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0815 geht gar nicht….oder einfache Lösungen für alle sind mir suspekt

Inklusion paradox I

15 Kommentare

Menschen, die ihre Umwelt anders erleben, bewegen sich in einer Gruppe, z.B. Schulklasse, anders als ihre Mitschüler_innen.

Hochsensible entziehen, zapplige bewegen sich, autistische erstarren. Sie halten sich die Ohren zu, geben den Klassenclown, sitzen unter dem Tisch, träumen sich weg, werden aggressiv.
Das alles erfolgt nicht absichtlich. Sie machen sich damit richtig, können auf diese Weise bei sich selbst bleiben.
Wer mit diesen Kindern zu tun hat weiß, dass sie oft selbst am meisten darunter leiden, den (schulischen) Ansprüchen an ihr Verhalten nicht gerecht zu werden.
Sie empfinden sich häufig als „nicht richtig“, schlecht und böse.
Sie sind traurig, dass sie die Lehrer_in\ Eltern immer so enttäuschen.
So sehr sie sich auch abmühen,nie gelingt ihnen angemessenes Verhalten wirklich, bzw. nur unter großer Anstrengung und nicht auf Dauer.

Wenn es in einer Schulklasse drunter und drüber zugeht, ist das für niemanden gut.
Am wenigsten für die kleinen „Andersweltler“ .

Wie also wird in Zeiten der Inklusion ein gutes Lernklima für alle Kinder hergestellt?

Vorsicht! Zeiträuber!

Du hast uns heute wertvolle Lernzeit gestohlen, indem du

> wiederholt den Unterricht gestört hast
> dich nicht schnell, leise und ordentlich aufgestellt hast
> nicht pünktlich in den Unterricht gekommen bist
> deine Hausaufgaben nicht vorzeigen konntest
> dich mit anderen Kindern gestritten hast
> nicht zugehört hast

Überlege dir bis morgen, wie du es wieder gut machen kannst!
Schreibe Deine Idee auf die Rückseite!

Diese netten kleinen, freundlich aufgemachten und doch vernichtenden Briefchen bekommen Erstklässler_innen hier vermehrt bereits nach 2 Schulwochen ausgehändigt.

Reicht es nicht, dass Kinder mit Anpassungsschwierigkeiten sich als unfähig empfinden, müssen sie sich nun auch noch schuldig gegenüber der Gruppe fühlen?

Bin ich vielleicht zu kleinlich und das ist gar nicht so schlimm?
Ich zeige Teenie den Zettel.
“ Oh je, dann hätte ich mich ja von Anfang an als Schwerverbrecher fühlen müssen „, sagt eine,
die in 9 Schuljahren nicht 1 mal wegen Störung des Unterrichts gemahnt wurde.

Und ich mich erst !

20130904-233019.jpg

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15 Kommentare zu “Inklusion paradox I

  1. Diese „Briefchen“ sind widerlich!

    Und es ist ein Zeichen von Überforderung der Lehrer.

    Die Kinder werden bestraft!

    Für etwas, dass sie nichts können.

    Und selbst „Norm“-Kinder bekommen hierüber die Lust auf Schule ausgetrieben.

    Wie kann man dieser Entwicklung entgegenwirken?

    Durch offene Elternarbeit. Kleine Klassenstärken. Lehrer, die man nicht alleine lässt! Doppelt-Besetzung im Unterricht.

    Das sind meine ersten Ideen.

    Allerdings finde ich es heftig, wenn solch ein „Briefchen für Erstklässler bereits in den ersten 2 Wochen verteilt werden. Die Kinder haben doch gerade DANN ALLE noch den Kiga im Kopf und kämpfen mit der Umstellung auf Schule (das unbekannte Wesen).

    Der Eingewöhnung im Kiga wird deutlich mehr Zeit gewidmet!

    • Widerlich ist das passende Wort.

      Das ist keine Pädagogik, das ist Psychodruck, Manipulation.
      Als mir diese Zettel gezeigt wurden, beschlich mich das gleiche ungute Gefühl, das ich bekomme, wenn ich etwas über Sekten lese.

      Das Individuum ist nichts, die absolute Unterordnung in der Gruppe ist Gebot.
      Emotionale Erpressung durch Schuldgefühle.

      Bei aller Belastung der Lehrer: das sind studierte Leute die über kleine Menschen urteilen. Kopf einschalten hilft.

      Manipulationstechniken haben in der Schule nichts zu suchen.

      Selbstverständlich trifft es alle Kinder. Aber die meisten werden etwas weniger Zettel anhäufen…..

  2. Unser Träumerchen hatte von der 4-6 Klasse einen Spitzen Lehrer.
    Der verteilte für vergessenes Strafzettel. Auf denen standen 10 Wörter (erweitertes Allgemeinwissen) Welches die Kinder zur Strafe im Duden nachschlagen mussten. Am nächsten Morgen mussten sie dem Lehrer mündlich die Bedeutung der Wörter sagen.
    Wer schnatterte kriegte auch einen Strafzettel, aber der hatte nur 5 Wörter.

    Unser Träumerchen, dass nie schnatterte, aber ständig was vergass, kam meist mit einem Schnatterzettel…der Lehrer wollte ihn nicht übermässug quälen.
    Unser Träumerchen machte diese Zettel mit links und gerne 😉

    Und so ging es auch seinen Kameraden…das waren echt sinvolle Strafaufgaben…

    Das war sowieso ein toller Lehrer, eine echte Perle!

  3. Grenzziehungen gehören zum pädagogischen Alltag und zum Zusammenleben. Aber immer im Dialog und mit Respekt. Sonst sehe ich darin auch Repression, Hilflosigkeit oder Bequemlichkeit. Und wenn die Zettelchen „gezielt auf den Tisch eines Kindes gelegt werden können“, dann hat sich die Lehrperson bald gänzlich aus der Verantwortung geschlichen.

  4. Ich finde Strafzettel, vor allem in den ersten Wochen mehr als lästig und überflüssig.

    Falls ein Kind wirklich absolut nicht zu bremsen sein sollte (und ein guter Lehrer kann auch bremsen), dann sind Elterngespräche notwendig und wichtig!

    Kommunikation ist das A und O.

    Nun habe ich heute meinen autistischen Zwerg eingeschult. Ab morgen greift die Schulbegleitung. Und ich hoffe sehr, dass man über Gespräche und klare Regeln, sowie Auszeiten und entsprechender Förderung diesem Problem entgegenwirken kann!

    Und da ich heute die Begleitung war, ist mir erst so richtig aufgefallen, wie viele Kinder einen Unterstützungsbedarf haben, der ihnen zwecks mangeldner Diagnose einfach nicht gewährt wird.

    Die Diagnose

    „wir nehmen jedes Kind an und unterstützen es, wo das Kind es braucht“

    gibt es ja leider immer noch nicht!

  5. Der „Zeiträuber“-Zettel erinnert mich an eine „Aussprache“ an der ersten Grundschule meiner Tochter. Im Beisein beider Eltern zog die Lehrerin über sie her. Sie als Lehrerin und wir als Eltern würden versuchen, einen Karren einen steilen Berg hochzuziehen, aber unsere Tochter würde nicht nur nicht helfen, sondern sich noch oben drauf setzen. Versuche meiner Frau, das richtigzustellen, wurden großzügig überhört. Ich (selbst Asperger wie meine Tochter) saß mit verkrampften Händen daneben und traute meinen Ohren nicht. Am liebsten wäre ich aufgestanden und hätte der Kuh (Verzeihung an alle Kühe, die ganz liebe Tiere sind!!!) eine gescheuert.
    Wir haben unsere Tochter dann in eine andere Grundschule umgeschult.
    Diese Lehrerin hat auch die Kinder der Klasse gegen Klara aufgehetzt, als ihr eigenes Mobbing ihr nicht mehr genügte. Dabei war sie es, die durch systematische Demotivierung das umgerissen hat, was wir mit Hilfe der Ergotherapeutin versucht hatten aufzubauen.
    Ich bin nur froh, dass jetzt am Gymnasium Klara ihr inneres Gleichgewicht wiedergefunden hat (sie hat dort ganz gute Zensuren, obwohl sie nach Einschätzung einer „Expertin“ an der bewussten Grundschule auf eine Sonderschule für Lernbehinderte sollte).

  6. Was es alles gibt – um Kinder zu quälen. Sicher erhältlich im pädagogischen Verlag … Gibt’s da gleich die passende Eselsmütze dazu?

  7. Unglaublich!! Das kann doch nur Satire sein. Oder? ODER???
    Ich kann Dir nur raten, in einem solchen Fall eine Riesenwelle zu machen. Andere aufwiegeln, zum Direktor/Direktorin, das Gespräch mit den Lehrern suchen … Diese Zettel müssen weg, wenn Ihr wollt, dass die Kinder ihre Grundschulzeit als etwas Positives erleben.

    Ich bin gerade so fassungslos, ich habe Tränen in den Augen. Was tut diese Gesellschaft mit dem, was uns am Wichtigsten, am Höchsten sein sollte.

    Aufruf zum zivilen Ungehorsam!

    • Die Grundschulzeit ist bei uns schon durch und war auch ohne diese Zettel nicht besonders erquicklich. Ebenso wie die Folgejahre.
      Trotzdem harmlos gegen diese Zettel. Auch ich bin entsetzt, welche Blüten unter dem Deckmäntelchen Pädagogik in unseren Schulen treiben.
      Leider halten viel zu viele Eltern still.

      • Tja, es ist nicht so einfach, sich für die Kinder gerade zu machen. *Ironie off*

        Im Ernst,

        es gbit Eltern, die einfach Angst haben, dass es schlimmer werden könnte.
        die Angst haben, vor anderen Eltern darüber zu sprechen, da sie ihr eigenes Kind als „unfähig“ darstellen könnten.

        Ich erinnere mich an Diskussionen, wo andere Eltern sich „schützend“ zwischen mich und den Lehrer „stellten“. Um den Lehrer zu schützen. Und sich selber in ein besseres Licht zu rücken.

      • Am schlimmsten fand ich immer, wenn sich auf dem Elternstammtisch über die Schule/ Lehrer geklagt wurde, beim Elternabend aber alle so taten, als sei alles o.k. und Probleme hätten nur die anderen.
        Auf diese Heuchelveranstaltungen habe ich mich immer ganz besonders gefreut.
        Beliebt war ich bei den Lehrern nicht gerade -aber sie kamen auch nicht an mir vorbei.

  8. Fürchterlich. Mehr fällt mir zu diesen Zettelchen nicht ein. Als ob „besondere“ Kinder es nicht schon schwer genug hätten, muss man sie auch noch systematisch niedermachen mit solchen Straf-Aktionen. Einer der Hauptgründe, warum mein Sohn auf einer E-Schule eingeschult wurde.

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