leidenschaftlichwidersynnig

0815 geht gar nicht….oder einfache Lösungen für alle sind mir suspekt

Unikate

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Das Wochenende mit einem leckeren Frühstück mit Kulturbeilage einleuten hat was.
Ohne große Anfahrtszeit gelange ich zum Genießermarkt in einem unserer urigsten Veranstaltungsorte.
Die Sommerpause ist vorbei, für den Start wurde ordentlich Werbung gemacht.

Schon vor dem Gebäude gibt es Bio- Burger, fangfrische Krabben und Fisch, Prossecco, Blumen im Eingang und dann geht es richtig los.
Im Moment mixt man anscheinend alles mit jedem.
Frucht mit Chili & Co.
Früchte untereinander.
Schoko mit ….ich weiß nicht mehr.
Dann diese lütten Kekslollis, die sind auch ganz in. Schön bunt und 2 € pro Stück ist doch nun wirklich kein Preis.
Handgemachte Kekse, Törtchen, Schnittchen, Bonbons, Fruchtschnitten ( ebenfalls gemixt ….), Cupcakes , französische Tartes.
Zum hier essen oder mitnehmen, dann originell und liebevoll von Hand, versteht sich, eingepackt.

Käse, lecker und sauteuer.
Brot mit Seranoschinken .
Der Nudel-Biobäcker-und Obststand sind auch da.
Immerhin etwas “ reelles“ .
Es gibt einen Frühstückskorb, der gut und teuer ist.
Kann man sich mal gönnen. Dafür sind wir ja hier.

Musik gibt es life.
Bonny Ferrer macht ihre Sache gut.

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Gestärkt schauen wir uns noch die anderen Stände an.
Es ist ein wenig wie in der Abteilung „textiles Gestalten“.
Mützen sind in. Gestrickt, gehäkelt, genäht. Natürlich mit Designer-Label drauf.
Nein, Fotos darf man davon nicht machen, das habe ich schon vor Monaten gelernt.
Tücher und Schals, Taschen und Täschchen, Kissenbezüge und mehr Dekoratives.
Lederarmbänder und Silberschmuck, ebenfalls mit besonderem “ Etwas “ .
Der Mann mit den künstlerisch bearbeiteten Fotos unserer Stadt ist auch da. Sein Stand ist ganz interessant, aber er mag mich und meine Kamera nicht – ein Foto von seinem Stand musste ich mal löschen. Meine Güte, ich kam mir vor wie jemand, der Spionage betreibt.
Dabei war es nur ein MorgenKlick, nichts besonderes und ohne Hinterhalt.

Neu dabei heute ein Obstlikör-Stand.
Schicke Flaschen, gefüllt mit edlen hochprozentigen Tropfen aus Eigenherstellung, Bio und besonders schonend verarbeitet.
0,7 l für 42 € (nein, ich habe keinen Dreher beim Zahlenlesen oder -schreiben).

Resumee:

Draussen stehen wir dann noch am Prossecco- Stand. Der ist nicht selbstgebraut und bezahlbar.
Was und woher ist das Publikum hier?
Wir sind in einem Stadtteil, in dem überdurchschnittlich viele Hartz4 -Empfänger und Menschen aus fernen Ländern leben, aber anscheinend auch einige vom anderen Ende der Wurst.
Der werbeträchtige Mulit-Kulti-Flair dieses Stadtteils schimmert noch nicht einmal ansatzweise durch.

Was hat das zu bedeuten, dieses ganze handgemachte Zeug?
Hat der auf vorindustrielle Zeit gemachte Trend etwas mit Sehnsucht nach Ruhe, Langsamkeit, Kindheit und Geborgenheit zu tun? Danach, dass alles gut ist oder wird?
Wer steht da hinter den handmade-Ständen? Überwiegend Frauen. Haben die wirklich Lust, den ganzen Tag Mützen zu stricken?
Oder die Schnauze voll vom Dauer-Praktikantinnen-sein in ihrer Fachdisziplin?
Wird man einfach nur von cleveren Geschäftemacherinnen verarscht ( so nach dem Motto: komm, lass uns eine verrückte Marktlücke finden….)?
Wer kauft das?
Ist es das Nahrungmittel Marmelade – sorry: “ von Hand gefertigter Fruchtaufstrich, tropische Früchte und erfrischende Limette“ -, für das da so viel Geld hingelegt wird, das “ jemand hat liebevoll und mühselig etwas für mich ganz persönlich gemacht- Gefühl“ oder der “ Geld spielt keine Rolle – Kick“?
Fällt mir das nur heute so krass auf? Liegt es auch daran, dass ich mit meinem eigentlich gar nicht so schlechten Verdienst schon längst nicht mehr locker über die Runden komme?
Immer häufiger keimt das Gefühl von “ verkehrte Welt“ auf, besonders wenn Kultur im Spiel ist.
Leider hat die MARKTZEIT mittlerweile etwas von “ Zoo“ .
So gesehen, kann man ab und an hier auftauchen, seinen Cappuccino trinken und sehen und staunen.
Wenn wir das nächste Mal herkommen, frühstücken wir vorher zu Hause.
Heute jedoch leiste ich mir noch Krabben zum Selberpulen, hat Teenie was zu tun.

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Auf dem Rückweg geht es vorbei an einem uralt-Wollladen. Er gehört einem alten Ehepaar und ist schon immer hier.
Wir gehen hinein.
Alles ist vollgestopft mit Wolle und Strickutensilien.
Nichts ist deko-mäßig, alles praktisch verstaut.
Die Preise sind o.k. Die Ware auch.
Die beiden Alten freundlich.

Abends dann TV -Time.
Heute ist hier alles gut. Muttern strickt ( ??? ) . Teenie hockt daneben und daddelt parallel mit dem Phone.
Wäre doch gelacht, wenn ich so ein „Designer-Teil“ nicht selbst hinbekäme.
Gleich morgen lasse ich mir Label machen, gibt hier einen textil-print-Laden.
LeidenschaftlichWidersynnig unübersehbar dezent an der Seite aufgenäht – macht sich bestimmt gut auf diesem Hut:

20131006-145028.jpg

Material : ca.16 € im alteingesessenen Fachhandel
Arbeitszeit : 4 Stunden.
Umweltschonend, da ohne Verpackung
Energie: Bio + Strom für’s TV
Modell: Improvisation

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