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0815 geht gar nicht….oder einfache Lösungen für alle sind mir suspekt

Station Orwell IV

6 Kommentare

Was ist heute für ein Tag?
Noch schneller als im Urlaub verliere ich das Zeitgefühl.
Körperlich ausgeruht, springen meine Gedanken umso mehr.
Ich könnte mal dies, würde gern das……
Alles graue Theorie zur Zeit.
Schon jetzt bedaure ich, dass ich niemals all diese tollen gedanklichen Projekte auch nur beginnen werde.

Für meine Raumstation habe ich wunderbare Verbesserungsvorschläge, die bestimmt keiner hören will, ich werde sie hoffentlich für mich behalten.
Diese einmalige Station im Bundesgebiet ist noch nicht einmal ausgebucht.
Nicht wg. mangelnder Nachfrage, sondern aufgrund von Personalmangel.

Draußen reges Treiben.
Schulkinder gehen über das Gelände.
Krankentransporte, Lieferwagen.

Innerlich bin ich heute ruhiger.
Max Hölz, Rosa Luxemburg, Emma Goldmann, Nelson Mandela, Angela Davis, Ulrike Meinhof……Menschen, bei denen ich mich seit meiner Jugend frage, wie sie die Isolation unter 1000 x schlechteren Bedingungen als ich sie jetzt hier habe, ausgehalten haben.
Ich ahne ganz entfernt, welche Kraft Überzeugung hat.
Welche Haftungserleichterung Papier und Schreibgerät sind.

Mir fällt es allein schon schwer, hier ein wenig Gymnastik zu machen.
Ist es doch das Wenigste, das ich in dieser Iso-Situation für mein gutes Körpergefühl tun kann.
Selbst-Disziplin.

Was täte ich ohne web 2.0. und ohne Musik aus der Konserve?

Immerhin: Bluesharp konnte ich hier gestern ( leise ) spielen.
Ich möchte meine Gitarre haben….seufz.

Rocketman – timeless flight – Sittin‘ On The Docks Of The Bay – watchin‘ the tide- wastin‘ time…. Every breath you take – and every move you make – every bond you break – every step you take – I’ll be watching you…..

Einige meiner Lieblingssongs strömen heute morgen durch meine Kehle.
Ich denke mir nichts dabei, dass jemand zuhört.
Gut, dass ich ein Einzelzimmer habe.

Mit dem Sport ist es schon schwieriger.
Die Verkabelung schränkt meine Bewegungsmöglichkeit ein.
1,80 m Radius lassen zwar ein wenig Auslauf zu.
Aber Drehungen können zu Fallstricken werden.
Der umgehängte Brainbox verheddert sich mit mir und dem Kabel.
Und was ist mit den Erschütterungen beim Springen?
Na ja, die werden schon kommen und meckern, wenn ich zu weit gehe.

Auch hier eine vorsichtige Ahnung, was Bewegungseinschränkung für mich bedeuten würde.
Duschen ohne die Elektroden nass zu machen erfordert eine genaue Handlungsplanung. Sich anziehen in verkabeltem Zustand ist kompliziertes Getüddel.
Räumliches Vorstellungsvermögen ist gefragt.

So konzentriert /fokussiert ich in Stresssituationen auch handeln kann – im Ruhezustand bin ich extrem zerstreut und hier sogar vertüddelig :

image

So what?
Bewegung, Musik, Kommunikation …. mein Lebenselixier.
Was auch immer letztlich hierbei herauskommt, ich werde am Ende einiges Neues über mich erfahren haben.

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6 Kommentare zu “Station Orwell IV

  1. Ich hoffe sehr, dass bei all den Unteruschungen nichts rauskommt, was Du nicht brauchen knasst.

    Ich würde wahnsinnig werden, wenn man mich zwingt in Ruhe zugehen.

    Ein Beinbrauch und die 2 Wochen festes liegen in der ersten Schwangerschaft haben da vollkommen gereicht.

    Kopf hoch, tief durchatmen, vielleicht Papierbälle gegen die Wand werfen. 😉

    Liebe Grüße
    Anita

  2. Denk an mich, wie ich mit schwerer Erkältung, brennenden Augen und glühendem Kopf im Büro sitze. Krank feiern geht gar nicht, drum erhole u dich wenigstens;-)

  3. Ich denke grad an meine 24h-Blutdruckmessungen mit dem angeschnallten Meßgerät und Kompressor und bedaure dich mit all den vielen Kabeln. Das _ist_ nervig! Außerdem erinnert mich deine Situation ein bisschen an Rilkes „Panther“. Wie lange soll das denn gehen? Und was soll das eigentlich bringen, für dich?
    Solch „sensorische Deprivation“ kenne ich auch aus Krankenhausaufenthalten. Ein kleines schmales hohes Einzelzimmer am Ende des Flurs und ich mit der Infusionsflasche am Arm mit Bewegungsradius max. 1,5 m vom Bett – es deprimiert mich heute noch, wenn ich daran denke. Trotzdem war es doch eine wertvolle Erfahrung, irgendwie…

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