leidenschaftlichwidersynnig

0815 geht gar nicht….oder einfache Lösungen für alle sind mir suspekt


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50 ways to be satisfied

Der Hamburger Flughafen war am Wochenende gesperrt. Nichts ging mehr, tausende Fluggäste mussten zwischenübernachten, warten, auf Klappbetten in einer Halle schlafen. Die Medien überschlugen sich mit Berichten über Fluggastrechte. Experten gaben ihr Wissen darüber, wie es zu dem generellen Stromausfall kommen konnte zum Besten und der Flughafenbetreiber gelobte Besserung.

Im Focus aller Berichte: ausschließlich das Schreckensszenario, was ist, wenn nicht alles 100%ig funktioniert, der Zeitplan nicht eingehalten wird, Unannehmlichkeiten entstehen und man umdisponieren muss. Dass so etwas, das nicht sein darf in unserer durchorganisierten Lebenswelt, doch passiert.
Und wir entsprechend – nämlich kaum – darauf vorbereitet sind.
Ja, die betroffenen Reisenden hatten jede Menge Stress und Reisende mit Special needs noch mehr.

Gäbe es genug Rückzugsräume im Flughafen für z.B. sehr reizempfindliche, behinderte oder alte Menschen, so wäre zumindest diesen schon einmal etwas geholfen. Es mangelt auch an geschulten Servicekräften für diesen Personenkreis um mit Unterstützung bei der Bewältigung dieser außergewöhnlichen Situation zur Seite zu stehen.

Das Beste draus machen

Kein  kritischer Blick der Berichterstattung auf unser streng durch getaktetes Leben. Auf unseren durch organisierten Alltag, der nur den Blick auf die negativen Seiten eines solchen Erlebnisses  zu erlauben scheint.

Ich stelle mir vor, wie aus anfänglichem Ärger Gelassenheit gegenüber der Situation wird. Man mit Menschen ins Gespräch kommt, mit denen man sonst nie ein Gespräch geführt hätte. Sich erst Anekdoten über andere Beförderungs-Pannen erzählt und später dann bei Politik oder einem eher persönlichen Austausch landet. Vielleicht sogar von der einen oder anderen Sorge oder besonderen Freude erzählt oder hört.
Es kann nervig sein, mit belegten Brötchen und Dosengetränken die Zeit in einer unbequemen Flughafenhalle tot zu schlagen. Stressig, mit Kind und Kegel eine spontan-Übernachtung in einer ohnehin von Touristen überfüllten Stadt zu finden.
Oder etwas besonderes im Alltags-Trott.
Für den, der es schafft, das Beste aus dieser Situation zu machen, ist es vielleicht eines seiner eindringlichsten Urlaubserlebnisse, an das er sich noch Jahre später positiv erinnern wird.
Und alle, die dienstlich unterwegs waren, werden sehen, dass ihr Unternehmen nicht an ihrer Verspätung  zugrunde gegangen ist bzw. ihre Arbeit geduldig auf sie gewartet hat.

Szenenwechsel

Du weißt aber, dass du da eine langjährige Verpflichtung eingehst, oder?
Damit bist du dann aber nicht flexibel.
Musst du dir das auch noch antun?
Und was, wenn Twen später beruflich durchstartet?

Alles Bedenken und Ermahnungen, die sich auf unseren Familienzuwachs auf 4 Beinen beziehen. Ich zucke mit den Schultern und denke: steht „blöd“ auf meiner Stirn oder was?
Nur wer uns wirklich gut kennt, findet unsere Idee, eng zusammen mit einem tierischen Freund zu leben und dafür auch Zeit, Nerven, Geduld und Geld aufzubringen, gut. Die meisten Menschen haben nur den Blick auf die möglichen Einschränkungen unserer Funktionalität und Flexibilität im Alltag. Wie armselig.

Dabei könnte der Zeitpunkt, einen Fell-Peer für Twen aufzunehmen, nicht besser sein:
Twen wird der Zugang zur Arbeitswelt hartnäckig verweigert. Gleichzeitig weigert sie sich zu Recht, das never-come-back Ticket in das Behindertenghetto anzunehmen. Nach nun 14 Jahren Zwangsnormalisierung durch Schule und diverse Maßnahmen ist sie reif für eine längere Pause, in der sie Zeit hat, sich positiv zu definieren und sich persönlich weiter zu entwickeln, ohne jeden Tag ihr vermeintliches Unvermögen vorgehalten zu bekommen.
Ich hingegen bewege mich perspektivisch hinaus aus der Arbeitswelt. Innerlich schon länger; nun versuche ich peu à peu , mich dem Treiben der Hochleistungswelt auch zeitlich und räumlich zu entziehen und Alternativen dazu zu entwickeln. Die nächsten Jahre werden eine Zeit des Übergangs für Twen und mich sein. Die eine kommt, die andere geht.

Lebensqualität hat viele Gesichter

Schon jetzt ist deutlich, wie gut diese Entscheidung war.  Auszeiten musste Twen ja schon immer notgedrungen zwischen den Maßnahmen hinnehmen. Aber die waren selten erholsam, denn am Ende der Pause lauerte meist ein noch unpassenderes Angebot der Bundesagentur für Arbeit.
Nun lauert: erst mal nichts.
Und das ist vorerst gut.

Twen, seit 2 Wochen -von einigen Tagen abgesehen- quasi alleinerziehende Welpen-Mama, kann nun endlich ihrem Spezialinteresse an Hundehaltung, -Training und Hundeverhalten auch praktisch nachgehen. Darauf hat sie über 10 Jahre gewartet. Einfach ist das nicht. Sich den ganzen Tag und auch zum Teil nachts auf ein anderes Wesen einstellen. Eines, das eigene Bedürfnisse und Regeln mitbringt und sie zwingt, ihre eigenen Routinen und Vorlieben anzupassen. Wege zu finden, damit dennoch alles klappt. Gleichzeitig gut für das Tier und für sich zu sorgen. Das ganz alleine schaffen.
Es strengt sie auf wohltuende Weise an, weil es nicht nur Energie nimmt, sondern auch spendet. Sie Bestätigung dadurch erhält, dass das kleine Wesen ihr vertraut.

Ich habe mich schon lange nicht mehr so bekräftigt gefühlt in einer Entscheidung.
Zu  lange schon habe ich ihr glückliches und zufriedenes Lächeln vermisst. War dazu verdonnert, zuzuschauen,  wie sie immer kleiner gemacht wurde. Ihr nichts zugetraut wurde. Sie sich selbst immer weniger zugetraut hat. Da immer wieder gegen zu halten wurde ( auch für mich ) immer schwerer.

Allein in den letzten Wochen, seit sie keinen Kontakt zu Sozialklempnern, Pädagogen oder Therapeuten hat, ist sie aufgeblüht. Ein anderes Wort dafür fällt mir nicht ein. Zeit für sich, kein Anpassungsdruck und der Ausblick auf den tierischen Freund haben ein kleines Wunder bewirkt. Sie ist mit so vielen Menschen positiv in Kontakt gekommen, wie nie zuvor. Erstaunlich, dass das auch auf mich ausstrahlt? Sicher nicht.

Ich bin glücklich, Twen das ermöglichen zu können.
Ihre neue Aufgabe steht im Gegensatz zu den verordneten Maßnahmen der BA,  zu diesem „besser als nichts“. An diesem Herzensprojekt wird sie wachsen (und nicht zerbrechen wie durch die Maßnahmen zuvor). Für sich selbst hat sie es geschafft, von den Vergleichen mit anderen jungen Erwachsenen ein Stück weg zu kommen. Diese machen z.B. work and Travel in Neuseeland. Sie nimmt eben eine Hunde-Erziehungszeit. Ein gutes Zeichen der Selbstakzeptanz. Endlich fragt sie sich wieder selbst, wohin ihr Lebensweg gehen soll und folgt nicht einem aufgedrängten Ziel und Erwartungen Dritter.

Mich macht es froh zu sehen, wie ihr Potenzial wieder zum Vorschein kommt.
Wer weiß, auf welche Weise sie es einmal nutzen wird. Denn dass sie das tun wird, davon bin ich überzeugt. Möge sie sich ein wenig innere Distanz zum oben beschriebenen Leistungswahn bewahren.

Ist das etwa verrückt oder unverantwortlich?

Mir egal, ich schau jetzt Welpen-TV 🙂

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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East Pampa Blues

Oh Mann.

Ich bin mir noch immer nicht sicher, welcher Ausblick aus dem nächstgelegenen Fenster schauriger ist: der heute morgen nach dem Aufwachen mit Submarine-Ambiente oder der aktuelle auf die visuelle Zeitreise in den Osten unseres Landes, als er sein grau-in-grau Outfit noch selbst ausgesucht hat.

Immerhin entfliehen wir Dauerregen und Sturm, hin in die sonnenreichste Gegend Deutschlands – aktuell leider nur theoretisch.
Nieselregen, überflutete Felder, auf denen der Himmel sich abgelegt zu haben scheint, gepaart mit verlassenen Landstrichen, verfallenden Häusern und Schuppen.
Ist denn hier die westliche Glitzerwelt noch immer nicht zu Hause?
Nun, das wäre zu verschmerzen.
Dennoch: so richtig anheimelnd finde ich den Ausblick nicht.

Letztes Jahr war mehr wie Weihnachten

Teenie bemerkt zwischen zwei Reise-Nickerchen das Fehlen von Werbung und Weihnachtsbeleuchtung jeder Art.

Bevor Bilder meiner Wohnzimmercoach Gestalt in meinem Hirn annehmen können, tauche ich die hiesige Landschaft gedanklich in einen großen Sonnenfilter : ja, das ist bestimmt schön hier.
Weite Felder, Rehe, ab und an eine Allee, ein Wäldchen, kaum Menschen, wenig Lärm.

Wie viele von uns machen Urlaub in fernen Ländern, in denen der Lebensstandard deutlich unter dem Unseren liegt?
Die eher armseligen Häuser dort finden wir  romantisch, stilvoll, landestypisch oder was auch immer, auf jeden Fall nicht frustrierend. Die Sonne allein bestimmt dieses Denken sicher nicht.
Die Verlassenheit manch an mir gerade vorbei fliehenden Häuser hat etwas Lebendiges, das der akkuraten Besiedlung städtischer Randgebiete im Westen abgeht. Aber das sehen wohl viele Menschen nicht.

Sich alles zu leisten, ob tip-top-Häuschen, shopping wann immer man will oder kollektiv (vor)weihnachtliche Energievergeudungsorgien ist auch so‘ ne Sache, bedenkt man die Konsequenzen daraus.

Die graue Abgeschiedenheit in die wir reisen hat was.
Ablenkung in Form einiger neuer Blues- Openings nebst Technikverbesserung entfällt leider wegen Zerstreutheit beim Packen. Will heißen, die Blues Harp ist mit der Tasche, die in letzter Sekunde umgepackt wurde daheim geblieben, zur Freude meines Ablegers.

Nun werde ich es einfach ohne Hilfsmittel einer Freundin gleich zu tun und mich Voltaire’s Worten anschließen:

‚Da es sehr förderlich für die Gesundheit ist, habe ich mich entschieden glücklich zu sein‘

Whatever, today no Pampa Blues.

Ich wünsche euch schöne Festtage, nicht nur äußerlich.
LW

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Kleines Schwarzes

Verzettle dich nicht!

Der mir wohl meist gegebene Rat von Eltern, Lehrern, Kollegen und Freunden.
Dabei haben die Ratgeber meist keine Ahnung, dass Mehrgleisigkeit meine Art ist, auf der Spur zu bleiben.
Hört sich wirr an?

Mittlerweile weiß so gut wie jeder, dass es unterschiedliche Lerntypen gibt.
Dabei wird auf die Art der Aufnahme des neuen Lernstoffes abgestellt: visuell, auditiv, kommunikativ und haptisch-motorisch.
Dieses Konstrukt ist nicht unumstritten und sicherlich hat jeder seine Vorliebe für die eine oder andere Lernart.

Was aber, wenn es beim Erwerb einer Fertigkeit/Fähigkeit eher darauf ankommt, dass verschiedene Sinne  in unterschiedlicher Weise aktiviert werden?

Ich mach es mal am Beispiel Musik fest:
Musik machen macht mir Spass. Hören auch.
Mich auf nur ein Instrument festzulegen, finde ich ermüdend, anstrengend und es entspricht nicht meinem Ziel: eine bestimmte Art Musik praktizieren zu können, in verschiedenen Facetten.
Ich erinnere einen Musik-Abi-Kurs, in dem es um politische Lieder ging. Nie habe ich besser ( und schneller) Geschichte gelernt als in diesem Kurs.
Selbstverständlich haben wir Texte verfasst, diese vertont und gemeinsam gespielt/ gesungen.
Nein, Meister der Poesie oder eines Instrumentes wurden wir so nicht.
Aber es hat mich gelehrt, mich nicht gegen meine Lernlust auf verschiedene Zugänge aufzubäumen.

Ich gehe gerne mehrere Wege gleichzeitig.
Das macht aus mir keinen Virtuosen auf irgend einem Instrument.
Aber ich weiß, wie sich Blues, Pop oder Klassik stimmlich und instrumentell anfühlen, je nachdem, wie und womit ich mich dem Stück nähere.
Zwei unterschiedliche Chöre, Cello, Gitarre, Blues-Harp – für mich eine runde Sache.
So verschaffe ich mir verschieden Perspektiven.
Ab und an Musiktheorie.
Oder Bücher wie z.B. Der einarmige Pianist von Oliver Sacks, in dem anschaulich erklärt wird, was in unserem Gehirn so abgeht, wenn wir musizieren, Musik hören oder uns einfach nur vorstellen.
Etwas aufwendig, das gebe ich zu.
Leider nicht zu ändern. Ich muss mir nur meine jungen Cello-Lehrerinnen anschauen: die scheinen in einem Kammerorchester aufgewachsen zu sein….abgeschieden von der musikalischen Außenwelt.
Oder nimm Gitarreunterricht bei einem Bluesspieler : nicht selten kann er das richtig gut, aber frag mal, ob er dir bei dem einen kleinen Menuett von Bach mal einen Tip geben kann.

Um nicht falsch verstanden zu werden: ich finde es richtig toll, wenn jemand sein Instrument ( oder eine andere Sache) richtig gut beherrscht.

ADHSler z.B. sollen General-Diletanten sein … ja, das mag stimmen.
Aber das muss nicht unbedingt etwas Negatives sein.
Vielseitigkeit und assoziatives Denken topt in vielen Lebenssituationen
„Fachidiotie“.
Selbst wenn man kein ‚As‘ auf nur einem Fachgebiet ist, kann man sehr wohl führend darin sein, Zusammenhänge zu erkennen, knifflige Situationen zu bewältigen oder kreativ an Aufgaben heran zu gehen.
Wär schön, Lehrer und Chefs würden das mal kapieren. Viel Energie, die jetzt in Schule und am Arbeitsplatz für Frust drauf geht, könnte positiv genutzt werden.
Letztlich hat mir z.B. mein verzettelter Lebenslauf durchaus Erfolge gebracht, die eher zielorientierten, auf eine Sache fokussierten Menschen zugeschrieben werden. Da bin ich bestimmt nicht die Einzige.
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Mein neuer Chor tritt in Schwarz auf.
Der nächste Auftritt ist in 6 Wochen.
Ich kann genau 1 Lied.
Meine Gedanken jedoch kreisen um mein Outfit.
Wo kriege ich ein schönes kleines Schwarzes her, in dem ich nicht albern aussehe, gut atmen kann, das sich gut tragen lässt und bezahlbar ist?

Was das Erlernen des Repertoires angeht, verlasse ich mich auf mein gutes musikalisches Fundament. Ist ja noch lange hin.
Und wenn’s sein muss, lege ich ’ne Nachtschicht ein, damit auch die Texte stimmen.

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Schattenspiel

»Ach,« sagte der gelehrte Mann, »ich schreibe über das Wahre und das Gute und das Schöne; aber kein Mensch macht sich etwas daraus, dergleichen zu hören. Ich bin ganz verzweifelt, denn ich nehme es mir so zu Herzen.«

»Das tue ich nie,« sagte der Schatten, »ich werde fett, und danach soll man trachten! Ja, Sie verstehen sich nicht auf die Welt, und Sie werden dabei krank.

Aus: Der Schatten von Christian Andersen

Gemessen an meinen Einkünften leiste ich mir/ uns ein nicht unbedeutendes Kulturbudget. Was allerdings nicht bedeutet, dass davon allzu viel für Kultur- Konsum übrig wäre. Aber dann und wann gönne ich mir ( und den Künstlern) dann doch mal ein Ticket, meinst spontan. So auch dieses Mal.

Chilly Gonzales mit seinem neuen Stück “ The Schadow “ spielt am Folgetag und mein Glück beschert mir einen einzelnen Restplatz mit guter Sicht. Ich hatte es bislang immer verpast, ihn life zu erleben und bin hoch erfreut über meinen Fang.

Die düsteren Märchen des dänischen Dichters Christian Andersen haben es mir schon immer angetan. Sie fangen nicht mit ‚ es war einmal ‚ an und sind in ihrer Sprache und Inhalt, verglichen mit den Märchen der Grimm- Brüder eher kompliziert. Als Kind habe ich oft nur ‚ Bahnhof‘ verstanden…..aber allein die Erzählweise reichte aus, um mich zu fesseln.

So ist es nicht verwunderlich, dass ich mir das Andersen- Märchenbuch unter den Nagel gerissen habe, als ich einst von zu Hause auszog.

Erst am Nachmittag vor der Aufführung schaffe ich es, mich durch die Süterli- bedruckten Seiten des alten Buches zu quälen. Was für eine schöne Konzert- Vorbereitung.

Im Märchen geht es um einen gelehrten Mann, der sich von seinem Schatten trennt, damit dieser Einblick in Welten bekommen kann, die ihm selbst verborgen bleiben. Der Schatten wird zum Menschen und im Verlauf der Geschichte wird der Gelehrte zum Schatten seines Mensch geworden Schattens. Er wird von seinem eigenen Schatten beherrscht und das nimmt kein gutes Ende.

Nachzulesen hier.

Die Show selber hat mir gefallen. Die Musik passte zur literarischen Vorlage und wurde sehr sparsam eingesetzt. Von Gonzales ist man eher Action gewohnt, aber diese blieb diesmal – zum Glück – aus. Es gab Schattenbilder und stummes Theater mit Kostümen aus Andersen‘ s Zeit. Unspektakulär. Auf Effektheischerei wurde verzichtet.

Mir gefällt das Stück. Die Musik passt. Selbst nach einigen Tagen sinniere ich noch über die Bedeutung des Märchens, die Art der Umsetzung auf der Bühne und die Erwartung an einen Künstler, selbst wenn er ein für ihn neues Genre bedient, dennoch wie immer sein zu müssen.

Die Kritiken könnten unterschiedlicher nicht sein : hier und hier

Und das sagt der Meister himself über sich :

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Fucking Day

An manchen Tagen passt einfach eines perfekt zum Anderen.

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Orte, an denen niemand gerne ist.
image Situationen aus einem falschen Film.

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Sich hinein begeben in ein Puzzle, dessen Teile nicht zusammen passen und die doch ein Ganzes ergeben.

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Zwischendurch: kleine Blicke in die andere Welt.

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Balsam für diesen rauhen Tag.

Und überhaupt sieht die Welt einige Tage später schon wieder ganz anders aus….

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Ungelogen….

… DAS ist mir seit meiner Kindheit noch nie passiert.

Dem alljährlichen Pfingstausflug begegnete ich immer mit gemischten Gefühlen.

In unserer Familie gab es nicht nur 1 Scout, sondern mindestens 2 , wenn nicht mehr ( kam auf unser Alter an) .
Keine Ahnung, wer die Touren festlegte.
Die Karte hatte auf jeden Fall Vaddern, aber das heißt noch gar nichts in einer weiberdominierten Sippe.
Aber so anständig waren wir schon, dass es nach außen genauso aussah, wie bei den anderen pfingstwandernden Familien: Wanderkarte und Knete präsentierte er.
Für die Verpflegung sorgte meine Oma und für die Finanzierung meine Mum.
Die freute sich immer auf “ alle mal zusammen“ .

Als gesitteter Haufen zogen wir meist bestgelaunt los um im Laufe des Tages zu einer chaotischen Truppe zu mutieren. Geschwisterzank, Führungskonkurrenzen, Autonomiestreben versus Harmoniestreben. Es war alles dabei.

Es folgten Jahre der Pfingstwanderungsverweigerung, dann der spontanen Treffen mit Gleichaltrigen, letztere ohne lästige Vorbereitung und uncooler Marschverpflegung.
Unterbrochen von verliebtheitsbedingtem lieber -zu-Hause-bleiben.
Sport-Pfingstlehrgänge und Motorrad-Touren.
Unbeschwert.

Wieder später: mit Kind und Kegel unterwegs.
Bus , Bahn und Fahrrad : die Moped-Zeit war Historie.
Noch später ohne Kegel.
Mein Organisationstalent und Orientierungssinn wurden ungebremst abgefordert.
Ich benutzte Brotdosen und andere neu angeschaffte entlarvende Utensilien.
Zum Glück gab’s schon Internet und der Aufwand der Planung hielt sich in Grenzen.
Wenn ich Glück hatte, konnte ich mich mit einer Freundin, deren Talent eher im Dosenbefüllen denn Touren-Planen lag, zusammentun und musste nur auf Weisung Nahrung zusammen tragen und vorbereiten.

Seit erst wenigen Jahren bin ich Pfingsten frei das zu tun, wonach mir ist.

Und just habe ich eine wunderschöne Tageswanderung hinter mir.
Die Ansage lautete: du brauchst dich um nichts kümmern.
2 Tage vorher per mail die konkrete Route zur Kenntnis, das Ziel war selbstverständlich abgestimmt.
1 Tag später Information über die in Aussicht gestellten Speisen.

Ich gestehe: es fiel mir nicht leicht, das hinzunehmen.
Musste ich nicht fairerweise auch etwas übernehmen?
Sicherheitshalber einen Plan B entwickeln und ergänzende Nahrung einpacken?
Noch einmal selbst die Karte ausdrucken?

Nö, musste ich nicht und ich könnte mir vorstellen, mich ein wenig an diese Art Luxus zu gewöhnen.

Und um das Glück perfekt zu machen, erwischte uns das Gewitter erst, als wir schon auf dem Heimweg waren.

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Zusammen kommen

Nachdem die schönen Altbauten eines traditionellen Arbeiterviertels meiner Heimatstadt Anfang der 70er Jahre platt saniert wurden, landete ich als Jugendliche samt Familie in einem noch fast unerschlossenen Hochhausgebiet am Ar*** der Welt.
Bezahlbaren Wohnraum, in dem eine Großfamilie erwünscht war, fanden wir in den beliebten Gegenden unserer Stadt nicht.
Für uns bedeutete das: sehr langer Schulweg, Schwierigkeiten, sich mit Schulfreunden zu treffen, keine Einkaufsmöglichkeiten und ja: Vorurteile, wenn man sagte wo man wohnt.
Aber auch: Natur, Zusammenhalt und Freundschaften, Schulwechsel und Umorientierung, Selbstbewusstsein.

Ein Elternteil konfrontierte uns später 1 mal mit der Frage , ob wir nicht doch in so ein hübsches Reihenhäuschen am Rande des Neubauviertels umziehen wollten und hatte auch schon was Feines ausgesucht….. unser Protest hätte nicht größer sein können.
Wir hatten ‚ unser ‚ neues Viertel gefunden und wollten dort bleiben, was sollten wir in so einem ‚ Spießerhäuschen‘ ?
Zum Glück hatten wir Eltern, die sich nicht als alleinige Bestimmer sahen.

Meine Mutter lebt noch immer dort.
Sie möchte nicht weg.
Dort sind ihre langjährigen Nachbarn und Freunde, oft Eltern unserer Freunde, es gibt eine Infrastruktur, die Anbindung an den Rest der Welt per U-Bahn, Vereine und Kultur.

Sie nimmt aktiv teil am kulturellen Geschehen des Viertels.
Hat viele neue Freunde dort gefunden, manche deutlich jünger und selbst jetzt, schwer erkrankt, wird sie von eben diesen rührend umsorgt.
Wer auch immer behauptet, in diesen Stadtvierteln gäbe es nur Anonymität, Kriminalität und Hoffnungslosigkeit hat, gelinde gesagt, keine Ahnung.

Da gibt es z.B. das Café Carré.
Ein Treffpunkt für Senior_innen.
Schachspiel, Tanz, Gymnastik, Musik, Literatur und mehr wird von überwiegend ehrenamtlich engagierten Menschen organisiert und durchgeführt.

Meiner Mum liegt das Literaturcafé am Herzen.
1 Mal im Monat wird ein deutscher Dichter vorgestellt.
Liebevoll werden Zitate des jeweiligen Dichters herausgesucht, auf Kärtchen zum Mitnehmen gedruckt, Texte gesichtet und ausgewählt.

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Ich war schon lange neugierig darauf , stellte mir aber im Prinzip so etwas wie eine Vorlesestunde von und für alte Leute vor.

Aktuell war Bertold Brecht angesagt.
Mit Skepsis ging ich hin, begeistert wieder weg.
Für 4 € Eintritt wurde ein wirklich schöner und anspruchsvoller Nachmittag geboten.

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Wein und Käse, absolut keine Altenheim-Atmosphäre.

Es wurde fundiert ein Überblick über Brechts Leben und seine Werke gegeben.

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Die Auswahl der Texte war repräsentativ für sein Schaffen und auch die politischen Dimensionen seiner Werke wurden nicht klein geredet.
Es war keine one-woman- show, sondern ein gutes Team arbeitete Hand in Hand, egal ob Küche, Deko, Musik, Lesung .

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Selbstgestrickt, nicht kommerziell

Das ist es, was unser Leben in diesem unfertigen
Stadtteil ausmachte: sollte etwas statt finden, so musste man es organisieren, sich mit anderen zusammentun, vllt. seine Räumlichkeiten zur Verfügung stellen usw.

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Es freut mich, dass davon noch etwas übrig ist.
Ebenso, wenn Gemeinden und Kommunen dieses Engagement durch Kulturzentren etc. erleichtern.
Was immer seltener wird….

Schon als Kind habe ich Gedichte geliebt und bis heute bewundere ich meine Oma, die uns oft und gerne frei aus dem Kopf heraus Balladen und Gedichte vortrug.

Nächstes Mal ist deine Lieblingsdichterin dran…., der spitze Unterton meiner Mum ist nicht zu überhören.
Schaurig – schöne Worte, oft unverständlich, die mich in ihren Bann zogen und mir eine Gänsehaut bescherten…..hat sie als Kind als nervtötend empfunden, und damit zieht sie mich bis heute auf.

Unruhe
Laß uns hier ein wenig ruhn am Strande.
Foibos Strahlen spielen auf dem Meere,
siehst du dort der Wimpel weiße Heere
Ries’ge Schiffe ziehn zum fernen Lande?

Ach! Wie ists erhebend sich zu freuen
An des Ozeans Unendlichkeit,
Kein Gedanke mehr an Maß und Räume
Ist, ein Ziel, gesteckt für unsre Träume
Ihn zu wähnen dürfen wir nicht scheuen.

Unermeßlich, wie die Ewigkeit.

Wer hat ergründet
Des Meeres Grenzen
Wie fern die schäumende Woge es treibt?
Wer seine Tiefe?
Wenn muthlos kehret
Des Senkbley’s Schwere
Im wilden Meere,
Des Ankers Rettung vergeblich bleibt.

Möchtest Du nicht mit den wagenden Seglern
Kreisen auf dem unendlichen Plan?
O! Ich möchte wie ein Vogel fliehen,
Mit den hellen Wimpeln möcht ich ziehen,
Weit, o weit, wo noch kein Fußtritt schallte.
Keines Menschen Stimme wiederhallte
Noch kein Schiff durchschnitt die flüchtge Bahn.

Und noch weiter, endlos ewig neu
Mich durch fremde Schöpfungen, voll Lust
Hinzuschwingen fessellos und frey,
O! das pocht, das glüht in meiner Brust.

Rastlos treibts mich um im engen Leben
Und zu Boden drücken Raum und Zeit,
Freyheit heißt der Seele banges Streben
Und im Busen tönts Unendlichkeit!

Stille, stille, mein thörichtes Herz
Willst du denn ewig vergebens dich sehnen?
Mit der der Unmöglichkeit hadernde Thränen
Ewig vergießen in fruchtlosem Schmerz?

So manche Lust kann ja die Erde geben
So liebe Freuden jeder Augenblick.
Dort stille, Herz, dein glühendheißes Beben
es giebt des Holden ja so viel im Leben,
So süße Lust und, ach! so seltnes Glück!

Denn selten nur genießt der Mensch die Freuden,
Die ihn umnglühn, sie schwinden ungefühlt.
Sey ruhig, Herz und lerne dich bescheiden.
Giebt Foibos heller Strahl dir keine Freuden,
Der freundlich schimmernd auf der Welle spielt?

Laß uns heim vom feuchten Strande kehren,
Hier zu weilen, Freund, es tut nicht wohl,
Meine Träume drücken schwer mich nieder,
Aus der Ferne klingt’s wie Heimatlieder
Und die alte Unruh kehret wieder.
Laß uns heim vom feuchten Strande kehren,
Wandrer, auf den Wogen, fahret wohl!

Fesseln will man uns am eignen Herde!
Unsre Sehnsucht nennt man Wahn und Traum
Und das Herz, das kleine Klümpchen Erde,
Hat doch für die ganze Schöpfung Raum.

Annette von Droste-Hülshoff , 1816 als 17jährige verfasst

Ich wollt, ich könnte hingehen.

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