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0815 geht gar nicht….oder einfache Lösungen für alle sind mir suspekt


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1. Nachtrag DSGVO

Arno von Rosen

War doch klar, oder? Gestern wurde mir vom SPD Büro ein neuer Link zur Verfügung gestellt, der wieder zur Entspannung beiträgt, aber damit ihr nicht alles lesen müsst, was ich schreibe, hier mal eine Minizusammenfassung.

Es gibt im Gesetz einen Paragraphen, der verbietet, dass Seiten- oder Blogeigentümer wettbewerbsrechtlich Abgemahnt werden können. Das heißt, es wird keine Abmahnwelle wegen der neuen Datenschutzgrundverordung geben, weshalb auch niemand vor spezialisierten Kanzleien Angst haben muss. Zudem kommen immer wieder Gerüchte auf, ein Impressum wäre zwingend für jeden erforderlich, was so nicht stimmt, denn rein privat betriebene Blogs und Seiten, die weder auf kommerzielle Seiten verlinken, noch selber Dinge verkaufen, auf eigene Produkte hinweisen oder allgemein eine Gewinnabsicht haben, indem diese bewußte Werbung schalten (ACHTUNG, hier sind nicht die Werbebanner der Plattformbetreiber gemeint), benötigen kein Impressum.

Warum sind da viele Anwälte unterschiedlicher Meinung? Weil es denen ums Geschäft geht und auch eine Beratung…

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Vorsicht: Komfort!?

In unserer vom Neoliberalismus geprägten Gesellschaft  gibt es viele vermeintlich gute Wege, um  zu einem erfolgreichen und glücklichen Leben zu kommen.
Muss man sich natürlich selbst drum kümmern.

Einer dieser golden Wege lautet: raus aus der Komfortzone.
Beschworen wird dieser Weg ebenso von  Pädagogen, Psychologen, Ärzten als auch von Karriereberatern und Motivationstrainern jeglicher Art.

Lehrer fordern das von angeblich faulen Schülern, Eltern von ihren  orientierungslosen jung-erwachsenen Kindern und sicherlich oft auch der sich als Aktivere verstehende Part einer Beziehung vom Gegenüber.

Das Verständnis unseres sozialen Netzes ist mittlerweile durch und durch von dieser Idee durchdrungen: Erwerbslose müssen sich nur endlich mal bewegen, ihre Komfortzone verlassen, dann klappt das schon mit dem neuen Job.
Schulabgänger ohne Ausbildung sollen aberwitzige Maßnahmen hinnehmen, Hauptsache runter vom Sofa.
Auch von Kranken wird das erwartet. Wenn der sein Leben nur entsprechend umstellt, dann wird das schon.

Einigkeit besteht darin: Entwicklung kann nicht innerhalb der Komfortzone statt finden, man muss sich hinaus begeben. Wer das nicht tut, will auch nichts verändern.

Die Sache mit den Bedürfnissen

Mir ist nicht bekannt, dass die Maslowsche Bedürfnispyramide grundsätzlich in Frage gestellt wird.

maslowsche-bedurfnispyramide-vollstaendig

Ich wage mal die These, dass nur, wenn die Bedürfnisse einigermaßen gut befriedigt werden können, sich so etwas wie eine Komfortzone überhaupt  bilden kann.

Wo also ist die Komfortzone von mittellosen Menschen?
Wo die von Menschen ohne berufliche Perspektive?
Wo die von alleinstehenden Kranken und Menschen mit Behinderung?
Wo die von Kindern mit Schullangst, Studenten mit Depression?

Hotel Mama

In einem Gespräch über die augenblicklich stagnierenden Situation hinsichtlich der Abnabelung von Teenie und mir  musste ich mir anhören, dass Teenie endlich mal aus ihrer Komfortzone raus müsste ( sprich, nicht nur davon zu träumen, wie andere junge Erwachse den Schritt  aus dem Elternhaus zu gehen, sondern sich endlich auch mal anständig drum zu kümmern).

Wenngleich in diesem Moment meine innere Alarm-Lampe ansprang, hielt ich doch inne: stimmt es vielleicht, helfe ich zu viel, kriegt sie einfach den Hintern nicht hoch?
Nach dem berühmten sacken-lassen suchte ich erneut das Gespräch und wie vermutet relativierte mein Gegenüber seine Aussage. Auf konkrete Nachfrage, wo ich denn vielleicht Komfortzonen für Teenie einrichten würde…..kamen eigentlich nur Beispiele, die mich erstaunen und dann auch wieder nicht.

So haben wir hier z.B. sehr pragmatische Lösungen, was die Lagerung von Lebensmitteln und die Benutzung von Geschirr betrifft. Teenie ist da etwas eigen. Ein eigener kleiner Küchenschrank und ein eigenes Fach im Kühlschrank bewahren alle Seiten vor unnötigem Stress. Komfortzone?

Wenn Teenie wegen zu viel Lärmverschmutzung im Alltag nicht mehr für sich einkaufen gehen kann, erledige ich das mit. Komfortzone?

Teenie bleibt wegen Overload 2 Tage im Bett. Komfortzone?

Selbstverständlich gibt es eine Vielzahl von Gewohnheiten, Ritualen, Autismus- bedingten Notwendigkeiten, die Teenie das Leben erleichtern. Alles Komfortzonen?

Man stelle sich einen körperbehinderten Menschen vor. Niemand würde auf die Idee kommen, eine Beinprothese oder einen Rollstuhl als  Komfortzone zu bezeichnen.
Noch weniger, von ihm erwarten, dass er darauf verzichtet.

Bullshit

„Das Leben beginnt da, wo die Komfortzone aufhört“…diesen und noch viel mehr bullshit versuchen uns neoliberale Kräfte immer wieder schmackhaft zu machen. Wir treffen sie in allen Institutionen, hartnäckig wird das Mantra vom „Jeder ist seines Glückes Schmied“ in vielfältigen Tonarten gesungen.

Die Realität aber ist: immer mehr Menschen  haben Schwierigkeiten, selbst die elementarsten Bedürfnisse zu befriedigen. Sie sind weit entfernt von persönlichen Komfortzonen. Sie strampeln sich ab, um überhaupt erst mal in eine überlebenssichernde Zone zu kommen: die einen schreiben 100 erfolglose Bewerbungen, andere hangeln sich von einer prekären Beschäftigung zur nächsten, weitere kämpfen um Teilhabe für Behinderte Menschen und etliche schaffen nichts davon und resignieren. Ein paar Zahlen zur Einkommensungleichheit: hier

Komfort ist bekanntlich etwas, ohne das man auch auskommen kann, ohne existentiell gefährdet zu werden.
Bevor man also das Argument mit der Komfortzone bemüht ( ja, es kann ja stimmen, wenn denn Komfort vorhanden ist), ist man gut beraten, erst einmal zu prüfen, ob hier nicht grundlegende Barrieren  vorhanden sind, die ein eigenes Handeln unmöglich und Unterstützung erforderlich machen. Und worauf diese basieren.
Alles andere ist zynisch, egal ob in Unwissenheit oder aus Gemeinheit daher gesagt.

Barrieren, die Handeln erschweren, können sogar unsichtbar sein.
Aber  wenn man genau hin schaut oder sich informiert ( über ADHS/Autismus z.B.), kann man sie finden/erkennen.

Wenn ein Dritter die Last der Unterstützung trägt, sei es als Angehöriger oder als Institution, mindert das nur den Mangel, den man selbst nicht beheben kann,
erwächst daraus keine Komfortzone.
Wird die Last für den anderen zu schwer, und will man daran etwas ändern, ist das ein anderes Thema.

Ich freue mich über Feedback. Wie immer ohne Registrierung möglich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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ADHS Transition von Jugendlichen und jungen Erwachsenenalter

Ich habe diesen interessanten Beitrag kommentiert. Er fragt uns nach Ideen und Bedürfnissen und lädt zur Beteiliging ein. Ich habe das gemacht. Am Ende meines Kommentars suche ich nach MitinitiatorInnen für eine Idee meinerseits: online Patenschaften von erfahrenen neurodiversen Menschen für junge neurodiverse Menschen. Falls jemand Interesse hat: ich kann / will hier keinen Mail-Kontakt einfügen, bin aber über die Kommentar-Funktion dieses Blogs und über Leidenschaftlich Widersynnig auf Facebook erreichbar. Ich würde mich dann über Mail/ Messenger ( wenn gewünscht ) melden .
Nun aber endlich zum Beitrag:

ADHS-Spektrum: Neues und Altes aus der ADHS-Welt

Im Sommerloch finden wir regelmässig Artikel, die von einer Überdiagnostik oder den sonderbarsten Zusammenhängen von einem Faktor xyz mit der Überdiagnostik von ADHS zusammenhängen soll. Seien es nun Schmerzmittel oder gerade mal Weichmacher im Beatmungstubus der Säuglingsstation.

Bei mir löst das einen chronischen Tic im Sinne einer Art „Kopfschüttel-Überschuss-Syndrom“ aus. Ich frage mich dann, ob die Journalisten keine anderen Optionen haben, sich mal mit einenm Thema zu beschäftigen, das wirklich auch in der Praxis vorkommt.

Bei mir in der Klinik sind dies besonders (nicht ausschliesslich) Mütter von Jugendlichen bzw. Jungen Erwachsenen mit einer ADHS-Konstitution, die nicht im „normalen“ Leben Fuss fassen können.

Aufgrund der syndromtypischen Entwicklungsverzögerung der Selbstregulation und Selbstständigkeitsentwicklung irren diese auf dem Papier „erwachsenen“ Jungs und Mädels auf der Suche nach einem Ziel umher, als ob das Leben eine Art virtuelles PokemonGo wäre.

Leider mit der Folge, dass ihre Eltern und der Rest der Familie ständig wie an…

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ADHS Online Kongress 2016 von ADHS-Spektrum

Eine richtig gute Idee- ich hoffe, es finden sich viele Unterstützer_innen und Teilnehmer_innen!

ADHS-Spektrum: Neues und Altes aus der ADHS-Welt

Seit 1999 versuche ich – teilweise gemeinsam mit Piero Rossi – das Medium Internet für die Information zum Thema ADHS-Spektrum zu nutzen. Die Zeiten und die Möglichkeiten ändern sich.

ADHS Kongress ADHS Online- Kongress 2016

Nun habe ich einen ersten deutschen ADHS-Online Kongress geplant. Über eine Woche werden dabei Experten aus dem Bereich ADHS, Autismus bzw. Hochbegabung / Hochsensibilität Online-Vorträge bzw. Interviews geben.

Kostenlos für ALLE

Zielgruppe der Veranstaltung sollen Betroffene, Angehörige, aber auch Ärzte oder Erzieher und Lehrer sein. Alle, die mit Menschen aus dem ADHS-Spektrum zu tun haben.

Es ist ein Pilot-Projekt und ich habe noch keine Vorstellung, ob und wie es wirklich angenommen wird. Ich werde in den nächsten Wochen verschiedene Experten (Ärzte und Psychologen) , ADHS- und Autismus-Coaches und weitere Beteiligte ansprechen. Und hoffe darauf, ein möglichst buntes Programm bieten zu können.

Die Anmeldung wird allein über eine (auch anonyme) Email möglich sein. Alle weiteren Informationen (einschliesslich der…

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adventsdogmatisch

Ich bin adventsdogmatisch.
Sagt meine Freundin.
Dabei gibt einfach Dinge, die müssen so sein und nicht anders.
Und Dinge, die gehen gar nicht.
Zumindest nicht für mich.
Advent – eine Zeit des timings. Wer mitmacht, muss sich dran halten. Finde ich.

In diesem Jahr tue ich mich schwer mit Adventsgedöns. Teenie legt keinen gesteigerten Wert mehr drauf. In Prä-Teenie-Zeiten habe ich nichts Besonderes gemacht, außer mich über das verrückte Treiben anderer zu wundern und ein wenig abgelästert habe ich auch, ich gestehe.

Nun habe mich aber irgendwie dran gewöhnt.
An das Plätzchen backen, den Kranz, Adventskalender, Lichter.
Ist doch schön, wenn´s draußen ungemütlich ist.

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Die Entscheidung steht: ich mach´s

Dann aber richtig.
Vorgestern dank meines Weitblickes schon mal den Kranz erstanden. Kerzen dazu.  Alles andere besitze ich bereits –  so´ne Art immer währende Adventskalender- Deko.
Aufgrund diverser sonstiger Einkäufe – das Wochenende naht- leicht gestresst und ganz und gar nicht im Blick, dass ich nicht mit dem Rad unterwegs bin und nur 2 Hände habe.
Zu Hause ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich die Zeit verdödelt habe. Dachte, es sei Spätnachmittag….na gut, der Rest wird morgen erledigt.

Reiz-Alarm

In meinem Viertel ist es nie wirklich ruhig. Aber zur Adventszeit wird noch mal aufgedreht. Will ich den Weihnachtsmarkt der einen großen Einkaufsstraße meiden, lande ich auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Einkaufszentrum. Überhaupt, werden das eigentlich jährlich mehr Weihnachtsmärkte, beginnen früher und bleiben länger?

Auch Menschen mit ganz durchschnittlich eingestellten Reizfiltern klagen bekanntlich nach einer Weile über den Trubel. Ich  werde den Verdacht nicht los, dass dieses remmi-demmi  allenfalls die für mich und meinesgleichen ganzjährig gewöhnliche Reizflut beim Wochenendeinkauf, im Kaufhaus, Straßenfest usw. ist.

Mich macht der Weihnachtszirkus kirre. Überall glitzer-flitzer, Geräusche, Düfte, Menschen…ich bin ja schon froh, wenn ich zu normalen Zeiten  im Supermarkt unter vielen anderen auch die  Regale heimsuche, in dem die Dinge von der Einkaufsliste stehen.  Aber jetzt herrscht für mich purer Reiz-Alarm: erst über´n Weihnachtsmarkt drängeln, dabei von netten Lockvögeln mit Super-Rabatt-Verheißungen des Laden X und Y angesprochen werden – na ja, schauen kann ich ja mal – dann nach gefühlten Stunden endlich auch die Einkäufe, die erforderlich sind, erledigen.

Wenn schon, denn schon

Ab nach Hause, wieder viel zu spät. Noch immer nichts richtiges gegessen…aber morgen ist schon 1. Advent. Also noch schnell auf den Dachboden, Deko aussuchen, runterschleppen, Kaffee aufsetzen, rumliegenden Krimkrams unsichtbar machen, Adventskranz dekorieren, Kerzen drauf, gerade richten, Lichterkette anbamseln, mit dem Hintern den DVD- Turm  umstoßen, genau auf den Adventskranz, dann selbst noch mal gegen kommen, Adventskranz landet auf dem Boden, Kerzen kullern durchs Zimmer.

Und was ist das? Die Dinger haben keinen Docht?
Oh doch, nur die sind noch aufgespiesst auf dem Kranz.
Fu** !

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Es folgt Gefluche und Kerzen-Reparier-Gefummele. Nur eine Kerze bleibt auf der Strecke, immerhin.
Nun noch Teig für Weihnachtsplätzchen vorbereiten, gebacken wird morgen.
Geht nicht gibt´s nicht. Nicht in dieser Sache.
Stunden später ist auch das erledigt, so wie auch ich.
Der Advent kann kommen.
Die 1. Kerze wurde heute planmäßig ohne  Verspätung angezündet. Nur wenige Plätzchen sind etwas dunkel, uns ist nur ein ganz bisschen schlecht vom Naschen und der leicht klebrige Küchenfußboden  wartet gnädig auf spätere Reinigung.

So muss dass sein.

 


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Zufluchtsorte

Was für eine Reise.
Meine Auszeit vom Alltag geht ihrem Ende zu. Nachdenklich verlasse ich den Ort, an dem ich inne halten konnte, um mich auszuruhen und dabei meinen inneren Stürmen zu begegnen. Flaute und schwere See wechselten sich ab. Nun steuere ich den Heimathafen an.
Was werde ich bewahren können? Wie schnell wird der Alltag mich einholen?
Werden mir dort lieb gewordene Menschen erhalten bleiben und wie wird es zu Hause mit der erwachsen gewordenen Teenie werden?

All diese Gedanken finden mich inmitten von Flüchtlingsfamilien, schlafend, die Kinder auffallend geduldig und leise. Eines schläft vor mir auf dem Tisch im Großraumwagen, neben mir ein Teenie, gegenüber die Mutter, die auch das Kleine festhält. Die Gepäckflächen voll belegt. Eng ist es.

Noch vor wenigen Stunden wurde ich wertschätzend von einer Gemeinschaft verabschiedet, hier ist die Schwere der Flucht den Menschen ins Gesicht geschrieben. Der Kontrast schmerzt. Wohin werden sie fahren? Welche bitteren Erfahrungen werden sie in diesem Land machen, welche positiven?

Vorbei die Zeit, in der ich dem Weltgeschehen den Zutritt zu mir verweigern konnte. Schlagartig ist es wieder da.
Ganz nah.

Ich freue mich über feedback, wie immer ohne Registrierung möglich


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Wie das Magazin N#MMER unsere Gesellschaft verändern will

NaLos_MehrBlick

Foto: Titelblatt des Magazins N#MMER, Mann und Frau schreiben sich digital jeweils eine Nachricht mit dem Inhalt: "Es ist aus!" Das Cover für die erste Ausgabe von N#MMER; Copyright: Grafikladen Berlin

Treue Leser haben sicher schon bemerkt, dass mir der sprachlich sensible Umgang – vor allem in den Medien – sehr wichtig ist. Und da es viele Medienmacher scheinbar noch nicht verstanden haben, werde ich auch nicht müde, darauf hinzuweisen. Aber da ich nicht immer nur meckern will, stelle ich heute ein Projekt vor, das ich ungelesen wohl als Best Practice bezeichnen würde: das Magazin N#MMER.

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