leidenschaftlichwidersynnig

0815 geht gar nicht….oder einfache Lösungen für alle sind mir suspekt

Timeline

8 Kommentare

Würde ich meine Memoiren schreiben, müßte ich mir wohl eine Dauerkarte für den Zug beschaffen.
Dieses einzigartige Transportmittel, in dem meist Störungen des Betriebsablaufs, der persönlichen Komfortzone und sensorische Irritationen garantiert sind, regt mich wie kein anderes zum Zurückblicken und nach vorne schauen an.

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So wie gerade jetzt.
Eben noch über die verspätete Abfahrt verärgert, dann erfreut über den fast leeren Wagon und dann die Erkenntnis, dass der Preis für den Platz ein paar Grade auf dem Thermometer weniger sind als in den besser besuchten.

Doch das alles stresst nicht im geringsten.
Teenie, nun schon fast erwachsen, hat längst kein Problem mehr, einen Zug pünktlich zu erreichen. Aus der eher unsicheren Schülerin ist eine selbstbewusste junge Frau geworden, die nicht nur unsere Koffer locker die Treppen hoch trägt, sondern das Zupacken auch in anderen Lebenssituationen zunehmend gut beherrscht.
Aus Sicht der Menschen, die Erfolg im Leben an Zertifikaten jeglicher Art festmachen, mag sie noch immer ein „Problemfall“ sein.
Ich hingegen sehe einen jungen motivierten Menschen, der sich auf seine Weise in die Welt wagt um sie zu entdecken und seine selbstgesteckten Ziele zu erreichen.

Ein wenig Wehmut spielt auch hinein: seit Verlassen der Schule liegen die Ziele zunehmend nicht im Bereich der elterlicher Nähe.
Ich erinnere, mit 17 wohnte ich in Gedanken auch schon nicht mehr zu Hause und gehörte zu den jungen Menschen, die schon vor der Ausbildung ein eigenes Domizil hatten.
Insgesamt macht mich diese Entwicklung froh und stolz, habe ich doch damit eines meiner Ziele erreicht.

Wie schade, dass ich meine Gedanken zu diesem Gefühl nicht mehr mit meiner Mum austauschen kann….
Elternlos.
Wirklich erwachsen bin ich erst in diesem Jahr geworden.
Was mir zeigt, dass ich nicht kinderlos sein werde, wenn meine Wohnung in absehbarer Zeit zu groß für mich wird.

Auf dem Weg.
In einen Lebensabschnitt, der alt werden heißt.
Hört sich an nach Sofa, Ruhe, alles schon gesehen.
Oder eher nach Zeit für neue Projekte, Freiheit, nicht mehr so gefallen müssen und Erfahrungen neu ( und anders?) nutzen können?

Meine Ideenkiste ist noch nicht leer.
In diesem Jahr musste ich so viel los lassen – warum nicht auch das Gefühl, for ever young zu sein?
Ist bestimmt gar nicht so schlimm, wie die Werbung uns glauben machen will.

Der Zug zockelt gemächlich durch die Landschaft.
Gleich werde ich sehen, dass ich nicht die Einzige bin, bei der die Zeit vergangen ist. Mir liebe Menschen, sehr lange nicht gesehen…..was werden jetzt unsere Themen sein?

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8 Kommentare zu “Timeline

  1. Du bleibst jung, solange Du Deinem Kopf gestattest jung zu sein! 😉

  2. Alt = Erfahren ja
    Alt = eingerostet nein
    Jung = immer noch denkfähig ja
    Jung = immer 20 um Gottes Willen (dann muss ich ja all die Erfahrungen ein zweites Mal machen, bitte nicht)

    Ja, auch ich bin elternlos seid diesem Jahr. Mit knapp 46 Jahren wohl auch alt und die ersten Kinder strecken ihre Flügel aus. Das ist in Ordnung so.

    Aber ich möchte gerne beweglich im Kopf bleiben und dementsprechend „jung“ im Kopf. Ist vielleicht der falsche Ausdruck dafür. Aber ich möchte gerne mit Erfahrungsschatz noch ein weilchen mein Leben leben. Meinst Du das?

  3. Liest sich schon mächtig traurig …

  4. Ich habe zwar noch meinen Vater, welcher mich gelegentlich wie ein Kind behandelt, aber ich fühlte mich auch erst nach dem Tod meiner Mutter erwachsen, da war ich 40.

    Ich bin auch froh nicht mehr 20 zu sein..Ich werde gerne an meiner Leistung gemessen und nicht an meinem Aussehen.
    Hätte ich den Job den ich jetzt mache vor 25 Jahren gemacht, unter all den Männern, die hätten mir wohl mehr auf Po und Busen geschaut und mich nicht ernst genommen.
    Jetzt nimmt mich jeder für voll, ausser mein Vater..

    Und dass unsere Sorgenkinder ihre Flügel ausbreiten ist wirklich wunderbar: Die haben es faustdick hinter den Ohren, die werden und bestimmt noch zum Staunen bringen!

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