass Euer Sprößling ein Autist ist“ oder auch „Hilfe, ich bin ein Autist“ oder „Bitte alles unverändert lassen, hier wohnt ein Autist“ oder „und täglich grüßt das Autistenkind“ 😉 kaufen 🙂
    Dem Thema mit Humor zu begegnen ist zwar nicht immer einfach aber dann doch ganz hilfreich!

  3. werde ich bestimmt 🙂

  4. So, hab es geschafft, dass o.g. Buch endlich fertig zu lesen. 🙂

    Zum einen ist es ein Reisebericht.

    Zum anderen der Bericht eines Vater’s auf der Reise zu seinem Sohn. Mit vielen Begegnungen, die nachdenklich machen.

    Ein Wegweiser für Autismus ist es definitiv nicht.

    Lesenswert wird es dadurch, dass der Vater so oft seine eigene Verunsicherung preis gibt. Und trotz allem seine Liebe zu seinem Sohn im Vordergrund für ihn steht!

    Das Ende ist offen ………… so offen wie der Weg dieses jungen Mannes (ich hoffe er findet einen guten Weg für sich, bzw. es wird ein guter Weg für ihn gefunden)!

    Es ist aus der Sicht des Vaters geschrieben, aber nicht vom Vater selber. Das könnte meine zeitweiligen Verständnisprobleme zum Teil erklären.

    Lesenswert ist auf jeden Fall. Auch und vor allem unter dem Aspekt, wie andere Kulturen (vor allem in den Berichten über südamerikanische Länder) mit dem Sohn umgegangen sind. Es eröffnet andere Blickwinkel.

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