leidenschaftlichwidersynnig

0815 geht gar nicht….oder einfache Lösungen für alle sind mir suspekt

Hilf dir selbst….

3 Kommentare

….dann hilft dir Gott.

Die zentrale Lebensweisheit meiner Großmutter.
Nach 2 Weltkriegen und anderen schwierigen Lebenslagen war das ihr Überlebensmotto, welches sie an mich weitergab.
Nicht das Schlechteste, wie ich finde.

Hat aber auch eine Kehrseite.
Unser Sozialstaat ( oder das, was davon übrig ist) , hilft denen, die es nicht mit eigener Kraft schaffen.
Ein Prinzip, das ich unterstütze.

Aber dann fängt die Krux schon an.
Wieviel Kraft muss der/die Einzelne haben, bevor er/sie Unterstützung bekommt?
Ich schaue mich mal um:

Elternini.
Hier treffen sich Eltern ( meist Mütter) die autistische Kinder haben. Die meisten leben in Partnerschaft und der weibliche Elternteil hat seine Berufstätigkeit an den Nagel gehängt , drastisch runter gefahren oder sich dahingehend umorientiert, dass die Tätigkeit dennoch bei gleichzeitiger Betreuung ( die oft Anwesenheit bedeutet) möglich ist.
Alleinerziehende schaffen es kaum, regelmäßig dabei zu sein.
Hilfe von außen steht und fällt mit einer Diagnose des Kindes.
Rechtsstreitigkeiten um Schulbegleiter und Familienhilfe sind an der Tagesordnung.
Muss ich erwähnen, dass sich hier eher gut situierte, informierte und organisierte Menschen treffen?
Depressionen/ Burn Out sind diesen Familien nicht fremd.

Ärzte.
Ihnen fällt schon mal auf, dass die Eltern ( Mütter ) Entlastung bräuchten. Vielleicht verschreiben sie eine Mutter- und Kind Kur.
Sie geben Tips wie: machen sie mal was schönes für sich usw.
Manche schreiben wenigstens mal für eine Woche krank.
Ansonsten: die meisten haben einfach keine Ahnung, wo und wie die Betroffenen Hilfe bekommen können.
Über Vernetzung viel wird gesprochen….aber vielleicht sind damit nur Twitter & Co gemeint.

Beratungsstellen.
Die erste Frage lautet: gibt es einen Schwerbehindertenausweis?
Wenn nein, dann Pech.
Hat man sein Kind unter Aufbietung aller Kräfte , oft unter Missachtung der eigenen Ressourcen, dahin gebracht, dass es ohne Schulbegleiter auskommt, einen Schulabschluss hat, sich relativ selbstständig und sicher in der Welt bewegt, hat man selber Schuld.
Dass eben diese Funktionsfähigkeit nach wie vor davon abhängt, dass es eine immer noch intensive Unterstützung aus der Familie gibt, ist egal.
Was ist das denn: Ein Schwerbehindertenausweis für das Kind, wenn die Mutter/Familie Unterstützung/Entlastung braucht?
Davon ganz abgesehen, dass man den nicht hinterher geschmissen bekommt. Bei nicht sichtbaren “ Behinderungen“ kann es einem durchaus passieren, dass 3 Ärzte 4 Diagnosen stellen oder dem Sozialträger später dennoch gar nichts auffällt.
So ähnlich wie bei Opi, bei dem auch immer alles klappt, wenn der medizinische Dienst eine Pflegestufe feststellen soll.
Die Rechnung ohne den/ die Jugendliche_n sollte man schon gar nicht machen.
Es ist ihr/sein Leben.

Stiftungen, und Vereine.
Versuchen oft, diese Lücke zu füllen. Aber in Zeiten knapper Kassen kann da eher mal ein Laptop spendiert, als ein Mensch organisiert werden, der sich regelmäßig mit dem/ der Jugendlichen trifft und die Dinge macht, die andere Jugendliche in einer Peergroup erleben: Gespräche übers Leben, Perspektiven, Wünsche und Träume, Hobbys nachgehen oder einfach nur mal rumhängen und quatschen.
Rar sind die Möglichkeiten für Jugendliche über 14; das hängt wohl davon ab, aus welchem Topf die Zuwendungen für diese Vereine gespeist werden.
So werden ältere Jugendliche dann in dieser besonders wichtigen Zeit der Orientierung/ Weichenstellung im Übergang von Schule und Beruf auf sich allein zurück geworfen.
Oder auf Lehrer ( wie unspannend ) und Eltern ( wie nervig ).
Ältere Geschwister sind ebenfalls kein Segen…häufig viel zu nah dran.

Jugendzentren, offene Jugendarbeit.
Existiert kaum noch. Wenn, dann eingebunden in die Ganztagsschulen.
Wenn die Kids frei haben, haben sie oft geschlossen .
Jugendliche Steppenwölfe verirren sich dort eher selten hin.

Vergiss alles, was du über Prävention weißt.

Nüchterne Erkenntnis ( nicht neu, sondern wieder einmal bestätigt):
Solange du nicht (wieder) ernsthaft krank bist, dein Kind nicht offensichtlich an fast allem scheitert, du nicht arbeitslos bist oder Hartz 4 beziehst, und sei es nur als Aufstocker, mach weiter wie bisher.
Belästige unsere Gesellschaft nicht.
Die ist für dich da, wenn du verarmt bist, nicht mehr Arbeiten kannst und auch dein Kind gar nicht mehr auffangen kannst.
Sie zahlt dann deine langwierigen Behandlungskosten, übernimmt Transferleistungen und für dein Kind die Kosten in einer Jugendwohnung.
Bitte, komme uniformiert in die Beratungsstelle / Arzt/ Jugendamt.
Oder stell dich doof.
Gebe dich ohnmächtig.
Geh‘ in Jogginghose hin.
Bringe „um Himmels willen“ unser Bild von hilfsbedürftigen Menschen nicht durcheinander.

Vielleicht wirst du dann geholfen.

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Alternativen:
1. gewinne im Lotto
2. such dir einen alten, reichen Mann
3. Banküberfall ….ach nee, das klappt nicht.
4. Gesellschaftspolitisches Engagement: hilft nicht sofort aber wenigstens bist du nicht nur Opfer

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3 Kommentare zu “Hilf dir selbst….

  1. Traurig aber wahr… Ich glaube dich sofort! In der Schweiz ist es nicht besser… Ich sehe es bei andere Themen, aber gleiche Problemen. So lange dass es scheinbar irgendwie läuft gibt keine Hilfe. Wieviel jemand zu kämpfen hat um dort zu kommen wo er kommt, sieht leider wenige…

    Gesellschaftspolitische Engagement sehe ich auch als gute Weg… Mit der Zeit und viel Durchaltevermögen kann es was werden… Auf diese Weg war auch schon einiges erreicht.

  2. Pingback: Noch ein Diskussionspunkt zum sog. “Diagnose- und Therapiewahn” | Mama hat jetzt keine Zeit…

  3. Pingback: Noch ein Diskussionspunkt zum sog. “Diagnose- und Therapiewahn” | Mama hat jetzt keine Zeit

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