leidenschaftlichwidersynnig

0815 geht gar nicht….oder einfache Lösungen für alle sind mir suspekt

Zahlengefühl

9 Kommentare

Vielleicht ist es Zufall, dass ich ausgerechnet aufgrund eines langanhaltenden Fiebers die Mathestunden versäumte, in denen es um Primzahlen ging.
Ich habe das nie nachgeholt und diese Zahlen hatten fortan in meinem Leben auch nie irgendeine Bedeutung,

Zu Zahlen hatte ich sowieso immer ein eigenartiges Verhältnis.
Nehmen wir z.B. die geraden Zahlen.
Allen voran die 2. Mit der konnte ich zwar gut rechnen, aber sie ist soooooo langweilig. Na gut, man könnte sie ’nett‘ nennen, aber ’nett ist die kleine Schwester von sch**** ….‘ – ihr wisst schon.
Die Zehner, Hunderter, Tausender usw. nehmen zwar Raum ein, sind aber auch ziemlich einfältig. Anders da schon die 4, 6 und 8 ….sie bemühen sich um ein eigenes Profil und schaffen es doch nicht wirklich.

Nicht so die ungeraden Zahlen. Die sind interessant, manchmal sperrig und jede von ihnen hat einen ganz eigenen Charakter. Also die 7 ist mir richtig sympathisch, lebhaft, witzig und unberechenbar. Die 9 hingegen ruht in sich selbst, sie ist ein Chef im positiven Sinne, die 1 ist mir unheimlich, als wäre es gar keine wirkliche Zahl und die 3 ist richtig zickig….!

20140330-110209.jpg

Manche Zahlen passen gut zueinander, andere hingegen stoßen sich gegenseitig ab. Eine 25 dürfte es eigentlich gar nicht geben, diese Ziffern passen einfach nicht zusammen. Die nette 2 stirbt wahrscheinlich vor Angst vor dieser unausgeglichenen, alles steuern wollenden 5.
Es gibt aber auch richtig gute Teams: 75 ist wunderbar, 795 ist auch gut, aber mehr siebenen, fünfen und neunen zusammen brauchen neutralisierende gerade Zahlen….

Schon im Matheunterricht mochte ich gewissen Zahlenkombinationen sehr und andere kamen mir falsch vor, selbst wenn ich richtig gerechnet hatte.
Unsicherheit bezüglich des Ergebnisses war die Folge.
Da habe ich dann so manches Mal nachgerechnet und nicht selten ist aus einem richtigen Ergebnis ein Falsches geworden….so ähnlich, wie wenn man zu lange über die richtige Schreibweise eines Wortes, welches man spontan richtig geschrieben hat, nachdenkt.
Und so kommt es, dass ich mir bis heute meine Kontonummer, die ich immerhin seit über 20 Jahren habe, nicht merken kann, andere, weitaus längere Ziffernpasswörter jedoch ohne Probleme.

Nun kann ich ja nicht zur Bank gehen und der netten Dame am Schalter sagen : ‚wissen Sie, diese Ziffern kann man doch nicht ohne neutralisierende Zeichen dazwischen nebeneinander schreiben, merken Sie das denn nicht?‘

Aber was hat das jetzt mit den Primzahlen zu tun?

Wie viele Eltern, deren Kinder die Welt auf besondere Weise (sensorisch) erleben, komme auch ich nach und nach hinter so manches Geheimnis meiner Wahrnehmung.
Bisher hatte ich Teenie immer heimlich meine kleine ‚Primzahl‘ genannt.
Jetzt, wieder einmal in der Situation zu reflektieren, mit wem ich eigentlich wirklich etwas gemeinsam habe und was, erkenne ich, dass auch mir diese Eigenschaft nicht ganz unbekannt ist.

Eine Verwandte 3. Grades in der Seitenlinie behauptet übrigens, Zahlen hätten Geschlechter.
So‘ n Blödsinn, das kann‘ s doch gar nicht geben 😉

Oder sollten sogar nur ca. 25 % gleicher Erbinformation uns ein ähnliches Erleben der Welt bescheren?

Zum Thema Synästhesie hier

Ich freue mich über Feedback. um einen Kommentar zu schreiben, muss man nicht registriert sein.

Advertisements

9 Kommentare zu “Zahlengefühl

  1. Primzahlen liebe ich! Weil sie sich nichts sagen lassen, nicht aus irgendwas anderem „gemacht“ sind, sondern allein stehen. Zahlen (Ziffern) haben bei mir Farben – das soll die häufigste Art der Synästhesie sein, lese ich überall. Bei mir ist es so:

    0 – farblos (durchsichtig)
    1 – weiß
    2 – gelb
    3 – hellblau
    4 – rot
    5 – schwarz
    6 – ultramarinblau
    7 – lindgrün-hellgrasgrün (dazwischen)
    8 – braun
    9 – schiefergraublau

    Die Vielfachen von 2 haben also eine „Farbfamilie“: gelb, rot, braun.
    Die Vielfachen von 3 haben eine Farbfamilie: hellblau, dunkelblau, schiefergraublau.
    Die Vielfachen von 5 haben Hell (durchsichtig, 0) und Dunkel (schwarz, 5).
    Die 1 steht allein, ist aber der 0 und der 2 ähnlich, fühlt sich also nicht so einsam.
    Die 7 steht allein!

    Toll für mich als Aspergerautist, dass es da eine Ordnung gibt.
    Manche Zahlenreihen kann ich mir supergut merken, weil sie einfach schön sind, meine Telefonnummer zum Beispiel sieht aus wie eine Löwenzahnwiese. Andere dagegen krieg ich nicht in den Kopf. Die Hausnummer meiner Tante zum Beispiel: ich weiß nur, dass sie „dunkel“ ist: aber kommt darin nun eine 5 oder 6 vor?
    Buchstaben haben auch Farben, zusätzlich aber noch Formen und dazugehörige Gefühle. A ist grün, rauh wie mit Ölfarbe überkleisterte Dachlatten. B ist rund, braun, weich, weiblich…
    Manche Namen kann ich mir nicht merken, oder auseinanderhalten. Zum Beispiel David und Daniel L. fangen alle beide Gelb-Grün an, und der Nachname ist auch noch gleich und sieht größtenteils blau-schwarz aus! Da ich mir die Namen weniger über dazugehörige Gesichter merke, sondern über die „Farbkodierung“, sehen beide seeeeehr ähnlich aus.
    Farb-Zahlen haben aber auch Vorteile. Zum Beispiel sehe ich ziemlich schnell, ob ich mich bei IP-Adressen vertippt habe.

  2. Oh Zahlen, manche sind so wiederborstig, oder sie sind zu glatt.

    Ich mag persönlich am liebsten die 8, nicht angreifbar, aber nicht kratzbürstig. Gut schreibbar und auch ein Zeichen von Unendlichkeit.

    Die Ähnlichkeit, die Du entdeckst, lässt Dich Deine Tochter doch so gut verstehen. Nicht immer, aber meistens schon.
    Diese Ähnlichkeit zu meinen Kindern tut mir übrigens gut und hat mich mich selber verstehen lernen lassen. Aber ich bin hier immer noch im Lernpozess. 😉

    • Genau. Wir passen gut zu unseren Kids . Ist doch schön 🙂

      • Mein NT-Weib tut mir manchmal leid, wenn ich mit unserer Tochter „streite“, z. B. ob die 4 rot oder schwarz ist. Und _die_ Synnies tun mir leid, bei denen die Zahlen nicht so eine schöne „Farb-Ordnung“ haben. Wie kommt ihr mit solch einer willkürlichen Farbverteilung bloß klar? Aber bei den Buchstaben ist es bei mir ja ähnlich konfus. Da ist nur schön, dass das G als siebenter(!) Buchstabe im Alphabet so eine schöne Sieben-Farbe hat. Ansonsten stimmts ja nicht so überein… – Doch! 5 fällt mir ein, ist auch schwarz. Aber schwarz mag ich nicht so, E und 5 auch nicht. E ist vom Klang her auch so „bretthaft“, auch nicht schön, einfach zu gerade.

      • Ist ja auch doof für deine Frau. Ich wurde auch schon oft gefragt, wie ich mir denn überhaupt einen Termin merken könne, wenn weder Tag noch Stunde eine Farbe haben. Und warum ich um alles in der Welt nicht mehr weiß, welcher Wochentag der ox.xx. vor 3 Jahren war. Ist doch kinderleicht zu merken.
        Und dass ich wieder mal nicht exakt intoniere mit dem Cello schmeckt man doch !

  3. „Und dass ich wieder mal nicht exakt intoniere mit dem Cello schmeckt man doch !“ Oder man sieht es. Meine Trompete ist normal zu hoch, da sieht der Klang dann gelb aus. (Sehe ich aber nur, wenn ich mit anderen zusammen spiele – ich hab kein absolutes Gehör. – Außerdem schmettert sie durch die enge Mensur so, das sieht dann hellgrau aus mit vielen kleinen Treppchen, wie ein aufgeblättertes Buch. Außerdem schmeckt es käsig 😉 ). Zu tief wäre dann braun. Genau richtig ergibt ein F dann ein schönes Dunkelblau, ohne überlagerndes Gelb oder Braun.
    Nochmal Zahlen. Ich frag mich, ob bei Zahlen wie „Pi“ die unendlichen Stellen hinter dem Komma nicht auch eine verborgene Ordnung haben, die nur dadurch verwischt ist, dass sich die Muster überlagern, wie viele Overheadfolien? Und man das Muster sehen könnte, wenn man so eine Zahl mehrdimensional betrachten könnte?

  4. Ich habe ja Tammet gelesen. (Elf ist freundlich, fünf ist laut). In einigem stimme ich mit ihm überein. Aber bei mir ist halt nur die 8 belegt.

    Ein Farbcode würde mich verwirren, weil es halt nicht meins ist.

    Aber Musik, gerade ungewollt schräge, erzeugt durchaus Geschmacksgefühle. Oder erzeugt Schmerzen.

    Und da zeigt sich doch die Unterschiedlichkeit der Wahrnehmung besonders gut.

    • Klar verwirrt ein Farbcode, der nicht der eigene ist. Und wenn man keinen (erkennbaren) hat, dann ist das eben so.
      Und die Unterschiedlichkeit der Wahrnehmung lässt sich schön nutzen für „Streit“gespräche a la „4 ist rot“ vs. „4 ist schwarz“. – Überhaupt, Unterschiede gibts in der Wahrnehmung zwischen jedem Menschen und jedem beliebigen anderen, ob Synästhet oder nicht. Meine Frau (NT) und meine Tochter (Synnie) sehen Türkis z. B. viel mehr nach grün verschoben als ich. Dafür sehe ich Rot stärker als sie. Und bei Rot, Pink, Purpur können wir auch herrlich streiten.

schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s