leidenschaftlichwidersynnig

0815 geht gar nicht….oder einfache Lösungen für alle sind mir suspekt

Hinschauen

6 Kommentare

Als es an die Tür klopft, ruft sie: „Herein!“ Vor ihr steht Alima Kiwanika in weißem Kittel, weißer Hose und weißen Schuhen. „Nein, nein, nein!“ Rosa Kaiser sitzt aufrecht im Bett. „Von einer Schwarzen lasse ich mir nicht den Rücken waschen! Fass mich nicht an!“ Alima Kiwanika macht einen Schritt zurück, geht hinaus und schließt für einen Moment die Augen.

Was die KONTEXT Wochenzeitung hier in ihrem Artikel „Gepflegter Rassismus“ beschreibt, wird auch viele der Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die es aus bekannten Gründen nicht zur Hochschulreife bringen, treffen.
Die Berufsempfehlung: „geh‘ doch in die Altenpflege“ wird häufig vorgenommen, angesichts der demographischen Situation in Deutschland. Nicht jede(r) möchte in’s Büro, nicht jede(r) in Handwerk und Industrie und mit Kindern kann auch nicht jede(r).
Außerdem scheint die Pflegebranche zumindest eine Zukunft zu haben.

Schlimm genug, dass es noch immer viele Menschen mit rassistischen Einstellungen gibt.
Skandalös jedoch, dass sich weder Arbeitgeber noch Kolleg_innen dazu berufen fühlen, die von rassistischen Übergriffen getroffenen Kolleg_innen/ Mitarbeiter_innen zu schützen und zu unterstützen.

Sollte Inklusion jemals auch im Berufsleben greifen, ist ähnliches ebenfalls denkbar, wenn Menschen mit Behinderung vermehrt in der Pflege tätig wären.

Umdenken.
Hinsehen.
Thematisieren.
Unterstützen.

Das ist das Mindeste, das wir alle tun können.
Und – anders als beim tätlichen Übergriff – noch nicht einmal gefährlich.

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6 Kommentare zu “Hinschauen

  1. Und es bedarf nur etwas Mut, „A…. in der Hose“ oder Rückgrat sich hier „gerade“ zu machen.

    Wir sind doch mit den Migranten (saublödes Wort) aufgewachsen und in die Schule gegangen!

    Wir haben Pflichten gegenüber unseren Mitbürgern.

    Und wenn wir hier nicht beginnen, wird es für unsere Kinder bestimmt nicht einfacher!

    Es ist also alternativlos, sich hier im „Kleinen“ einzubringen!!!!

  2. Wenn ich bedenke, dass viele der heutigen Pflegeheimbewohner selbst diskriminiert und ausgegrenzt worden sind, weil sie nach dem Krieg „Umsiedler“ waren, also Flüchtlinge aus den Ostgebieten… Wie viele haben aus dieser Erfahrung gelernt? Leute, die sich nichtdeutschen Pflegekräften gegenüber so verhalten, haben ihre Fremdenfeindlichkeit nie reflektiert. Das kann man nicht entschuldigen oder verharmlosen („die sind so sozialisiert“). So lange ein Mensch lebt, ist er lernfähig. Ob er lernwillig ist, entscheidet, ob er lernt. Auch lernt, Pflegekräfte als Menschen zu sehen, egal woher sie kommen.

  3. Ich bin seit September 2013 Stipendiatin bei grips-gewinnt. Das setzt sich dafür ein, dass Kinder mit Nachteilen, besonders vertreten sind Schüler mit Migrationshintergrund oder wie in meinem Fall mit einer Krankheit und der daraus entstehenden Situation. Das Stipendium ist gerade dafür da, um die Hochschulreife zu erwerben und seine Interessen zu verfolgen. Trotz der Probleme, die jeder mitbringt.
    http://grips-gewinnt.de/ Ich hoffe, dass wir uns als grips-Gruppe irgendwie dafür einsetzen können, dass sowas nicht mehr passiert

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