leidenschaftlichwidersynnig

0815 geht gar nicht….oder einfache Lösungen für alle sind mir suspekt


Hinterlasse einen Kommentar

Never walk alone

Es  ist ein seltsames Gefühl für mich, am 1.Tag des Wonnemonats Mai um diese Zeit noch nicht unterwegs zu sein ( …blöde Gelenke). Geboten wird bestes Demo-Wetter. Zugegeben, in den letzten Jahren war da nicht mehr so viel los, es sei denn, es gab Veranstaltungen der autonomen Szene, was ja in meiner Stadt oft der Fall ist. Ach ja, und die Nazis, die waren auch öfter unterwegs und  wir hatten sogar 1 Mal Kirchentags-Mai-Demo-Durcheinander. Dieses  Mal bin ich nicht besonders informiert. Das Motto, die Route und all das.

1.5.1975
Bei Kundgebungen und Demonstrationen zum Tag der Arbeit stehen in der Bundesrepublik Deutschland die Sorge um die Arbeitsplätze, die Mitbestimmung und die innere Sicherheit im Vordergrund.

In dem Jahr mischte ich mich zum ersten Mal unter den Teil der arbeitenden Bevölkerung, der Forderungen hatte und diese auf die Straße brachte. Damals fühle ich mich noch fremd unter all den Menschen und  gleichzeitig fühlte es sich richtig an. So richtig richtig. Außer meiner älteren Schwester ging da keiner meiner Familie  hin. Aber die lebte ja auch in einer Kommune und war andauernd auf Demos. Später waren auch meine jüngeren Geschwister mit von der Partie. Meine Eltern betrachteten das mit gemischten Gefühlen: politische Aktivität war ihnen suspekt. Wie kam es nur, dass alle ihre Kinder das so ganz anders sahen? An dieser Stelle: ein Dankeschön an  die 68´er .

Simple

Gut war: ich konnte da einfach hingehen. Musste mich vorher nicht mit irgendwem vernetzen, keiner Gruppe angehören und  obwohl ich noch nicht allzu viel von Politik und Wirtschaft verstand, war ich bis auf das Ding mit der inneren Sicherheit ( für jüngere: es ging auf den heißen Herbst zu und die RAF wurde vorgeschoben, um Gesetze für alle zu verschärfen). Arbeitsplätze und Mitbestimmung waren ok.

So naiv wie ich damals denkt heute wohl kein junger Mensch mehr. Für mich war klar: ich würde in Zukunft zu denen gehören, die vom Verkauf ihrer Arbeitskraft leben müssten. Also musste ich Gewerkschaftsmitglied werden, auch wenn ich nicht alles gut ( nicht weitgehend genug) fand, was die vertrat. Das Kapital war schließlich auch organisiert. Über sowas diskutierten wir uns die Köpfe heiß.
Ich war weit davon entfernt, alle „Leistungen“ der Gewerkschaft mit individuellen Vorteilen aufzurechnen.  Mir ging das damals wirklich um ein sich verbünden.

Diese Verbindung dauert noch an, mal mit mehr und mal mit weniger Bauchschmerzen.
Es ist offensichtlich, dass die heutigen Mai-Demos/Kundgebungen ein Auslaufmodell sind. Und das nicht erst seit heute.

Was kommt wenn dies geht?

Mit wem verbünden sich die Menschen, die in Zukunft ihre Arbeitskraft verkaufen ?
Von zu Hause aus, als Freelancer*innen, moderne Tagelöhner*innen, Zeitarbeiter*innen….anderweitig prekär beschäftigt?
Die Zukunft der Arbeit sieht wohl eher so aus, dass vor Ort in den Fabriken und Unternehmen immer weniger Menschen gebraucht und anwesend sein müssen. Gleichzeitig wird die heilige Kuh Arbeitszeitsenkung ( mit Lohnausgleich) nicht von den Gewerkschaften und erst Recht nicht vom Kapital  angefasst. Die Frage, wie und wovon all die Menschen leben sollen, die nicht zu den wenigen gehören werden, die ein regelmäßiges Einkommen haben ( auch über Jahre, nicht nur einige Monate) steht im Raum.

Welche Hürden?

Wie niedrigschwellig sind heutige Formen des Zusammenschlusses?  Können auch Menschen mit wenig Bildung daran teilnehmen? Die, die kein Geld für digitales Equipment haben? Wie verbindlich sind diese Zusammenschlüsse? Taugen sie dazu, Sicherheit in der Gegenwehr zu vermitteln? Welche Rituale, auf die sich Gleichgesinnte beziehen können, entwickeln sie? Sind sie geeignet, stabilisierende Tradition zu werden?
Wer kann mitmachen und wer wird abgehängt?

Mein Ü50-Gehirn lässt sich durchaus auf die Nutzung der sozialen Medien ein, beruflich und privat bin ich in so einigen digitalen Netzwerken unterwegs. Das ist praktisch und ich möchte es nicht mehr missen. Je nach Intensität der  Nutzung des Netzwerkes entwickeln sich auch Beziehungen zu anderen Teilnehmer*innen.

Aber für mich fehlt da dennoch was.
Menschen zum anfassen.
Die, mit denen ich mich im Zweifel unterhake, wenn alleine gehen zu mühselig oder riskant wird.

Ich freue mich über feedback. Um einen Kommentar zu schreiben, muss man nicht registriert sein.


Hinterlasse einen Kommentar

Café Engel

Alles neu macht der Mai…..

…ja, das wäre so schlecht nicht!

Gibt es doch so viele Dingen und Gewohnheiten, die längst zum Balast geworden sind.
Und viele, die danach rufen, endlich begonnen zu werden.

Wich Side Are You On?

Eine Frage, die ich schon in frühen Jugendjahren für mich entschieden habe – grundsätzlich – und bei der bis heute kein Bedarf nach Korrektur besteht.

20130502-013209.jpg

“ Soviel du brauchst“ , das Motto des aktuellen Kirchentages, mit dem unsere ganze Stadt zugepflastert ist, hat mich gestern nicht den Wecker stellen, sondern heute mein Schlafbedürfnis darüber entscheiden lassen, ob ich mit marschiere oder nicht. Irgendwie war nämlich bei der heutigen Veranstaltung nicht so klar erkennbar, wo Gewerkschaft aufhört und Kirche anfängt. Gemeinsame Themen, gemeinsamer Festplatz, gemeinsame Bühne, gemeinsame Redner…..

Schließlich traf ich auch in Sachen Kirche bereits in Jugendjahren eine Entscheidung, zu der ich bis heute stehe.

20130502-024031.jpg

Ein befremdliches Gefühl, nicht an der Demo teilzunehmen. Neben dem Vertreten der Slogans, die im Laufe der Jahre in abgewandelter Form so unterschiedlich nicht waren, nicht wirklich falsch aber auch nie wirklich gut…..immer ein beliebtes Wiedersehen mit vielen MitstreiterInnen meines Lebens.
Nun, vielleicht treffe ich sie auf dem Festplatz.

“ Hier sind nur noch Beseelte und Betrunkene“

werde ich von den wenigen, die ausgeharrt haben, begrüßt. Stimmt – die Politischen haben sich verdrückt…..schade, aber verständlich.

Und so schließe ich mich dem Touristen-Strom die Elbe entlang an.
Die Sonne scheint unidealistisch für Touris, Christen und Gewerkschafter gleichermaßen.

20130502-015317.jpg

Ebbe….. begleitet meine Gedanken auf dem Weg zum Cappuccino, dem heiß-ersehnten.

20130502-015924.jpg

Vorbei geht es an edler Behausung……

20130502-020150.jpg

…… welche nicht für jedermann gedacht ist

20130502-020327.jpg

Nun gut, denk ich mir. So einladend sieht das nun auch wieder nicht aus.

Auf dem Rückweg spült die Flut die Nachdenklichkeit weg.

20130502-021242.jpg

….macht die Seele frisch und frei!

Ich bin wohl nicht die Erste, die das so empfindet (1).

Aber damit ich nicht zu zuversichtlich werde, holt mich die Großstadtrealität dann doch noch einmal ein:

20130502-021456.jpg

Irgendwo müssen unsere Steuergelder ja bleiben.
Denn z.B. in den Kitas finden wir sie immer weniger…..

20130502-024308.jpg

(1) Adam von Kamp, 1818

Ich freue mich über Feedback. Um einen Kommentar zu schreiben, muss man nicht registriert sein.