leidenschaftlichwidersynnig

0815 geht gar nicht….oder einfache Lösungen für alle sind mir suspekt

Nicht nur ein Unwort

6 Kommentare

Wieder einmal ist das Thema Inklusion in den Medien präsent.
Bei Günter Jauch durften sich letzten Sonntag vermeintliche Experterten (1) öffentlich darüber streiten, wer inklusierbar sei oder nicht.
hier
Da bleibt mir die Spucke weg, wenn ich so etwas höre.
Spätestens nach der UN- Behindertenrechtskonvention, die Deutschland ratifiziert hat und ohne die hier vermutlich alles beim Alten bliebe ist doch klar, dass das Recht auf gesellschaftliche Teilhabe ein Menschenrecht ist.

Die UN-BRK schafft keine Sonderrechte, sondern konkretisiert und spezifiziert die universellen Menschenrechte aus der Perspektive der Menschen mit Behinderungen vor dem Hintergrund ihrer Lebenslagen, die im Menschenrechtsschutz Beachtung finden müssen Dazu greift sie auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte sowie auf die wichtigsten Menschenrechtsverträge der Vereinten Nationen zurück und formuliert zentrale Bestimmungen dieser Dokumente für die Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen.

Teilhabe behinderter Menschen ist ein Menschenrecht, kein Akt der Fürsorge oder Gnade. Die UN-BRK stellt dies klar und konkretisiert damit grundlegende Menschenrechte für die Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen. Sie erfasst Lebensbereiche wie Barrierefreiheit, persönliche Mobilität, Gesundheit, Bildung, Beschäftigung, Rehabilitation, Teilhabe am politischen Leben, Gleichberechtigung und Nichtdiskriminierung. Grundlegend für die UN-BRK und die von ihr erfassten Lebensbereiche ist der Gedanke der Inklusion: Menschen mit Behinderung gehören von Anfang an mitten in die Gesellschaft.Quelle

Diese Überlegungen, wer inklusierbar sei und wer nicht, bedeuten doch nichts anderes als die Frage, wem stehen Menschenrechte zu und wem nicht?
Würde heute jemand öffentlich sagen, eine bestimmte Gruppe Menschen sei nicht menschenrechtsfähig…..ein Sturm der Entrüstung wäre garantiert.

Aber beim Thema Inklusion schauen wir auch heute noch ausschließlich durch die Brille der sich als Teil der Mehrheit wähnenden Menschen. Die fürchten, ihre Teilhabe würde eingeschränkt, wenn andere auch mal mitspielen dürfen. ( Hilfe, die verändern womöglich die Spielregeln !?! )

Das wird dann nett verpackt mit Argumenten wie ‚es geht ums Kindeswohl‘.
Haha. Würde es in unseren Schulen ums Kindeswohl gehen, wären diese komplett anders.
Inklusion ist im Übrigen kein nur Kinder betreffendes Thema.
Aber in der Kindheit wird das Gehindert-werden forciert, wie 2 neue Studien über Sonderbeschulung belegen und die in der ZEIT online besprochen werden:

In den nächsten Wochen erscheinen gleich zwei große Studien, die konkrete Ergebnisse der verschiedenen Förderphilosophien in der Praxis verglichen haben. Die Untersuchungen, die der ZEIT vorliegen, sind repräsentativ und methodisch anspruchsvoll, und weder die Forscher noch die jeweiligen Auftraggeber – das Bundesbildungsministerium und die Kultusministerkonferenz (KMK) – stehen unter Ideologieverdacht. Deshalb wird ihr klares Ergebnis auch die weitere Debatte um die Inklusion prägen: Im gemeinsamen Unterricht lernen Kinder mehr, als wenn sie separat unterrichtet werden.

Dass solche Untersuchungen für Deutschland bislang fehlten, ist allein schon überraschend. Schließlich hat Deutschland das am besten ausgebaute Sonderschulsystem der Welt, die meisten Professoren für Sonderpädagogik – und 16 Kultusminister, die zum Thema immer wieder neue Gesetze erlassen. Man darf sich wundern, auf welcher Basis sie eigentlich jahrzehntelang agierten. Diese Frage müssen sich nun besonders die Befürworter der Sonderbeschulung stellen. Denn Förderschulen existieren ja, weil sie Kinder besser fördern sollen. In der Praxis jedoch scheint das Gegenteil der Fall zu sein, zumindest für einen großen Teil der betroffenen Schüler………. mehr

Wieder einmal ein Anlass, darüber nachzudenken, ob in unserem 4-gliedrigen Schulsystem und Inklusion überhaupt klappen kann.
Ich finde nicht : solange es nicht eine Schule für Alle gibt, bleibt Inklusion Flickschusterei.
Wer Inklusion ernsthaft will, muss Schule radikal anders denken, als sie heute ist !

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(1) ich wettere ja gern mal gegen Lehrer, aber in dieser Runde war der Lehrer der Inklusionsklasse der Einzige mit Durchblick

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6 Kommentare zu “Nicht nur ein Unwort

  1. Und der Mensch von der Lehrergewerkschaft war absolut UNERTRÄGLICH!

    Ich habe 5 min vor Schluss abgeschaltet, weil ich sonst den Fernseher von der Wand gerissen hätte.

    Und zum Kindeswohl ……………………… was für eine „tolle“ Vokabel 🙄 🙄

    Was einem unter dieser Prämisse / Vokabel so alles „verkauft“ wird ist unglaublich!! *sauer bin*

    GsD gibt es auch diese Lehrer, wie den Inklusionslehrer, der über den „Tellerrand“ schauen mag. Und der klar sagte, dass es Kinder gibt, die verhaltensauffällig sind, deren Erfahrungshintergrund manch Erwachsener als unerträglich bezeichnen würde (frei zitiert). Recht hat er!

    LG Anita

  2. So, jetzt noch mal ohne „Wut im Bauch“. Der Artikel der Zeit ist sehr, sehr interessant!

    Ich erlebe beides, gelebte Inklusion mit 1.000 Fragezeichen, weil den Lehrern einfach Informationen und Handlungsrahmen fehlen. Und gelebte Exklusion mit Diskrimminierung und allem was sonst noch dazu gehört, einen Schüler in die Überforderung zu schieben und den Mitschülern zu suggerieren, dass dieser Schüler absolut nicht geht.

    In aller erster Linie fehlt es

    – an Zeit.
    – an Informationen.
    – an Lehrern, die sich zur Inklusion bekennen und diese leben wollen
    – an geeigneten Schulungen
    – an Aufklärung um Ängste zu nehmen (auf allen Seiten)

    Inklusion ist ein Thema, dass einer breiten Öffentlichkeit bedarf.
    Die Ämter, die derzeit die Kosten für die Beschulung übernehmen, müssen ebenso gut informiert werden.

    Es kann nicht angehen, dass dort mit den selben Restriktionen gegen die Eltern und Kinder mit dem Schwerpunkt ADS / ADHS / Autismus / Trauma aufgrund von Mobbing, vorgegangen wird, wie gegen (früher sagte man schwere erziehbare) ich weiß grad keinen Ausdruck dafür.

    Diese Restriktionen sind so oft fehlgeleitet.
    Das Kindeswohl wird in den Vordergrund gestellt, aber unter falschen Vorstellungen.
    Jedes Kind soll irgendwie funktionieren. Nach Schema F. Trotz Diagnose und Wissen über den Erfahrungsschatz, den dieses Kind gesammelt hat.

    Irgendwann klinken sich die Hilfen dann aus, weil zu teuer und nicht erfolgversprechend. Ganz schlimm.

    Exklusion aufgrund Kostenersparnis.

    Mir fehlen dann einfach nur noch die Worte.

    Und als Allheilmittel bzw. Alternative kommt dann nur noch Psychiatrie. Aber an den Umgebungsproblemen wird wieder nicht gearbeitet.

    Mit dem Hinweis „die Welt kann man halt nicht therapieren“.

    Inklusion wäre hier aber der richtige Ansatz dafür!!! 💡

    • Allheilmittel Psychatrie: da heißt es dann wieder, zu viele Kids würden krank geredet….

      • So wird die „Schuldfrage“ wie ein Pingpong-Ball immer hin- und hergeschoben.,
        die Kinder fallen hinten runter
        die Eltern verzweifeln
        die sozialen Kassen sind überlastet

        und ……………………

        ein weiterdenken dazu verbete ich mir gerade.

        Und das alles, wo wir doch zu wenige ausbildungsfähige Jugendliche haben. Wer’s glaubt. Ich nicht.

        Ich glaube viel eher, dass wir von dem System „Humanressourcen“ unbedingt weg müssen.
        Und das viele der „Ausbildungsunfähigen“ nicht korrekt in der Gesellschaft wahrgenommen werden. Und keine entsprechende Förderung und Hilfen bekommen.

      • vllt. meinen die auch ‚ Ausbeutungsungeeignet‘

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