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0815 geht gar nicht….oder einfache Lösungen für alle sind mir suspekt

Was man so denkt

Ein Kommentar

Mach‘ das bloß  nicht

Man könnte meinen, schlimmer noch als eine Behinderung zu haben sei die amtliche Anerkennung derselben. 

Man könnte mutmaßen, bei neurologischen Sonderformatierungen wie z.B. ADHS und Autismus Spektrum Störung wisse man ja gar nicht, ob die Beeinträchtigung das Ausmaß einer Behinderung erreiche. Man sieht ja nichts. 

Man könnte behaupten, es sei für das Kind besser, nicht abgestempelt zu werden, denn…

Man weiß ja nie, ob es sich rauswächst.

Man vermutet, es  läge  an den Eltern : falsche Erziehung, falsche Erwartungen, falsche Ansprüche, falsche Therapien, Kita, Schule, Hobbys. 

Falscher Lebensstil- was, die Mutter  bleibt berufstätig?!?

Falsches Essen. 

Prima Hilfe 

Zu allem diesen Themen werden Eltern von nicht sichtbar ( bzw. nicht durch Biomarker feststellbaren Handicaps) behinderten Kindern von allen erdenklichen Menschen beraten. Familie, Freunde und vor allem Experten wie Ärzte, Psychologen, Erzieher, Lehrer, Jugendamt, Rehaberater der Arbeitsagentur, Rechtsanwälte.  

Man sollte sicher sein, dass die Eltern bei so viel gut gemeintem Rat gut unterstützt seien.

Wobei aber brauchen Eltern dieser Kinder  überhaupt vorrangig Unterstützung?  Am Anfang stehen Angst, Schmerz, Schuldgefühle, Wut, Zweifel und immer wieder Hoffnung. Das Begreifen und die Akzeptanz kommen erst nach und nach und sind ein mühsamer Prozess. Wer begleitet die Eltern dabei? 

Parallel die Bürokratie: Diagnostik, Therapien, Integrationsplatz in Kita und Schule, Hilfe zur Erziehung, Eingliederungshilfe, unterstützte Ausbildung ( Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben), Hilfe für junge Erwachsene durch das Jugendamt. Immer wieder Anträge, Widersprüche , Hotlines, Wartelisten und Termine. Wer ist Eltern-Scout  in diesem Dschungel? 

Man mag es nicht glauben: das alles geht -hinreichend Biss und Durchhaltevermögen vorausgesetzt- ohne amtliche Anerkennung einer Schwerbehinderung und auch nach vielen Jahren des Hürdenlaufs durch Arztpraxen, Jugendamt & Co wird dennoch oft von einer Antragstellung der Feststellung einer Schwerbehinderung abgeraten. Selbst wenn es für diese im Regelfall einen GDB zwischen 50-80 gibt.

Man könnte den Eltern sagen: macht es doch trotzdem. Klar, wenn denn nicht der Jugendliche, der schon genug mit der Bewältigung seines Handicaps zu tun hat, längst  zusätzlich verunsichert worden wäre und Angst hätte, aufgrund einer amtlichen Anerkennung seiner Behinderung endgültig im Aus zu landen. Wenn nicht den Eltern selbst schon genug Angst vor diesem Aus gemacht worden ist. 

Behindert. Noch immer ein Schimpfwort auf deutschen Schulhöfen. Noch oft genug Grund, dass Türen sich schließen als dass Wege sich ebnen. 

Aber auch ein Status, der Ansprüche  auf Unterstützung begründet. Also  Kosten verursacht- vom Schulbegleiter, Teilhabeleistungen, Kindergeld  bis zum persönlichen Budget. 

Gut angelegtes Geld, wohlbemerkt.

Den Experten sei gesagt: gut gemeint ist nicht gleich gut beraten. 

Den Behörden: her mit dem Geld.

Uns Eltern und betroffenen Kindern / Jugendlichen: es ist unser gutes Recht- lassen wir es uns nicht nehmen. 

Das ist einfach gesagt…auch wir haben viel zu lange für diesen Schritt gebraucht. Und bereuen ihn nicht.  
 

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Ein Kommentar zu “Was man so denkt

  1. Du sprichst mir – mal wieder – aus dem Herzen. Meine Synnie-Aspie-Tochter hat anerkannten GdB 50%, will aber nie, nie, nie drauf angesprochen werden, dass sie „behindert“ ist. Für mich war die Diagnose eine Ent-, für sie eine Belastung. Klara will einfach nur „normal“ sein, und verzweifelt oft daran, dass sie als „nicht normal“ angesehen wird. Behindert: ich denke, behindert _ist_ man nicht, behindert _wird_ man. Was man ist: einfach ganz normal anders.

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