leidenschaftlichwidersynnig

0815 geht gar nicht….oder einfache Lösungen für alle sind mir suspekt


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Murphys Gesetz

Gestern abend beim Einschlafen dachte ich noch : und wenn du dir etwas von dem leckeren Sauerkrauteintopf in einer Dose mit auf die Reise nimmst……?

Sowas mache ich natürlich nicht. Außerdem habe ich  für Teenie gekocht, die ein paar Tage allein klar kommen muss. Das mit dem Hunger ist bei ihr ja so eine Sache: manchmal merkt sie ihn stundenlang nicht und dann ganz plötzlich in so einer Heftigkeit, dass es sich fast wie Magenkrämpfe anfühlt. Dann ist es gut, sie muss nur schnell etwas warm machen, anstatt in einen  “ Hunger-Overload“ zu schlittern.

Ich verdrücke mich für ein paar Tage aufs Land… mir fällt hier die Bude auf den Kopf. So richtig nach Reisen ist mir  dennoch nicht, unfit, wie ich gerade bin.

Nun sitze ich hier im Zug,  wie es nicht anders sein kann mit 2 reizenden kleinen Mädchen samt Mutter an einem Tisch. Der Zug ist voll, ein Entkommen gibt es nicht. Muttern ist bestens gerüstet: während die beiden auf Geheiß von Muttern ihren Lernspielen nachgehen, werden sie mit Selbstgeschmiertem – und geschnippeltem versorgt. Gurkenduft. Geht ja noch.

Reisezeit ist Nachdenkzeit. Aus dem Fenster schauen und sinnieren…ich liebe das. Die kleinere Madame plappert in einer Tour, dabei zeigt sie mir nun, wie schön sie ihr intensiv  duftendes Leberwurstbrot zerkauen kann. Ab und an tritt sie mir auf mein entzündetes Fussgelenk. Autsch. Muttern hat derweil  auf Durchzug gestellt.

Umbaupause: Lernhefte und Brote weg, Uno raus. Uno auf dem Boden, die Kinder auch, meine Füsse nicht mehr. Muttern bleibt tiefenentspannt. Wozu habe ich einen Platz mit Tisch gebucht? Das Tablet belastet meine Handgelenke mehr als schön ist.

Meine Ohr-Verkabelung sorgt dafür, dass ich mich nicht auf mein Buch konzentrieren kann. Musik hören  und lesen kann ich nicht gleichzeitig.  Ich bezweifele, dass die kleine Lady unterm Tisch sich auf “ Schnüpperle“ ( Ostergeschichten)  konzentriert , vorgelesen von der nun auch mental anwesenden Mutter. Das nervt Muttern und mit einem halben Amerikaner wird die Süße nach oben gelockt. Warum muss ich nur immer auf den kauenden, offenen Mund schauen?

Muttern liest nun engagiert und laut. Schließlich sollen die Kids zuhören. Ich kann mich nicht erinnern, Teenie jemals eine Geschichte so entgegen geschrien zu haben. Die Größere hat sich mittlerweile mit einem eigenen Buch abgesetzt und die Welt akustisch auf ihre eigene Musik reduziert. Wenn Muttern doch wenigstens aus Sternentänzer“ vorlesen  würde. „Schnüpperle“ scheint nicht nur mich zu langweilen.

Immerhin: die mitleidigen Blicke meiner Mitreisenden sind  mir sicher. Es reisen auch andere Kids in diesem Wagon. Soweit ich sehen kann, müssen die nicht dauernd essen, ihre Eltern reden ab und an mit ihnen, sie malen , lesen, hören Musik/ Hörspiel oder gamen. Manche schlafen an ihre Eltern gelehnt und auch diese dösen vor sich hin. Was für ein schöner Anblick.

2,5 Stunden habe ich schon  geschafft, 2 Stunden hab ich noch vor mir.  Bestimmt fährt Famile  Schnüpperle weiter als ich.

Und dann bekomme ich eine kleine Chance : Osnabrück muss was ganz besonderes sein, so viele Leute steigen hier aus. 3 Reihen weiter wird ein Platz frei. Ich ignoriere meine schmerzenden Gelenke, schnappe meine Sachen und hechte da hin. Geschafft. Nicht, dass ich “ Schnüpperle“ nicht mehr hören würde, aber ich habe meinen eigenen kleinen Klapptisch , werde nicht mehr getreten und muss den Blick auf diverse Kauvorgänge nebst  weitere sensorische Irritationen nicht mehr ertragen.

Das verschafft mir Luft für das, was ich an langen Zug-Reisen so liebe. Von A nach B gebracht werden mit der nötigen Umschaltzeit fürs Oberstübchen.

Ein wenig gemein komme ich mir ja schon vor, so unnahbar wie ich mich gegenüber Familie Schnüpperle gegeben hab. Ich hätte ja auch die nette ältere Dame geben können, die  den Mädels die Reisezeit “ verkürzt“ und Muttern etwas Pause verschafft.  Wäre mir Mutter Schnüpperle sympatischer gewesen…vielleicht schon eher. Weiß ich doch selbst, wie unterstützend  solche Reisebekanntschaften sein können, wenn man mit Kind unterwegs ist.

Andererseits habe ich heute frei. Von allem. Kein Service für niemanden.

Und deshalb tut mir nur leid, dass ich das verdammte, gut und kräftig duftende Sauerkraut nicht doch mit genommen habe.  Da hätten die Schnüpperles aber geschnuppert 🙂


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Bewusstseinserweiterung gratis

Ein schönes Zeichen guter Nachbarschaft in unserem Haus ist das Teilen von Büchern, die man loswerden, aber nicht weg schmeißen möchte. Es gibt hinter der Eingangstür ein kleines ( immer geschlossenes) Fensterchen – ob hier mal ein Concierge saß?- mit davor angebrachtem Fenstersims, auf dem man gut alle ausrangierten Stücke platzieren kann.

Unsere Journalistin liest z.B. überwiegend Krimis, die Praxis für Physiotherapie versorgt das Haus mit Gesundheitsbüchern, von der Studi-WG gibt es Gemischtes. „Stricken für Hunde“ kommt von denen mit dem Mops, der immer hoch getragen wird. Das weiß ich natürlich nicht genau…aber mein Lieblingsnachbar sieht das auch so, kann ja dann so falsch nicht sein. Auch wir haben auf diese Weise schon Platz im überfüllten Bücherregal geschaffen. Kinderbücher sind von uns gekommen.

Rätsel gibt uns in den letzten Woche eine Serie von Büchern auf.

Alles über Engel

„Engel sind anders“- damit fing es an. Neben weiteren Büchern mit ähnlich aufklärerischem Inhalt sprang mir dies besonders ins Auge. Wer liest denn sowas? Soll ich das mal mitnehmen?  Vielleicht habe ich da eine Bildungslücke? Was, wenn ein Engel zu mir  kommt und ich erkenne ihn nicht? Gerade jetzt wäre er sehr hilfreich…
Egal, meine Wohnung braucht eher das Gegenteil von „mehr Zeug“ und ich lasse die Vernunft siegen.

Ich lass das Büchlein stehen…am Abend kommt Lieblingsnachbar auf einen Plausch und gesteht, dass auch er das Buch beinahe mit genommen hat. Wir mutmaßen ein wenig über den vorigen Besitzer der nachbarlichen Spenden…das  Esoterik-Zeug spricht für die Physiotherapie-Leute, die machen neben handfester Turnerei auch Spökenkiekerei.
Da Lieblingsnachbar da aber schon geholfen wurde, will er das nicht so ganz glauben. Immerhin waren auch einige science-fiction dabei und  was mit Tieren. Vielleicht stehen ja die Mops-Nachbarn auf Engel und Co?

Humbuk

Dabei blieb es dann aber nicht. In der nächsten Runde wurden eher Sachbücher präsentiert. Auch her wieder eines, das mich sofort ansprang: „Schicksal als Chance“.

Erster Gedanke: so` n Scheiß.
Ich nehme  natürlich das Buch zur Hand und erfahre auf dem Klappentext, dass der Autor es in grandioser Weise schafft, mit nur diesem Buch auch dem dümmsten Ungläubigen die Augen zu öffnen: die naturwissenschaftlicher Sicht auf die Welt ist falsch und reduziert, die Esoterik bietet das Urwissen zur Vollkommenheit der Menschheit. Die eine Weltsicht ist übrigens senkrecht und die andere waagerecht…aber welche was war ist mir schon entfallen, sorry.

Zweiter Gedanke: das ist zynisch. Sonst nix.

Weit verbreitet

Ich humple in den dritten Stock hoch. Meine Finger wollen den Schlüssel nicht umfassen und die Muskeln streiken beim Druck auf den Schlüssel im Schloss. Drehbewegungen mit Kraftaufwand sind ganz fies. Die Rezeptoren für Schmerz funktionieren einwandfrei.

Mir wird schlagartig alles klar: dieses miese Rheuma habe ich, weil immer so durch das Leben gerast bin, ich sicher zu oft meine Grenzen missachtet habe, um mir  gesellschaftlich verschlossene Türen aufzustoßen-  und nun habe ich die großartige Chance, das zu ändern!

Ich kenne das schon: mein Kind mit neurologischer Sonderformatierung sei für mich ein Segen, bestimmt ein Indigo-Kind, und ich hätte als Mutter die Chance, dieses Kind, das schon jetzt über ein höheres Bewusstsein als wir Normalsterblichen verfügt, zu begleiten. Ich sei auserwählt. WOW. Für nur 60 € die Stunde könne ich mich dabei unterstützen lassen.

ADHS ist bestimmt auch ein Geschenk des Himmels…äh…wofür war dass noch  mal gut?

In nur 1 Jahr habe ich drei meiner liebsten Menschen verloren, was für eine einmalige Chance !

Seitdem ich mit dem Rheuma unbeweglich bin und damit sichtbar eingeschränkt, habe ich so viele „absolut wirksame“ alternative Tipps bekommen, um es  zu heilen, dass ich Insolvenz anmelden müsste, hätte ich sie alle befolgt. Da war die Rede von einem besonderem teurem afrikanischen Weihrauch (die Dosis wird dann ausgependelt), Vitamine, Ernährung ohne Zucker mit Fleisch, ohne Fleisch mit Zucker usw. bis zu Seelentanz , Chakren Töne singen und was weiß ich noch alles.

Es erstaunt mich sehr, wie viele Menschen das auch schon mal hatten und es ganz einfach wieder los geworden sind. Und ich verstehe gar nicht, warum die so beleidigt geguckt haben, wenn ich freundlich ( jawohl!) gesagt habe: davon halte ich nix, ich gehe zum Facharzt.

The winner is….

Auch von schulmedizinisch orientieren Ärzten und Therapeuten wird gelegentlich die Frage aufgeworfen, worin der Krankheitsgewinn bestehe.
Im Grunde ist das nichts anderes als was die Esoterik (und Religion) macht: wenn man das Übel schon nicht ändern kann, dann soll es wenigstens einen Hauch von Sinn bekommen, etwas glänzen, vielleicht sogar trösten.

Mein momentaner „Gewinn“ besteht darin, dass ich jetzt gerade hier vom gemütlichen  Bett aus diesen Blogpost verzapfen kann, anstatt mich durch den Fucking-Monday-Arbeitstag zu kämpfen. Ich kann meinen Haushalt nicht machen, was bekanntermaßen nicht meine Lieblingsbeschäftigung ist. Ich kann mich nicht beeilen, nicht 3 Projekte gleichzeitig  bedienen. Ich habe eine Rechtfertigung, um mal „Nein“ zu sagen. Das ist schon cool, so isoliert betrachtet. Echt.
Hätte ich eine Schar liebevoll-besorgter Menschen um mich, könnte ich sogar noch die eine oder andere Annehmlichkeit für mich organisieren.
Na ja, man kann nicht alles haben.

Auf diese Art von Gewinn kann ich gut verzichten.
Wie jeder andere Kranke, Behinderte oder durch schlimme Ereignisse getroffene auch.
All das  kann man auch ohne „Schicksalsschlag“ lernen.
Ich will gar nicht abstreiten, dass auch mir so manche Erkenntnis durch persönliches Leid leichter fällt. So z.B. neulich im Bus: ich konnte diese doofe Stopp-Taste nicht richtig runter drücken – niemals habe ich zuvor daran gedacht, dass diese Dinger eine Barriere sein können. Klar verstehe ich jetzt besser,  wie vielfältig die Barrieren in der Alltagsmobilität sein können, einige unsichtbare kenne ich ja schon durch Teenie. Aber wäre das nicht auch möglich, wenn dieses Thema allgemein mehr in unserem Bewusstsein verankert wäre?

Darf ich vorstellen – Rheumi

Obwohl der Zufall- den es ja gar nicht gibt – mir in den letzten Wochen viele Brücken zu einem vollkommeneren Umgang mit mir gegeben hat, habe ich mich entschlossen, meine Seele dem Teufel, der Pharmaindustrie, zu verkaufen.
Ich bin jetzt die „Labor Ratte Rheumi“ und bekomme ein Biologica, sehr teuer und als Wirkstoff in Deutschland bisher nur nach nicht wirksamer Therapie mit den herkömmlichen Rheuma-Mitteln erhältlich.
Schon nach nur 1 Woche geht es mir deutlich besser.
Für meine Entscheidungsfindung zur Teilnahme an der Studie habe ich meine biochemischen Kenntnisse aufgefrischt und  verstehe mehr und mehr was mein Körper da so treibt. Beraten hat mich ein Verwandter, ein in der Pharmaindustrie tätiger Professor.

Klar, ich hätte auch (nur) in mich hineinfühlen, mir die Karten legen oder die Antwort  auspendeln lassen können.

Aber dann gäbe es wohl Rheumi nicht und könnte hier nicht von den wundersamen Dingen, die in unserem Gesundheitswesen geschehen, erzählen. Einiges hat sie nämlich schon erlebt und versprochen, ab und an mal einen Gastbeitrag hier zu posten.

Gleichgewicht

Mir fällt gerade ein, dass hier noch einige Politschinken rumstehen…die guten behalte ich natürlich zum Nachlesen und  in der Hoffnung , dass Teenie da mal rein schaut. Aber einige können weg.

Die stell ich für die Nachbarn hin und zur Verwirrung  packe ich die vielen ungenutzten Kochbücher noch dazu.
Schade, dass ich keinen Engel habe, der mit den schweren Büchern nach unten schwebt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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adventsdogmatisch

Ich bin adventsdogmatisch.
Sagt meine Freundin.
Dabei gibt einfach Dinge, die müssen so sein und nicht anders.
Und Dinge, die gehen gar nicht.
Zumindest nicht für mich.
Advent – eine Zeit des timings. Wer mitmacht, muss sich dran halten. Finde ich.

In diesem Jahr tue ich mich schwer mit Adventsgedöns. Teenie legt keinen gesteigerten Wert mehr drauf. In Prä-Teenie-Zeiten habe ich nichts Besonderes gemacht, außer mich über das verrückte Treiben anderer zu wundern und ein wenig abgelästert habe ich auch, ich gestehe.

Nun habe mich aber irgendwie dran gewöhnt.
An das Plätzchen backen, den Kranz, Adventskalender, Lichter.
Ist doch schön, wenn´s draußen ungemütlich ist.

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Die Entscheidung steht: ich mach´s

Dann aber richtig.
Vorgestern dank meines Weitblickes schon mal den Kranz erstanden. Kerzen dazu.  Alles andere besitze ich bereits –  so´ne Art immer währende Adventskalender- Deko.
Aufgrund diverser sonstiger Einkäufe – das Wochenende naht- leicht gestresst und ganz und gar nicht im Blick, dass ich nicht mit dem Rad unterwegs bin und nur 2 Hände habe.
Zu Hause ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich die Zeit verdödelt habe. Dachte, es sei Spätnachmittag….na gut, der Rest wird morgen erledigt.

Reiz-Alarm

In meinem Viertel ist es nie wirklich ruhig. Aber zur Adventszeit wird noch mal aufgedreht. Will ich den Weihnachtsmarkt der einen großen Einkaufsstraße meiden, lande ich auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Einkaufszentrum. Überhaupt, werden das eigentlich jährlich mehr Weihnachtsmärkte, beginnen früher und bleiben länger?

Auch Menschen mit ganz durchschnittlich eingestellten Reizfiltern klagen bekanntlich nach einer Weile über den Trubel. Ich  werde den Verdacht nicht los, dass dieses remmi-demmi  allenfalls die für mich und meinesgleichen ganzjährig gewöhnliche Reizflut beim Wochenendeinkauf, im Kaufhaus, Straßenfest usw. ist.

Mich macht der Weihnachtszirkus kirre. Überall glitzer-flitzer, Geräusche, Düfte, Menschen…ich bin ja schon froh, wenn ich zu normalen Zeiten  im Supermarkt unter vielen anderen auch die  Regale heimsuche, in dem die Dinge von der Einkaufsliste stehen.  Aber jetzt herrscht für mich purer Reiz-Alarm: erst über´n Weihnachtsmarkt drängeln, dabei von netten Lockvögeln mit Super-Rabatt-Verheißungen des Laden X und Y angesprochen werden – na ja, schauen kann ich ja mal – dann nach gefühlten Stunden endlich auch die Einkäufe, die erforderlich sind, erledigen.

Wenn schon, denn schon

Ab nach Hause, wieder viel zu spät. Noch immer nichts richtiges gegessen…aber morgen ist schon 1. Advent. Also noch schnell auf den Dachboden, Deko aussuchen, runterschleppen, Kaffee aufsetzen, rumliegenden Krimkrams unsichtbar machen, Adventskranz dekorieren, Kerzen drauf, gerade richten, Lichterkette anbamseln, mit dem Hintern den DVD- Turm  umstoßen, genau auf den Adventskranz, dann selbst noch mal gegen kommen, Adventskranz landet auf dem Boden, Kerzen kullern durchs Zimmer.

Und was ist das? Die Dinger haben keinen Docht?
Oh doch, nur die sind noch aufgespiesst auf dem Kranz.
Fu** !

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Es folgt Gefluche und Kerzen-Reparier-Gefummele. Nur eine Kerze bleibt auf der Strecke, immerhin.
Nun noch Teig für Weihnachtsplätzchen vorbereiten, gebacken wird morgen.
Geht nicht gibt´s nicht. Nicht in dieser Sache.
Stunden später ist auch das erledigt, so wie auch ich.
Der Advent kann kommen.
Die 1. Kerze wurde heute planmäßig ohne  Verspätung angezündet. Nur wenige Plätzchen sind etwas dunkel, uns ist nur ein ganz bisschen schlecht vom Naschen und der leicht klebrige Küchenfußboden  wartet gnädig auf spätere Reinigung.

So muss dass sein.

 


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Ätzventskalender !

Nun geht es wieder rasant auf Weihnachten zu.
Die Geschäfte gefüllt mit Deko-Artikeln, Schokoladigem und festlicher Kleidung.

In den letzen Jahren war es mir immer eine besondere Freunde, für meine Lieben Adventskalender zu fabrizieren. Dieses Wort trifft es besser als basteln. Denn die Omi schätzte besonders meine digitalen Kalender mit kleinen Video-Clips vom Weihnachtsmarkt, mit Hausmusik und Vorlesestündchen. Als Teenie noch Kiddie war, liebte sie vor allem die täglichen – am Abend zuvor- ausgesuchten Schokis nebst Schulfrust-Frust-Vertilgungs-Durchhalte-Du-schaffst-hdgdl-Kärtchen, made by Mama.

Ein mal habe ich mich hier ausgetobt. Sollte ich über eine Neuauflage nachdenken?

Vergangenes Jahr beglückte ich meine beiden Mädels mit Kosmetik, Selbstgebackenem, Socken und Co.

Die Omi ist ja nun nicht mehr da. Meine digitalen Ideen sind nicht mehr gefragt.

Mittlerweile ist auch die individuelle Gestaltung eines Adventskalenders eine besondere Herausforderung. Überall kann man Tüten, Jute-Säckchen, leere Päckchen und mehr erstehen. An Vorschlägen für den ultimativen Adventskalender mangelt es nicht. Nebst Herstellungs-Sets.
Da  bleibt nicht mehr viel Spielraum für das eigene ganz besondere Wunderwerk.

Aktuell leide ich unter Kreativitäts-Überschuss einerseits und Ideenlosigkeit andererseits.
Immer diese Widersprüchlichkeit, menno.

Und so streune ich durch die Vor-Adventswelt, zermartere mir das Gehirn, habe super Ideen, verwerfe sie wieder mangels Realisierbarkeit, schwöre ab von der Adventskalenderei und bin frustriert.

Adventskalender-Depression oder was?
Was rettet mich?
Ein Kalender mit selbst gemalten Bildern, aufgenommenen Gedichten, vorgesungenen Weihnachtsliedern, selbst gestricktem dütt un dat… muss doch was geben, mit dem ich meine Lieben – und mich – beglücken kann.

Bin ja mal gespannt, was noch entstehen wird.
So wie es aussieht, auf den letzten Drücker, was sonst 😉

Anregungen und Kommentare wie immer gerne gesehen und ohne Registrierung möglich 


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Aus Zeit

Bislang habe ich es noch gar nicht so gemerkt, dass eine Auszeit aus Zeit besteht. Diverse Bürokratie, Termine usw. ließen eher das Gefühl eines privat-Jobs aufkommen. Aber nun. Jetzt geht es los.

Teenie macht es mir schon seit Tagen vor.  Geplagt von der Hitze macht sie genau : nichts.

Irgendwie kann ich das nicht, was mich zu der Bemerkung verleitete, dass mir die Hitze nicht sooooo sehr zusetze. Damit wollte ich natürlich sagen : beweg deinen Hintern, räum mal deinen Kram weg, stell dich nicht so an und troll dich von meinem Sofa. Aber das mit den Anspielungen ist ja nicht so ihr Ding und so bekam ich lediglich die nicht gerade schmeichelhafte Antwort : du hast eben keine innere Wärme.  Vermutlich ohne Hintergedanken und wörtlich gemeint, denn während sie schon im Sonnentop rumläuft, ziehe ich noch immer 2 Schichten an, wenn ich raus gehe.

Alltagsprojekte

Ich könnte also meine innere Wärme suchen gehen. Ich kann mich erinnern, dass die in meinem prä- Muttertier- Leben sicht-und spürbarer war. Ich liebe es, Prozesse in Abschnitten , hier wohl eher Phasen, zu denken.

Phase 1: der Aufprall

Da bin ich in den letzten Wochen durch.

Phase 2: wat nu?

Erst mal rumlungern, verwildern, soweit meine familiären Verpflichtungen es zulassen. Langeweile aushalten.

Phase 3: Dinge tun, die mir Freude machen.

Aufräumen? Gehört eher nicht dazu, wär aber trotzdem ’ne gute Idee. Cello spielen, unbedingt. Die dicken Hitzefinger der letzten Tage sind ja wieder weg. Bluesharp, singen. Rad fahren. Lesen, vllt. auch mal wieder einen Roman. Laut Musik hören, und zwar fiese Teenie provo Stücke. Fotografieren. Balkonien genießen.

Phase 4:  ich bin ganz bei mir, relaxt, gut gelaunt und das Leben ist schön.

Noch Fragen?

PS: wie überhört man die Schreie der unerledigten Steuererklärung und des nach Wartung lechzenden Rechners?


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Eingeheizt

Musik.

Berührt uns auf unterschiedliche Weise. Die einen halten sich für unmusikalisch und nehmen eher passiv teil . Andere trällern ab und an ein Liedchen im Privaten, erlernen ein Instrument für den Hausgebrauch oder sind die absoluten Freaks in Sachen “ wer spielt(e) wo mit wem und was “ mit entsprechender Platten/ CD-Sammlung.

Einen Schritt weiter, und man findet sich beim gemeinsamen Musizieren. Privat in der Familie, nicht mehr ganz so heimelig im Chor, Band oder kleinem Orchester . Da kommt dann neben der musikalischen auch die soziale Komponente hinzu.  Für mich fängt da der Spass erst richtig an. Es ist ein völlig anderes aufeinander eingehen, als es mit Sprache möglich ist.Hier finden Gefühle ihren Weg in den Ausdruck, den wir uns sonst nicht gestatten oder die nicht in unsere Alltags-Rollen passen.
Das Topping aber ist für mich der öffentliche Auftritt.
Der Kontakt zum Publikum – eine weitere Dimension. Dafür muss man nicht Berufsmusiker_in sein.
Ein Programm gestalten, es einüben, sich Gedanken über die Performance machen… das alles hat etwas von inspirierender Reiseplanung.

Bei den letzten Proben, hier Chor mit Band und Solokünstlerin, die sich alle getrennt auf das Event vorbereiten, ist schon etwas von der Bühnenluft zu schnuppern: ein Stimmungsgemisch von Kreativität, gegenseitiger Wertschätzung, Anspannung und viel Freude am Erschaffen einer gemeinsamen Klangwelt.
Ein Bad in dieser Atmosphäre und der Alltagsstress ist wie weg gepustet.

Showtime….

Gestern dann das Konzert. Was das Publikum nicht sah: unser Tag begann weit vor der Veranstaltung. Verschieden Teile unseres Chor+ Band – Projektes fügten sich peu à peu über den ganzen Tag zusammen und ich gehörte zu den Glücklichen, die bei allen Teilen dabei war. Die Pause im kühlen Einkaufszentrum am Nachmittag war dann mehr als verdient und nötig.
Trotz tropischer Temperaturen klappte am Veranstaltungsort alles, Backstage machten wir uns pseudo – frisch. Aber 2 Minuten Soundcheck im Bühnenlicht dicht an den Verstärkern reichten aus, um nahezu den Zustand von vorher wieder her zu stellen.

So in jeder Hinsicht „gut geölt“ haben wir Alles gegeben.

Yeah!


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Nachdenktage

Trio im Train

Wie sehr ich mich auch um Entschleunigung im Alltag bemühe, die Zeit verging in den letzten Monaten mindestens so schnell wie die Landschaft an mir gerade vorbei rast.
Noch gar nicht lange ist es her, da fuhr ich diese Strecke mit Teenie – Richtung Meer, Richtung Weihnachten.
Wir gönnen wir uns noch einmal ein paar freie Tage Ruhe mit Pferd und Meer. Mit dabei dieses Mal die kluge junge Frau, die viel zu früh ihre Mutter verloren hat und nun mit mir vorlieb nehmen muss.
Ich erinnere mich an sie als kleines Mädchen. So neugierig, so offen, wo Erwachsene rumdrucksten…..ich glaube, sie hat damals den Gedanken, dass es schön und nicht nur nervig sein könne mit Kindern zu leben, in mir entstehen lassen.
Sie und Teenie, schon äußerlich sehr verschieden. Die Eine im üblichen Sinne immer erfolgreich, die Andere weniger, sind sich dennoch in Vielem ähnlicher als man erwarten würde.
Ich bin gespannt, wie unser kleines Urlaubs-Trio miteinander klarkommen wird.
Teenie, gestern noch in großer Sorge um ihre berufliche Zukunft und voller Tränen ob der Steine, die sie schon zur Seite räumen musste – wird sie wieder Zuversicht tanken?
Die Große, im Karrieresprung, der kaum Zeit zum Verarbeiten des Verlustes lässt. Wird sie ihre Seele baumeln lassen können?
Die Kleine lehnt sich gerade an die Große an und es scheint beiden gut zu tun.
Mir auch.
Angesichts all der Verluste des letzten Jahres, der Trauer und der zermürben Auseinandersetzung um Unterstützung für Teenie scheint doch etwas heil geblieben zu sein.
Ich spüre, wie auch ich mich innerlich zurück lehne.

Ein Menschenleben

Ist doch alles schon lange her. Der Krieg und so. Muss auch mal gut sein damit.
Wann immer jemand auf die deutsche Vergangenheit hinweist, bekommt er Sätze wie diese zu hören. Aus der Vergangenheit lernen? Aus der Vergangenheit anderer womöglich noch?
Wir leben im Frieden. Werden weder beschossen, müssen unser Leben nicht verteidigen und haben keinen Grund zur Flucht.
Was also soll das Gerede von früher?
Und dann gehe ich in diesem idyllischen Waldstück spazieren.
Neben dem Fußweg der alte Schützengraben.
Auffällig viele Splitterschutzzellen, auch Einmannbunker genannt.
Sie sind noch nicht verrottet.
Es braucht nicht viel Phantasie um sich vorzustellen, wie sich hier 1 oder 2 Menschen Schutz suchen.
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Eine Gedenktafel weist auf das nahegelegene Gemeinschaftslager hin.
Infrastruktur für die meist männlichen Facharbeiter und Wissenschaftler, inklusive Bordell ( weibliche KZ- Häftlinge arischer Herkunft, sogen. „Asoziale “ -Zwangsprostitution für die Hebung der Arbeitsmoral…. ).
Rüstungsproduktion, verrichtet überwiegend von Zwangsarbeitern. 
Bis ein Luftangriff dem Treiben 1943 ein Ende bereitete, das Lager zerstörte und damit  der Produktionsstandort aufgegeben wurde.
In dieser Woche werde ich Nachrichten-Abstinent leben. Weiß ich doch auch so, wie trügerisch die Wahrnehmung unseres friedlichen Lebens ist.
Unsere Waffen, unsere Soldaten sind in kaum einem Krieg mehr wegzudenken.
Es ist gut, dass die Relikte aus dem letzten in D stattgefundenen Krieg noch herum liegen.
Das macht ihn echt.
Hier gab es Angst und Tod und Leid.
Ist doch gerade mal ein Menschenleben her.
Unheimlicher, wissender Wald.
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Wankel-Mut

Selten wurde mir in der letzten Zeit vor Augen geführt, wie unterschiedlich unsere Erlebenswelten sind.
Das Leben mit meinem Teenie ist langsam getaktet.
Unser Flow des Alltags dauert meist nur einige Stunden an. Dann ein Break, ein Zwischenfall, der Teenie aus dem Takt bringt und einige Zeit, um wieder rein zu kommen.
Ich fürchte, meine Große ist dadurch genervt, aber nein. Es erleichtert auch mal, nicht nur im Hochleistungsreservat Uni zu leben.
Nur manchmal denke ich : Exklusion hat doch was- da sieht man nicht dauernd, was nicht geht.
Teenie aber empfindet das nicht so.
Mit meinem Hang zum ‚ über-den-Tellerrand-schauen ‚ wäre ich im exklusiven Glashaus‘ sowieso nicht gut aufgehoben, auch wenn es mir diese Tage ab und an so scheint.
Ausgesprochen inklusiv ist unsere Zeit mit den Pferden.
Den Tieren ist es piep egal, ob wir studiert oder nicht, jung oder alt sind.
Und es ist überhaupt nicht schwer, mit unseren unterschiedlichen Fähigkeiten gemeinsame Stunden auf dem Pferderücken zu verbringen.
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Mehr davon, bitte.
Ich freue mich über Feedback. Wie immer ohne Registrierung möglich.