leidenschaftlichwidersynnig

0815 geht gar nicht….oder einfache Lösungen für alle sind mir suspekt

Reset

Hinterlasse einen Kommentar

Es war ein wenig still hier bei Leidenschaftlichwidersynnig.
Dabei waren die letzten beiden Wochen das glatte Gegenteil davon.
Ein abwechslungsreicher Job ist nicht immer ein Segen.
Zu viele Eisen im Feuer. Alle am glühen halten.
Teilzeit in dem Sinne : von meiner unbezahlten privaten Zeit verbleibt mir ein Teil…..

Macht nichts. Neben Dingen, von denen man froh ist, sie erledigt zu haben, gibt es auch solche, die Freude machen. Nur schade, dass hohe Arbeitsdichte die Atempausen eher gering ausfallen lässt und damit auch das „sacken lassen“ der verschiedenen Eindrücke.

Meine beiden 6-Tage-Wochen inklusive Dienstreise endeten mit einem Samstagsseminar, auf das ich mich schon lange gefreut habe.
Eine Premiere in dieser Konzeption.
Früh morgens eine kleine Radtour durch wochenend-verschlafene Strassen, ein sonniger Herbsttag deutet sich an.
Ich könnte in der Strassenmitte fahren, so ungewohnt leer ist es.
Zeit für den MorgenKlick.

20130930-134148.jpg

Unerwarteter Trubel am Arbeitsort.
Die Einzelhändler_innen streiken und treffen sich auf dem Parkdeck. Ein buntes Treiben. Multikulti in jeder Hinsicht. Das Standard-Vollzeit-Arbeitsverhältnis ist hier Ausnahme. Jung mischt sich mit alt, ausgeflippt mit bieder, hell- mit dunkelhäutig, Männlein und Weiblein.
Die Kolleg_innen sind sauer: ein Niedriglohnsektor mit vielen prekären Arbeitsplätzen. Der Arbeitgeberverband mauert, sagt einfach Verhandlungstermine ab.
Der Einzelhandel steht nicht für “ sich glücklich arbeiten“.
Das Glück ist bei den anderen.

20130930-014647.jpg

Meine Seminarteilnehmer_innen haben gemeinsam:
stressige, aber sichere Arbeitsplätze und sie wollen sich engagieren.
Selbst im öffentlichen Dienst ist es nicht mehr „kuschelig“ .
Sparprogramme werden umgesetzt, ein Veränderungsprozess jagt den nächsten.
Gemeinsam auch ihre Erwartung, wie in der Schule frontal beglückt zu werden …..nein, diese wird nicht bedient von uns Teamern.
Im Laufe des Tages haben sich alle daran gewöhnt und sind zufrieden.
Bis auf einer vielleicht. Ich weiß nicht. Ein Kollege, der nicht so Recht in die Gruppe rein kommt, sehr zurückhaltend. In den Pausen zieht er sich raus….will/ braucht er es so? Ich kann es nicht einschätzen und beschließe, ihn nicht zu drängen.
Später werde ich mich fragen, ob das richtig war.

Noch eine Premiere: ich betrete den Store eines erfolgreichen Apfelherstellers.
Was für eine Welt!
Ich brauche einige Zeit, um mich zu orientieren.
Junge Männer in blau, ein pseudo-Handy am Hals baumelnd. Mit der Aufschrift “ ich mache ein phone zu ihrem phone“ oder so.
Einer springt mir hilfreich zur Seite, unaufgefordert.
Der Laden ist knallevoll.
Ich bin mir nicht sicher, ob diese Kollegen überhaupt wissen, dass in ihrer Branche Arbeitskampf angesagt ist…..
Freundlich werde ich an einen großen Tisch geführt, an dem für 8 Kunden Platz ist. Ein ebenso freundlicher Kollege begrüßt mich mit Handschlag und “ ich bin der xyz, ich freue mich“ …..schon höre ich mich ebenfalls meinen Vornamen sagen. Ups.
Er sei gleich bei mir, unterbricht unseren Dialog, um kurz in fließendem Englisch meinem Sitznachbarn einige Fragen zu stellen und auf einer Tastatur zu tippen.
Dann ist er da.
Zugewandt, sehr zugewandt.
Ich sage mein Verslein auf. Keine Spur von Arroganz des personal-Set-up-Fachmannes ob meines kleinen technischen Problems, nein, ich werde sogar gelobt, dass ich an das USB – Kabel gedacht habe. Auch ich bekomme eine kleine Aufgabe, mein Nachbar eine kurze Frage und weiter geht es an der gegenüberliegenden Tischseite, an der gerade ein älteres Ehepaar Platz nimmt und der wandelnde Wegweiser , der auch mich geleitet hat, für eine Vorstellung und Begrüßung sorgt.
Mit einer Aufgabe versehen, beschäftigt sich die ältere Dame nun mit ihrem Rechner und es kommt der nächste Kunde dran, zwischendurch immer wieder mein Nachbar und ich. Natürlich bedient der blaue Tischguru zwischendurch für uns die kleine elektronische Box, die unser Problem lösen soll.
Meine Güte.
Was für ein Arbeitsplatz.
Für Studis oder für’s Leben?
Cool oder unterirdisch?

20130930-134540.jpg

Die Jungs ( sag mir wo die Mädchen sind ? ) sind gut geschult.
Sollten sie genervt sein, so merkt man es nicht.
Sie retten sich mit standardisierten Satz-Nuggets durch das Beratungs“gespräch“ . Wirklich gut gemacht. Da waren bestimmt clevere Kommunikationspsycholog_innen am Werk.
Es fühlt sich gut an. Ich fühle mich gesehen und geschätzt. Obwohl mir letztlich nicht geholfen wird.
Dennoch bleibt ein Nachgeschmack. Angesichts des Trubels und der Anforderungen an diese Beschäftigten wirkt das alles befremdlich.
Unecht.
Ein leicht angestrengtes “ sonst noch was ? “ hätte mich weniger nachdenklich nach Hause entlassen.

Durch die ebenso menschengefüllte Innenstadt radele ich Richtung Heimat. Bis ich gestoppt werde.
Ganze Strassenzüge sind abgesperrt. Unser Freund und Helfer ist im Einsatz. Mit dem Rad kann ich mich trotzdem die gewohnte Strecke durchmogeln. In den Einfahrten halten sich schwarz gekleidete Einsatzkräfte auf, in den Nebenstrassen Wasserwerfer und anderes schweres Gefährt.
Ach ja, heute ist ja eine Demo. Aber so ein Aufwand?
Nun rollen mir etliche „6-Packs“ entgegen , gefolgt von berittener Polizei. Dann die Krads. Dann die Infanterie, bestimmt 2 Hundertschaften.
Mit Abstand folgen die Demonstrant_innen, überwiegend junge Menschen.
Keine Profite mit der Miete, bundesweit wird heute gegen Mietenwahnsinn auf die Strasse gegangen.
Zahlreich, scheint es mir.
Irgendwie beruhigend.

Endlich zu Hause ist erst mal Schluss mit input oder output. Gedanken und Eindrücke, unsortiert. Nichts ist verdaut.
Nun daddeln, Zeit vertreiben, sich gehen lassen.
Slow motion den ganzen Sonntag.
Abends im TV ein alter Film mit Johnny Cash. Passt.

Es winken ein paar freie Tage.
Kühl ist es auf dem Balkon, aber das kleine, von dort sichtbare Stück Himmel ist noch immer blau.

Ich freue mich über Feedback. Um einen Kommentar zu schreiben, muss man nicht registriert sein.

Advertisements

schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s