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0815 geht gar nicht….oder einfache Lösungen für alle sind mir suspekt

Inklusion paradox II

2 Kommentare

Irgendwann ist Schule Historie und der Schritt in’s Arbeitsleben liegt an.
Berufsorientierung wird an den Schulen heute groß geschrieben, es gibt sogar Zertifikate dafür.
“ Schule mit vorbildlicher Berufsorientierung“ , das dürfte nicht nur im hiesigen kleinen Stadtstaat so sein.
In der Praxis sieht das dann nicht immer so rosig aus, nachzulesen in meinem Beitrag Reality-Show Bewerbung.

In einer illustren Runde hochkarätiger Verwaltungsbeamter hatte ich kürzlich das zweifelhafte Vergnügen, die Auswahlinstrumente für zukünftige Verwaltungsangestellte/beamte des mittleren Dienstes präsentiert zu bekommen.
Also für die jungen Menschen, die mit Realschulabschluss oder Abi direkt in die öffentliche Verwaltung wollen.
Für die Akademiker_innen gibt es andere Verfahren.

Nun ist es ja nicht so, dass man sich heutzutage einfach nur bewirbt. Viel zu einfach.
Zukünftige Versicherungssachbearbeiter_innen werden im Klettergarten auf Teamfähigkeit geprüft.
Ach, du würdest Dachdecker_in werden, wenn du schwindelfrei und sportlich wärst?

Also, warum sollte es im öffentlichen Dienst (ÖD) anders sein, immerhin werden diese Beschäftigten von unseren Steuergeldern bezahlt.
Damit nicht unnötig viel Zeit der bereits im ÖD befindlichen Menschen verplempert wird, können Schulabgänger_innen sich in einem self-Assessment selbst checken: C!You macht’s möglich.

Wir bieten Ihnen die Möglichkeit schon vor einer schriftlichen Bewerbung selbst zu prüfen, ob das Berufsbild der Allgemeinen Verwaltung Ihren Fähigkeiten und Interessen entspricht. Erleben Sie uns spielerisch, interaktiv und anonym!

Wird in der ersten Runde noch gespielt, muss sich der/die selbst-gecheckte/r Kandidat_in im nächsten Schritt daran machen, eine Bewerbung zu schreiben.
Mit ein wenig Glück landet diese nicht bei den 50% für die Rundablage bestimmten.
Sondern es geht weiter zum Präsenz-Eignungstest.

Psychologische Eignungstestung

2 sehr kompetente junge Psychologinnen klärten die Beamtenrunde nebst mich darüber auf, was es damit auf sich hat. Natürlich keine Persönlichkeitstestung, es geht nur um Leistung. Alles streng nach DIN XYZ.
Soll jetzt alles elektronisch gemacht werden.
Das fänden die jungen Leute toll.
Und die Auswertung sei schneller. Mühsames Schablonen-Auflegen entfalle.
Das Ergebnis sei 4 Tage früher da. Was für eine Verbesserung.
Da wird die Privatwirtschaft aber staunen.

Wer sich im Test als geeignet zeigt, darf dann endlich ins Assessment.
Dort dann noch mal 3 Testblöcke in der Gruppe.

Selbstverständlich ist Chancengleichheit garantiert. Schwerbehinderte können sich vorab melden und bekommen ihrer Beeinträchtigung entsprechende Testbedingungen.

Wer all‘ diese Hürden geschafft hat, darf in’s Vorstellungsgespräch.
Ein echter Dialog, wie ging das nochmal?

Bestenauslese

Beste/r schon vor Ausbildungsbeginn.
Im Eignungstest sicher an der richtigen Stelle das Kreuzchen gemacht.
Nicht zu nervös gewesen.
Im Assessment sozialkompetente/r Tonangeber_in.
Oder gute/r Schauspieler_in.

Wird dieser Mensch seine Arbeit mit Hingabe machen? Wird er ein zuverlässiger Kollege sein?
Was bringt er besonderes ein, in’s Team?

Inklusion!
Tönt es in jeder Sonntagsrede unserer örtlichen Politiker_innen.
Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund in der öffentlichen Verwaltung soll erhöht werden. Niemand verloren gehen.

Was ist mit den Menschen, die etwas Zeit brauchen, um in eine Aufgabe hineinzuwachsen?
Denen man die Möglichkeit geben muss, sich an der Aufgabe zu entwickeln?
Die in Tests schlecht abschneiden, in der Praxis aber überzeugen können?
Ohne anerkannte Schwerbehinderung, aber dennoch durch ein so dermaßen standardisiertes Auswahlverfahren ohne Chance sind?

Mit anderen Worten: jenseits der Norm?

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2 Kommentare zu “Inklusion paradox II

  1. Dachte ich noch, dass die Testungen Mitte der 80erJahre ein „lustiges“ Unterfangen waren, so vergeht mir bei der obigen Beschreibung einfach alles.

    Ebenso finde ich es fragwürdig, dass man als Azubi-Stellen-Sucher bereits im Bewerbungsschreiben ein komplettes Bild über den Ausbildungsbetrieb niederschreiben soll. Woher soll denn dieses Wissen kommen?

    Wenn ich daran denke, dass ich damals mit der Intention nach einer Lehrstelle im kaufm. Bereich eine Lehrstelle suchte und nicht nach dem, was dieser Betrieb vertrieben hat. Ich glaube, nach heutigen Maßstäben, würde ich keine Lehrstelle mehr bekommen.

    Viele Fähigkeiten werden in der Schule weder gefordert noch gefördert, aber von der Wirtschaft angemahnt. Diese übt aber nur selten entsprechenden Druck auf die Politik aus, hier entsprechend einzugreifen.

    Kleine Betrieben, in denen man an seinen Aufgaben noch wachsen kann, sind soo selten geworden oder sie können sich eine Ausbildung schlicht und ergreifend einfach nicht mehr leisten. Es ist sehr schade um diese vertanen Chancen!

    • Ich denke auch manchmal: wie haben wir eigentlich unsere Jobs bekommen und wieso können wir gut darin sein?

      Ich musste mich nicht 1 Mal einer annähernden Prozedur unterziehen.

      Aber ich gehöre ja auch zu der Generation deren IQ nie getestet wurde…Glück gehabt 😉

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