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0815 geht gar nicht….oder einfache Lösungen für alle sind mir suspekt


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Dickes Brett

Über unsere kleine Initiative, geboren aus dem Frust über unzureichende und/oder unpassende Unterstützung unserer an der Schwelle zum Arbeitsleben stehenden Kinder haben wir es mit viel Engagement geschafft, sowohl bei der Bundesagentur für Arbeit als auch bei den regionalen Trägern von Maßnahmen zur beruflichen Ersteingliederung
(Bundesarbeitsgemeinschaft Unterstützte Beschäftigung, Integrationsfachdienst, Berufsbildungswerke) für diese Zielgruppe zu sensibilisieren.

Wie schaffen wir die besten Bedingungen für berufsfördernde Maßnahmen
für Menschen mit Autismus?

Gemeinsam mit dem Autismusinstitut haben wir, der Elternverein Autismus Hamburg e.V. eine Veranstaltung organisiert, zu der die nördlichen Berufsbildungswerke eingeladen waren. Das ist ja nicht ganz spannungsfrei, haben wir es hier doch mit Maßnahme Trägern zu tun, die im Wettbewerb stehen. Um die Sache nicht noch zu verkomplizieren, haben wir uns in der Vorbereitung deshalb dazu entschieden, erst einmal die Kostenträger nicht dazu zu holen, wenngleich von deren finanziellem Segen all die Konzepte abhängen. Ebenso nicht dabei waren die Träger von Maßnahmen, die in den Bereich Werkstatt für behinderte Menschen und das Hamburger Budget für Arbeit gehören. Wir wollten den ersten Aufschlag nicht mit Ansprüchen überfrachten und haben es hier ebenfalls mit sich ( zumindest in der Realität) ausschließenden ( sogen.)Eingliederungsmaßnahmen zu tun.

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Prof. Dr. Dalferth

Für den fachlichen Input sorgten Hajo Seng, autSocial e.V.  und Prof. Dr. Mathias Dalferth, Ostbayrische Technische Hochschule Regensburg. Beide beschäftigen sich schon lange mit diesem Themenfeld und haben vielfältige Veröffentlichungen dazu gemacht.

Erwerbsbiografien

Hajo Seng hat als Betroffener und auf Grundlage seiner langjährigen Arbeit von den oft langen und Umweg reichen Erwerbsbiografien von Autist*innen  berichtet. Deutlich wurde, dass die Zeit zwischen Pubertät bis oft zu dem 30. Lebensjahr besonders störanfällig und schwierig ist. Autist*innen müssen mit einer Folge von Misserfolgs Erlebnissen fertig werden, bis sie einen für sich geeigneten Platz im Erwerbsleben finden. Anhand von Schilderungen von Einzelfällen konnte er aber auch von unglaublichen Entwicklungen  – z.B. von der WfbM zum Studium – berichten. Sein Bericht machte deutlich, dass zu großer Leistungsdruck ebenso fatal sein kann wie die vorschnelle Meinung, jemand könne per se nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig sein, weil er in die vorhandenen Unterstützungs-Konzepte nicht passt. Zur Vertiefung empfehlenswert das 2017 von Seng herausgegebene Buch Typisch untypisch-Berufsbiografien von Asperger-Autisten, Kohlhammer-Verlag.

Hürdenlauf ins Berufsleben

Darüber berichteten wir Eltern junger Autist*innen, die gerade in den bestehenden Maßnahmen gescheitert sind. Unsere Kinder sind keine Einzelfälle und auch wenn unsere Befragung zu Beginn des Jahres nicht repräsentativ ist, so lässt sich daraus ganz klar ableiten, dass das, was zz angeboten wird, unzulänglich ist.

Arbeitsmarktsituation

Prof. Dr. Dalferth gab anhand seiner wissenschaftlichen Erhebungen zur Situation auf dem Arbeitsmarkt einen guten Überblick darüber, wie die Maßnahmen für Autist*innen sich im Hinblick auf die Teilhabe am Arbeitsleben auswirken. Um das Ergebnis schon vorweg zu nehmen: die Zahlen waren erschreckend.

Aus dem gesamten autistisches Spektrum sind nur 5-12 % sozialversicherungspflichtig beruflich tätig, jedoch häufig nur kurzzeitig und ihre Tätigkeit bzw. ihr Einkommen entspricht i.d.R. nicht ihrem Fähigkeiten Profil.
Bei Hochfunktionalen Autist*innen/Asperger-Syndrom sind lediglich ca. 40 % beruflich tätig, es gibt eine hohe Arbeitslosigkeit trotz guter Bildungsvoraussetzungen und anhaltender positiver Konjunkturentwicklung.

Die allgemeine Lebenssituation war entsprechend: international wohnen Erwachsene Menschen mit ASD bis etwa zum 30. Lebensjahr zu 85-70% zuhause bzw. in der Herkunftsfamilie, 70-30% sogar bis zum 50. Lebensjahr.
Von den erwachsene Menschen mit ASD leben in Deutschland leben 53% bis zu ihrem 45. Lebensjahr in der Herkunftsfamilie, von den Asperger Autist*innen/HFA/ Atyp. Autismus  sind es 52% .

Im weiteren schilderte Dalferth anhand der Auswertung von Projekten mit einzelnen Berufsbildungswerken, inwieweit die Maßnahmen dazu führten, Teilhabe am Arbeitsleben zu erreichen. Oder, was es dazu aus seiner Sicht noch braucht.

Ich denke, es war allen Anwesenden klar, welch enormen Entwicklung-und Handlungsbedarf es hier noch gibt.

World-Café

Der Nachmittag gehörte den Teilnehmenden aus den Berufsbildungswerken.
Die Frage des Berufseinstiegs wurde aus unterschiedlichen Blickwinkeln  (Erwartung der Betroffenen, Ziele für die Institution, aktuelle Handlungsebene) aufgeworfen.
Jede*r konnte sich einbringen und wurde mit jeder Perspektive konfrontiert.

Hier kamen viel guter Wille und viele gute Ideen gepaart mit vielen unklaren Vorstellungen darüber, was Menschen mit Autismus wirklich unterstützt, zusammen.
Der Handlungsbedarf wurde offensichtlich.

Fazit

Aus unserer Sicht war es eine gelungene Veranstaltung.
Es wurde deutlich, wie unzulänglich die Situation für junge Autist*innen – in allen Lebensbereichen – noch immer ist. Da Berufsbildungswerke auch Internatsunterbringung ermöglichen, sollte  das Augenmerk über die reine berufliche Eingliederung hinaus gehen. Hier stellen sicherlich die Kostenträger eine Barriere dar.

Besonders wichtig finde ich festzuhalten, dass hier Betroffene, Eltern der Betroffenen, Wissenschaft , Ausbilder*innen, Päd- und Psycholog*innen in den Austausch kamen.
Das ist leider kein Selbstgänger.

Ein kleiner Anfang ist gemacht.
Weitere Treffen wurden vereinbart.
Die Teilnahme von Autist*innen in dieser Runde ist ausdrücklich erwünscht.

…. und ganz persönlich?

Wenn ich auch manchmal nicht so Recht weiß, woher die Kraft für die bloße Alltagsbewältigung kommen soll – was sicherlich anderen Eltern oder Menschen aus dem Spektrum ebenso geht –  es lohnt sich doch, die eine oder andere Anstrengung auf sich zu nehmen um das Rädchen der Entwicklung ein Stückchen weiter zu drehen.

Ich hoffe, wir haben einen kleinen Stein ins Rollen gebracht.

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Augenwischerei*

Ob bei Teamentwicklungen, Weiterbildungsmaßnahmen,  Mutter-Kind-Kuren,  beruflichen Reha-Maßnahmen oder Therapien- überall kann einem die Aufforderung begegnen: schreiben sie einen Brief an sich selbst. Das kann zu Beginn der Veranstaltung sein oder aber erst am Ende. Wichtig ist, dass der Brief einen erst zum gesetzten Zieldatum ( Prüfung, Ende der Maßnahme, einige Zeit wieder im häuslichen Alltag etc.) erreicht.

Die Aufgabe

Schreiben sie ihre Ziele auf.
Was wollen Sie am Tag X erreicht haben?
Was wollen Sie verändern?

Meist hat man ca. 1 Stunde Zeit dafür. Das ist nicht viel, wenn man ein herausforderndes Ziel hat und außerdem sind wir ja auch ungeübt, nur für uns selbst unsere Ziele zu benennen. Also denkt man nach und schreibt dann was. Meist so eine Mischung aus offiziellem Ziel der Veranstaltung ( Abschluss schaffen,  im Fach x verbessern, gelassener sein, sich für sich selbst Zeit nehmen, Sport anfangen, gesund ernähren, vor  Gruppen sprechen können, weniger Überstunden machen, mal NEIN sagen im Job usw.) und dem, was man sich wirklich wünscht und so zutraut. Schulkinder jüngeren Datums und deren Eltern kennen diese Mogelei schon von den Ziel-und Lernvereinbarungen, die sie jährlich treffen müssen. hier
Arbeitnehmer*innen evtl.. von jährlichen Beurteilungsgesprächen.

Stunde der Wahrheit

Irgendwann kommt dann der Moment, an dem man den Brief in der Hand hält und ihn öffnen sollte. Fein raus ist, wer alles geschafft hat. Ein Grund zur Freude und man kann stolz auf sich sein obwohl man das ja sowieso schon ist. Aber hier kommt noch mal die schriftliche Bestätigung von sich selbst.

Aber was, wenn nicht?
Wer durch die Prüfung gefallen ist oder eine Maßnahme abbrechen musste, findet es vielleicht nicht so toll, seine eigenen Wünsche, Erwartungen und Hoffnungen noch einmal von sich selbst unter die Nase gerieben zu bekommen. Weiß man doch alles. Fühlt man doch.

Problematisch besonders, dass nach therapeutischen oder Reha-Maßnahmen/Kuren  der Brief den Absender erst erreicht, wenn dieser von der Einrichtung selbst nicht mehr aufgefangen werden kann. Mitten im Alltag, der sowieso nicht klappt, obwohl man doch so viel verändern wollte. Mit dem selbst formulierten Schlamassel steht man nun allein da. Auch wenn er wohlwollend formuliert ist, entsprechend Aufgabenstellung.

Was soll man also damit tun? Nicht öffnen? So ein Brief kann einen auch in geschlossenem Zustand immer wieder „Loser, loser “ zurufen.

Zu kurz gefragt

Sein Ziel konkret vor Augen zu haben, ist an sich eine gute Sache. Das eigene Ziel. Nicht allgemeine Erwartungen. Es zu formulieren, kann helfen.
Das allein greift aber zu kurz.
Wir leben nicht in einer Glasglocke, unsere Rahmenbedingungen unterstützen oder verhindern Veränderung.

Was brauchst du?

Hilfreich wäre, die Frage zu stellen: was brauchst du, um dein jeweiliges Teilziel zu erreichen?
Kollege*innen, die nicht auf dir rumhacken, wenn du weniger Überstunden machst, eine Anpassung des Arbeitsvolumens, regelmäßigen Unterricht, Lehrer*innen, die gut erklären können, ein ruhiges Lernumfeld, jemanden, der dich stärkenorientiert unterstützt, eine Familie, die respektiert, dass du mal allein sein willst, Entlastung von der Pflegeverantwortung, finanzielle Hilfe?

Individualisierung

Wird diese Frage nicht gestellt, wird allein auf die persönliche Veränderungsebene abgestellt, werden sowohl der Erfolg als auch der Misserfolg ausschließlich individualisiert.
Das ist leider die heutige allgemeine Sichtweise auf Menschen.

Wir sollten uns diese nicht zu eigen machen.
Nicht, um die Ursache des Misserfolges nur bei anderen zu suchen.
Es geht doch um eine möglichst objektive Einschätzung des Ergebnisses. Wer jemals eine (sinnvolle und gut durchdachte) Evaluation gemacht hat weiß, dass einseitige Fliegenbeinzählerei allein nicht reicht, um zu einer Einschätzung zu kommen, die weiterführend ist.

Stellt man eine solche Aufgabe, so ist es das Mindeste, dass man sich auch dem Ergebnis stellt. Das Misslingen liegt nicht immer nur an den Teilnehmer*innen/Client*innen/Patient*innen.

Tut man es nicht, wird hier nur Schuldzuweisung betrieben.

Was tun?

Kurzfristig wird man diese unglückselige Mode wohl nicht abschaffen können. Also kann es sein, dass man irgendwann so ein nettes Briefchen an sich selbst zu schreiben hat. Wenn du aus der Nummer nicht raus kommst, mach das Beste daraus.
Das ist aus meiner Sicht:

  • Schreibe auch für jedes Teilziel auf, welche Unterstützung oder Rahmenbedingungen du brauchst, um es zu erreichen. Ehrlich. Da es dein ganz persönliches Ziel ist, du einzigartig bist, kann für dich hilfreich sein, was für andere fatal ist.
  • Wenn die Zeit dafür zu kurz ist, bitte um Zeit-Verlängerung ( z.B. zu Hause/ auf dem Zimmer  fertig schreiben).
  • Bekommst du diese nicht, male dir ein schönes Bild, mach Krickelkrakel, tu so als ob.

Aber diskutiere nicht über die Sinnhaftigkeit dieses Briefes mit denen, die ihn als ganz tolle Hilfe ansehen!

Und falls du gerade einen Brief der Hiebe erwartest, erhalten oder herumliegen hast, also nicht zu den Glücklichen gehörst, die alles geschafft haben: lass das Ding ungeöffnet liegen, wenn es dich quält. Verstau es dort, wo du wahrscheinlich erst in ein paar Jahren zufällig drauf stoßen wirst.
Womöglich sagst dann zu diesem kleinkarierten Tun nur  „paaahhhhh…..“.

  • vormals Titel  „Bilanzbetrug“

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Abschmink-Maßnahme

Seitdem ich diesen Beitrag geschrieben habe, ist viel Wasser die Elbe hinunter geflossen.

Oft sind wir hin gefallen, wieder aufgestanden und haben unsere Kronen gerichtet.
Und jedes Mal fällt die Aufrichtung schwerer und ist die Krone angekratzter.

Was als Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) deklariert ist, entpuppte sich als weiteres Instrument der Selektion. Jungen Menschen mit Behinderungen wurde wieder einmal mit überwiegend defizit-orientierter Haltung begegnet. Nett verpackt als Lernziel, sich mit seiner Behinderung auseinander zu setzen und seine beruflichen Ressourcen realistisch einzuschätzen.

Wege, wie Talente, Interessen und Stärken trotz Behinderung genutzt werden können, wurden nicht gesucht. Eine stark eingegrenzte Auswahl zwischen verschiedenen Berufsfeldern, unzureichende Kontakte zu betrieblichen Kooperationspartnern vor Ort und chronischer Personalmangel beim Maßnahme-Träger sind sicherlich weitere negative Komponenten.

An den Geschäftsführer der Bundesagentur, Herrn Scheele, richtete sich unserer Elternverein zum Jahresanfang mit den Worten:

Wir als Eltern erleben, wie unsere Kinder in diesen Maßnahmen scheitern, keine Anschlussperspektive erhalten oder selbst im Anschluss an eine erfolgreiche BvB keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung finden.
Das bestätigte auch eine Anfang 2017 von Autismus Hamburg e.V. und autSocial e.V. durchgeführte online-Befragung für Hamburg: für 40 % der Befragten, die eine Maßnahme begonnen haben, wurde diese vom Träger vorzeitig beendet. Im Anschluss an eine absolvierte Maßnahme haben 21,2 % eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt gefunden, 57,8 % haben nichts und 21,1 % sind in einer weiteren Maßnahme. Wir Eltern erleben im Gegensatz dazu über Jahre, unter welchen Rahmenbedingungen unsere Kinder leistungsfähig sind und ihre Potentiale entfalten können.

Unser Ziel: dafür sensibilisieren, dass AutistInnen nicht in eine 0815-Maßnahme gepackt werden können.

Ein anschließendes Gespräch mit der Regionalleitung und der örtlichen Leitung der Reha-Abteilung war zwar atmosphärisch recht angenehm, brachte aber im Ergebnis nichts als bittere Klarheit: die Bundesagentur sei die Behörde für Menschen, die auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt klar kämen. Die Maßnahmen, die Teilhabe zum Arbeitsleben (LTA) beinhalten, seien hinreichend. Man könne dafür nicht noch mehr Geld ausgeben.

Was für ein beschissener Job

Psycholog*innen, Sozialpädagog*innen  und Ausbilder*innen in den Trägern dieser  Maßnahmen haben also die Aufgabe, die Spreu vom Weizen zu trennen. Sie setzen damit die Arbeit der Lehrer*innen an allgemeinbildenden Schulen fort.

Dabei sind das doch eigentlich helfende Berufe. Wie halten das diese Menschen eigentlich aus? Welche „Wahrheit“ legen sie sich zu Recht? Dass es Menschen mit Behinderung doch viel besser geht, wenn sie unter sich bleiben?  Dass sie ein selbst bestimmtes Leben gar nicht wollen?

Wie schaffen sie es, jungen AutistInnen mit Potenzial, aber möglicherweise noch ohne sogenannte Ausbildungsreife, ohne Gewissenbisse die Beschäftigung in einer Werkstatt für behinderte Menschen zu empfehlen? Auch Asperger AutistInnen, die keinen hohen Schulabschluss  haben, sind oft sehr gebildet und in einer WfbM intellektuell total unterfordert. Wie kann man ihnen die Lüge auftischen, dass sei für ihre Entwicklung am Besten und natürlich nicht für immer…?

Machen sie einen großen Bogen um Artikel wie diese, im März in Brand Eins online oder kürzlich in der taz erschienenen?

Teilnehmer*innen und Eltern werden angelogen, dass sich die Balken biegen. Der Prozentsatz der Menschen, die  eine Werkstattbeschäftigung hinter sich lassen, liegt noch nicht einmal bei 1 %.

Was ist das für eine verquere Logik, wenn Werkstätten für behinderte Menschen sich als Teil der Inklusion darstellen?

Natürlich ist mir klar, dass diese Berufsgruppen nichts empfehlen können, was in Deutschland gar nicht existiert.  Wie wäre es damit, sich diese Hilflosigkeit einzugestehen, wie damit, mit Teilnehmer*innen und Eltern ehrlich umzugehen und wie damit, sich für gute Lösungen zu engagieren?

UN-BRK: Deutschland,  6 – setzen

Im März 2015 beschäftigte sich der UN-BRK-Fachausschuss in Genf mit der Staatenprüfung Deutschlands und untersuchte, wie es hier um die Umsetzung der UN-Behindertenrechtkonvention steht. Die Agentur 53° Nord befragte dazu Klaus Lachwitz, den Präsidenten von Inclusion International.

Interessant zu lesen, dass in England die WfbM geschlossen wurden. Dass es möglich ist, Wege zu gehen, die in Deutschland noch nicht einmal gedacht werden dürfen, ohne des Realitätsverlustes bezichtigt zu werden.

Auffallend im Interview, dass es immer um Menschen mit geistiger Behinderung geht, wenn von WfbM gesprochen wir. Auch in Deutschland wurden die WfbM für diesen Personenkreis konzipiert. Mittlerweile sind sie aber ein Auffangbecken für alle, die nicht funktionieren, wie der allgemeine Arbeitsmarkt ( sprich die privaten und öffentlichen Betriebe und den dahinter stehenden Eigentümern) es gerne hätte.

Was kommt noch?

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit Hr. Scheele hat sich nun ein weiteres Projekt ausgedacht. Arbeiten ohne jedes Entgelt für Langzeitarbeitslose in Betrieben der Privatwirtschaft.

„Das neue Konzept sieht vor, Menschen, die seit mindestens vier Jahren arbeitslos sind, zwei bis drei Jahre lang in eine öffentlich geförderte Beschäftigung zu schicken. Langzeitarbeitslose sollen demnach Betrieben, als zusätzliche kostenlose Kraft angeboten werden. „Dort können sie als eine Art Handlanger den Arbeitsprozess in Firmen unterstützen“, sagt von Einem. Ein weiterer Vorschlag sieht vor, sie in der Stadtteilverschönerung einzusetzen.“ Quelle

Das sind die Arbeitsplätze, mit denen ehemals auch Menschen mit Behinderungen ihr geringes Einkommen bestreiten konnten. Ist es da nicht besser, für ein bisschen Taschengeld und Rentenansprüche in einer WfbM auszuharren, als nach langer Arbeitslosigkeit gar nichts mehr für seine Tätigkeit zu bekommen?

Das interessiert merkwürdigerweise kaum jemanden, es sei denn, er ist selbst oder jemand im nähren Beziehungsumfeld ist davon betroffen.

Dabei sind es doch die auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätigen Steurerzahler*innen, welche die Privatwirtschaft auf diese Weise subventionieren. Verstehe das, wer will.

Nachreifen

Die persönliche Entscheidung ist meist schwierig. Zu Hause rum hängen ist keine Alternative. Nach monatelanger Demoralisierung ist eine Ausbildung oder ein Job auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt oft weniger denkbar als vor Beginn der unpassenden Maßnahme.

Wir sind kein Einzelfall.
Ich schreibe wir, weil ganze Familien unter diesem sich selbst erhaltenden Ausgrenzungs-System leiden.
Unsere Kinder, weil sie keinen angemessen Platz auf dieser Welt finden.
Wir Eltern, die hilflos die Ausgrenzung unserer Kinder mit ansehen müssen.

Wer über finanzielle Mittel (und Zeit) verfügt, kann seinem Kind möglicherweise mit privaten Weiterbildungskursen, zeitintensiven Hobbies nebst Equipment, Urlaubsreisen usw. eine gewisse  Zeit des Nachreifens versüßen, vielleicht sogar den Start in die Selbständigkeit ermöglichen.

Wunsch frei

Hätte ich den, würde ich in ein kleines nettes Touristen-Kaff ziehen, dort ein kleines Lädchen mit allerlei Schnick-Schnack à la DIY aufmachen, Teenie könnte sich kreativ austoben und den Deko-liebenden Damen das eine oder andere Teil aufschwatzen. Ihr Hund, den sie dann endlich haben könnte würde sie immer begleiten. Zum nächsten Reiterhof wäre es nicht weit. Irgendwann hätte Teenie vielleicht Lust auf einen neuen Anlauf. Den müssten wir dann natürlich privat bezahlen, denn das Mahlwerk der staatlicher Reglementierung würden wir fortan meiden.
Ich könnte mein Rheuma pflegen, im Bistro des Lädchens Kaffeespezialitäten und Portweine kredenzen und mich in die gemeinnützige Arbeit stürzen.
Finanziert würde das Ganze von meinem/meiner (noch zu findenden) vermögenden Gatten/Gattin, die/der die Verluste des Ladens steuerlich absetzten könnte.

Wer weiß?

Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen.
Hermann Hesse

 

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Never walk alone

Es  ist ein seltsames Gefühl für mich, am 1.Tag des Wonnemonats Mai um diese Zeit noch nicht unterwegs zu sein ( …blöde Gelenke). Geboten wird bestes Demo-Wetter. Zugegeben, in den letzten Jahren war da nicht mehr so viel los, es sei denn, es gab Veranstaltungen der autonomen Szene, was ja in meiner Stadt oft der Fall ist. Ach ja, und die Nazis, die waren auch öfter unterwegs und  wir hatten sogar 1 Mal Kirchentags-Mai-Demo-Durcheinander. Dieses  Mal bin ich nicht besonders informiert. Das Motto, die Route und all das.

1.5.1975
Bei Kundgebungen und Demonstrationen zum Tag der Arbeit stehen in der Bundesrepublik Deutschland die Sorge um die Arbeitsplätze, die Mitbestimmung und die innere Sicherheit im Vordergrund.

In dem Jahr mischte ich mich zum ersten Mal unter den Teil der arbeitenden Bevölkerung, der Forderungen hatte und diese auf die Straße brachte. Damals fühle ich mich noch fremd unter all den Menschen und  gleichzeitig fühlte es sich richtig an. So richtig richtig. Außer meiner älteren Schwester ging da keiner meiner Familie  hin. Aber die lebte ja auch in einer Kommune und war andauernd auf Demos. Später waren auch meine jüngeren Geschwister mit von der Partie. Meine Eltern betrachteten das mit gemischten Gefühlen: politische Aktivität war ihnen suspekt. Wie kam es nur, dass alle ihre Kinder das so ganz anders sahen? An dieser Stelle: ein Dankeschön an  die 68´er .

Simple

Gut war: ich konnte da einfach hingehen. Musste mich vorher nicht mit irgendwem vernetzen, keiner Gruppe angehören und  obwohl ich noch nicht allzu viel von Politik und Wirtschaft verstand, war ich bis auf das Ding mit der inneren Sicherheit ( für jüngere: es ging auf den heißen Herbst zu und die RAF wurde vorgeschoben, um Gesetze für alle zu verschärfen). Arbeitsplätze und Mitbestimmung waren ok.

So naiv wie ich damals denkt heute wohl kein junger Mensch mehr. Für mich war klar: ich würde in Zukunft zu denen gehören, die vom Verkauf ihrer Arbeitskraft leben müssten. Also musste ich Gewerkschaftsmitglied werden, auch wenn ich nicht alles gut ( nicht weitgehend genug) fand, was die vertrat. Das Kapital war schließlich auch organisiert. Über sowas diskutierten wir uns die Köpfe heiß.
Ich war weit davon entfernt, alle „Leistungen“ der Gewerkschaft mit individuellen Vorteilen aufzurechnen.  Mir ging das damals wirklich um ein sich verbünden.

Diese Verbindung dauert noch an, mal mit mehr und mal mit weniger Bauchschmerzen.
Es ist offensichtlich, dass die heutigen Mai-Demos/Kundgebungen ein Auslaufmodell sind. Und das nicht erst seit heute.

Was kommt wenn dies geht?

Mit wem verbünden sich die Menschen, die in Zukunft ihre Arbeitskraft verkaufen ?
Von zu Hause aus, als Freelancer*innen, moderne Tagelöhner*innen, Zeitarbeiter*innen….anderweitig prekär beschäftigt?
Die Zukunft der Arbeit sieht wohl eher so aus, dass vor Ort in den Fabriken und Unternehmen immer weniger Menschen gebraucht und anwesend sein müssen. Gleichzeitig wird die heilige Kuh Arbeitszeitsenkung ( mit Lohnausgleich) nicht von den Gewerkschaften und erst Recht nicht vom Kapital  angefasst. Die Frage, wie und wovon all die Menschen leben sollen, die nicht zu den wenigen gehören werden, die ein regelmäßiges Einkommen haben ( auch über Jahre, nicht nur einige Monate) steht im Raum.

Welche Hürden?

Wie niedrigschwellig sind heutige Formen des Zusammenschlusses?  Können auch Menschen mit wenig Bildung daran teilnehmen? Die, die kein Geld für digitales Equipment haben? Wie verbindlich sind diese Zusammenschlüsse? Taugen sie dazu, Sicherheit in der Gegenwehr zu vermitteln? Welche Rituale, auf die sich Gleichgesinnte beziehen können, entwickeln sie? Sind sie geeignet, stabilisierende Tradition zu werden?
Wer kann mitmachen und wer wird abgehängt?

Mein Ü50-Gehirn lässt sich durchaus auf die Nutzung der sozialen Medien ein, beruflich und privat bin ich in so einigen digitalen Netzwerken unterwegs. Das ist praktisch und ich möchte es nicht mehr missen. Je nach Intensität der  Nutzung des Netzwerkes entwickeln sich auch Beziehungen zu anderen Teilnehmer*innen.

Aber für mich fehlt da dennoch was.
Menschen zum anfassen.
Die, mit denen ich mich im Zweifel unterhake, wenn alleine gehen zu mühselig oder riskant wird.

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Maul halten und dankbar sein

Auf den Punkt gebracht, liebe beste Freundin.
Das hätte ich mich gar nicht so zu denken getraut, als Teenie sich im Praktikum den Allerwertesten aufgerissen hat, um alles richtig zu machen:

  • die Arbeit gut und schnell zu erledigen ( obwohl gesagt wurde, lass dir Zeit- und hinterher gedrängelt wurde)
  • nachzufragen wenn etwas unklar ist ( worauf harsch geantwortet wurde)
  • es direkt anzusprechen, wenn es nicht klappt oder behinderungsbedingte Veränderung erforderlich ist  ( worauf man dann doch genervt reagierte)
  • darauf vertraut hat, dass die dann vereinbarte Anpassung auch so erfolgen würde ( und erleben musste, dass alles nur Gelaber war)
  • sich noch einmal aufraffte und das Gespräch suchte  ( und dann  all das an ihr kritisiert wurde, was ihr als Vorgehen im Eingangsgespräch empfohlen wurde).

Und zum Schluss gab es auch noch persönliche Kritik oben drauf bis hin zur Infragestellung von Bewertungen vergangener Praktika.

Wertschätzung Fehlanzeige

In einem Integrationsbetrieb ist klar, dass die Arbeitsplätze dem Leistungsvermögen der Beschäftigten angepasst sein müssen. Steht auch dick und fett auf der Homepage.
Sicher, man kann nicht alles möglich machen.

Ich frage Teenie, wie es den anderen Beschäftigten dort ergangen ist.
Bei sichtbaren Behinderungen sei man wohl irgendwie darauf eingegangen. Der Umgangston sei aber generell rau gewesen. Bei Kritik hätten die anderen geschluckt und weiter gemacht.

Wohl so ähnlich wie Teenie früher in der Schule.

Was ist heute anders?

Ist Teenie heute empfindlicher als früher?
Mir fällt auf, dass  sie wegen sensorischer Überreizung häufiger die Notbremse zieht.

Klare Aussage ihrerseits: als Kind hast du keine Wahl. Du bist ausgeliefert. Es war schon immer genauso wie jetzt. Aber nun bestimme ich, wann es genug für mich ist.

Bei aller Ratlosigkeit hinsichtlich ihrer beruflichen Perspektive:
diese Haltung stimmt mich zuversichtlich.

 

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7 Kommentare

VIP

Meine Güte, bin ich aufgeregt ! Heute darf ich vielleicht mit dem Teamleiter der für uns zuständigen Reha-Fachabteilung der Bundesagentur für Arbeit ( BA ) reden….*zappel, freu, herzklopf*

Ihr fragt euch, was daran so Besonderes ist?
Also, dieser Mensch redet nicht mit jedem. Man kann ihn auch nicht einfach anrufen. Auch seine Mitarbeiter_innen nicht, von denen ich immerhin den Namen weiß – seinen nicht.
Ich kann den Mitarbeiter_innen mails schicken, die vermutlich in der virtuellen Ablage P landen und ’niemals nicht‘ beantwortet werden.Wenn ich dann ganz genervt bin kann ich bei der Hotline mit der Nr. 0800 xxxx anrufen:
…nein, ich habe keine Fragen zu ALG II, möchte auch nicht online mein Anliegen in FAQ’s nachschlagen….ich gebe brav die 8 ein, höre etwas Musik und dann habe ich einen echten Menschen an der Strippe.

Fühl dich verstanden…

Die Mitarbeiterin von letztem Freitag war sehr nett und kompetent. Sie konnte mir schnell, freundlich und konkret sagen, dass bis jetzt niemand , weder die Reha- Beraterin noch der ärztliche Dienst irgend etwas bearbeitet haben. Ja, alle Unterlegen seien eingegangen und ganz zu Anfang ( Ende letzten Jahres) hätte  ich ja auch schon mal eine mail mit allgemeinen Erläuterungen bekommen – die hätte ich doch, oder?
Während ich noch darüber sinniere, ob diese freundliche Stimme zu einer ausgebildeten Verwaltungsfachkraft oder eher zu einer guten Call Center Agent, die professionell zur Zufriedenheit jeglicher Kunden Auskünfte über Dienstleistungen welcher Art auch immer geben kann, solange sie einen Rechner mit einer vernünftigen kundenorientierten Anwendung und ein funktionierendes Headset hat, bestätige ich den Eingang dieser mail und gleichfalls die Kenntnisnahme deren Inhalts nebst inhaltlicher Durchdringung.
Einen Wunsch frei
Agent Gute-Fee offeriert mir, meinen Rückrufwunsch entgegen zu nehmen.
Das bedeute, dass sich binnen 48 h die zuständige Sachbearbeiterin bei mir melden müsse.
Deadline Dienstag 13 h.
Wenn bis dahin kein Anruf erfolgt sei, solle ich mich noch mal bei der Hotline melden. Aber das könne eigentlich gar nicht passieren.
Ich gebe mich handzahm, stimme zu, übe mich in radikaler Akzeptanz und trage fortan mein Handy rund um die Uhr bei mir.
Diese Chance will ich nicht verpassen.
Hinterhältig I
Nun bin ich ja ein eher ungeduldiger Geist und so habe ich hinter dem Rücken der zur Rückrufwunscherfüllung bereiten zuständigen Sachbearbeiterin des Reha-Fachdienstes schon mal mit dem bbw klargemacht, dass Teenie noch in diesem Frühjahr dort eine Arbeitserprobung machen kann und es bei Eignung im Herbst mit der Ausbildung los geht.
Das ist gemein, denn die BA möchte ja nicht so viel Geld ausgeben und denkt eher an eine Berufsorientierungs- Warteschleifen-Nummer zur Bereinigung der Abeitslosenstatistik mit Spekulation auf anschließenden wundersamen Wegfall der anspruchsbegründenden  Einschränkung bei Teenie nach Ablauf dieses Demotivierungs-Trainings.
Selbstverständlich geht eine entsprechende Info-mail mit konkerter Berufsplanung nebst zeitnaher mail- Kontaktaufforderung an die BA raus ( Ablage P? ) und ich kann es mir nicht verkneifen, auf die Existenz des Rechtswegs hinzuweisen.
Pervers?
Vor gefühlten 100 Jahren gehörte ich noch zu den Fliegenbeinzähler_innen, den Menschen, die systematisch anderen das Wort im Mund umdrehen und sich in der Kunst der Subsumtion aalen.
Besonderes Highlight dieser Daseinsform war das Lesen von Bleiwüsten in Fachzeitschriften und Kommentierungen zu den abstrusesten Gesetzen.
Damit habe ich heute nicht mehr soviel zu tun.
Aber wenn‘ s der Sache dient bin ich noch immer in der Lage, mich Ruck-Zuck in eine Rechtsmaterie einzulesen und so ein sexy 2 kg-Schinken voller Paragrafen zieht mich dann schnell in seinen Bann.
Das Inhalieren der Rechtsprechung und weiterer Infos braucht heute noch nicht einmal den lästigen Gang in die juristische Präsenz-Pauk-Anstalt.
Juristerei vom Feinsten ohne Streber-Kontaminierung.
So liebe ich das.
Sozialgesetzbuch IX
Im SGB IX stehen wirklich tolle Sachen.
Danach haben behinderte Menschen viele Ansprüche auf Unterstützung zur Teilhabe. Behinderung ist im Gesetz wie folgt definiert und betrifft nicht nur die Schwerbehinderung ab GdB 50.

§ 2 SGB IX Behinderung

(1) Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn die Beeinträchtigung zu erwarten ist.
(2)….
(3)…
§ 33 SGB IX Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben
(1) Zur Teilhabe am Arbeitsleben werden die erforderlichen Leistungen erbracht, um die Erwerbsfähigkeit behinderter oder von Behinderung bedrohter Menschen entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit zu erhalten, zu verbessern, herzustellen oder wiederherzustellen und ihre Teilhabe am Arbeitsleben möglichst auf Dauer zu sichern.
(2)….
(3) Die Leistungen umfassen insbesondere
…..
4. berufliche Ausbildung, auch soweit die Leistungen in einem zeitlich nicht überwiegenden Abschnitt schulisch durchgeführt werden
…… Usw. , ihr könnt das hier nachlesen.
Sexy und jugendfrei

Sexy und jugendfrei

Frist verstrichen

In der Zwischenzeit tritt der wirklich sehr unwahrscheinliche Fall ein, dass mein Rückrufwunsch  nicht berücksichtigt wird. Das hatte Agent Gute-Fee aber anders gesagt.
Also wieder ran an die Hotline: nein, ich habe keine Fragen zu ALG II, möchte auch nicht mein Anliegen in FAQ’s nachschlagen….gebe brav die 8 für Sonstiges ein, höre etwas Musik und wieder werde ich mit einem echten Menschen an anderen Ende der Strippe belohnt, diesmal männlich.
Auch dieser Agent ist sehr freundlich und versiert in der Benutzung der Anwendung zur Beratung von Kunden.  Vermutlich sowas wie eine Fachkraft für die  “ Beratung Stufe 2 – Kunden mit unerfülltem Rückrufwunsch „. Ich hoffe, er bekommt eine Gehaltszulage dafür. Die hat er verdient, denn er navigiert souverän im workflow der Beratungsanwendung ….schnell checkt Agent  Hinhalter,  dass es einen Plausch mit Agent Gute-Fee gab, diese alles richtig gemacht hat und es  keinen Rückrufversuch durch den Reha-Fachdienst gab. Wird nämlich immer alles dokumentiert. Tolles System. Da weiß man immer ganz genau, welche Arbeit (nicht) gemacht wurde.
Ein wenig zuckt mein Gewerkschaftergewissen auf: Verhaltens- und Leistungskontrolle im digitalen Zeitalter….aber Mitleid mit den geknechteten Mitarbeiter_innen der BA ist gerade fehl am Platz. Agent Hinhalter offeriert mir nun ein zweites Mal die Entgegennahme eines Rückrufwunsches binnen 48 h.
‚ Nee, das hatte ich doch schon und was passiert denn, wenn dem wieder nicht nachgekommen wird? ‚  so mein Einwand.
‚Dann können sie mit dem Teamleiter sprechen‘,  freundlich Agent Hinhalter.
Und ich darauf:  ‚ach, das mach ich lieber gleich, stellen Sie mich bitte durch.‘
Aber so einfach geht das nicht. Das darf Agent Hinhalter gar nicht. Aktiv darf er nur Rückrufwünsche entgegen nehmen. Sonst nix. Nun kommt das Mitleid doch hoch….
Nun geht es eine Weile hin und her und zähneknirschend, aber noch immer ruhig stimme ich dem Quatsch zu.
Deadline : heute mittag 14 h.

Hinterhältig II

An den Weihnachtsmann glaube ich schon lange nicht mehr und wieder einmal raunt mir meine Oma aus dem Off das Motto ihres Lebens zu: hilf dir selbst, dann hilft dir Gott….
Ja ja, ich mach ja schon.
Bislang hatte die BA durch Verweigerung eines Beratungstermins, bei dem  der Reha-Antrag normalerweise  gestellt wird, die formelle Antragstellung vereitelt. Die nehmen dafür ja immer gerne ihre Vordrucke.
Ich fühle mich aber völlig frei in der Wahl des Layouts des Antrages.
Der Inhalt ist klar und geht noch heute raus. Mit der Rechtsfolge, dass nun in der BA Fristen beginnen.
Vielleicht auch für den Teamleiter.

Countdown

Nun ist  es nur noch 1/2 Stunde bis zum großen Moment. 
Dann darf ich den Teamleiter sprechen….ich sagte es schon. 
Falls der überhaupt da ist. 
Ob die Fallbearbeitungsgsanwendung auch Merkzeichen für schwierige Kunden vorsieht? 
Irgendwie schwant mir, dass Herr Teamleiter nicht halb so cool im Umgang mit der lästigen Kundschaft sein wird wie die netten Agents. 
Falls ich überhaupt zu ihm durchdringe. 
Könnte ja sein, dass auch dieses Versprechen 2 Mal wiederholt werden muss und ich noch eine_n Agent(i)n kennen lerne. 
Wie aufregend !


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Mantra

Mir ist egal, welchen Beruf mein Kind wählt, Hauptsache, es wird damit glücklich.

Das haben doch die meisten Eltern schon mal von sich geben, oder?

Noch im Halbschlaf sage ich mir immer wieder diesen einen Satz, von dem auch ich überzeugt bin, in Gedanken vor.
Denn heute nehme ein weiteres Stück Abschied vom Wunschtraum, dieser glücklich machende Beruf  werde gleichzeitig einer sein, der gesellschaftlich hoch anerkannt ist und gut bezahlt wird.
Ich nehme auch Abschied von meinem jahrelang verfolgten Ziel, mein Kind möge soviel Normalität wie möglich und lediglich so wenig Spezialität wie nötig erleben.
Das schmerzt und ich werde das Gefühl der Unzulänglichkeit nicht los.
Wir fahren in eine kleine Stadt nicht weit von unserer Großen, um
ein Berufsbildungswerk zu besichtigen. Überbetriebliche Ausbildungen für Menschen mit Behinderungen werden dort angeboten. (1)
Ich habe Vorbehalte.
Ist es das Richtige?
Wird mein fast erwachsener Teenie dort genug Anregungen für ein ‚ normales ‚ und eigenständiges Leben bekommen?
Meine eigenen Gedanken befremden mich. Die anderen jungen Erwachsenen dort können doch ebenso wunderbare und vielseitige Menschen sein wie sie!
Und mal ehrlich: wie viele Anregungen habe ich bereits nur allein von Teenie gerade wegen ihrer Besonderheit bekommen?

Das Gegenteil von Inklusion

Es fällt mir schwer JA zu dieser Sonderwelt zu sagen. In meiner Vorstellung ist es möglich und wünschenswert, mit Menschen mit Beeinträchtigungen in unserer Mitte zu leben und zu arbeiten. Letzteres gesondert zu erwähnen ist wohl notwendig in unserer verdrehten Welt, die in Hierarchien wie Dritte Welt, zweiter Arbeitsmarkt, Geberländer, Leistungsträger u.v.m. denkt. 

An diesem Tag heute muss ich akzeptieren, dass die Realität für mein Kind nur eine  Berufsausbildung ‚ auf dem Mars ‚ vorsieht.
Das ist bitter. 

Das Glück der Erde…

Ich sehe, wie Teenie neugierig und zielstrebig den ersten Kontakt vor Ort aufnimmt. Bin erstaunt über ihre klaren Vorstellung, erfreut über ihre Unvoreingenommenheit. Hier kann sie sogar ihren Traumberuf erlernen.
Sie sieht zugleich die Chance den nächsten, ihr angemessenen Schritt zu machen. 
Den Heimatort verlassen. 
In Gemeinschaft mit jungen Leuten leben. 
Ihr Blick zu mir : ich hab‘ dir doch schon immer gesagt, ich will was mit Pferden machen.
Ich krieg das alles hin, mach dir keine Sorgen.

Diese Treppe hatte ich schon oft vor der Linse. Meine liebe Leserin Anita schrieb dazu sinngemäß: “ wer weiß, wo diese Stufen unsere Kinder hinführen“ . Ich mag diese Treppe.  Blickt man hinauf, sieht man in den Himmel. Der Blick hinab weist auf das weite Meer…

Am nächsten Morgen steht ihre Entscheidung noch immer.
Ich aber denke daran, was es heißt, einen Beruf im
Niedriglohnsektor zu ergreifen.
Weise Teenie auf die nicht berauschenden Verdienstmöglichkeiten in dieser Branche hin. ( 2 )

Hey Mum, ich schreibe doch erst das Vorwort des Buches meines Lebens, bleib mal cool.

Ach, auch eine Löwenmutter hat zu weil ein Hasenherz.

Aber während ich das alles so denke und schreibe, wetze ich bereits meine Krallen für das kommende Match mit der Bundesagentur für Arbeit…..

(1) wer jetzt denkt, Teenie hätte einen offiziellen Behinderten-Status, irrt.
Die BA hat jetzt lediglich gemerkt, dass es Grenzen dabei gibt, Menschen mit einer ‚Sonderformatierung‘ die gängige ‚Standardsoftware‘ aufzuzwingen.
(2) für mich behalte ich, welche Auswirkungen das auf mich hat: arbeiten, bis es nicht mehr geht..

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