leidenschaftlichwidersynnig

0815 geht gar nicht….oder einfache Lösungen für alle sind mir suspekt


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Was auf die Ohren

Zwischen dem derzeitigen Umgang mit Behördenwillkür, Behinderte ausgrenzender Arbeitswelt , Rheuma, Polizeifestspielen G20 und viel, viel, Bürokratie gibt es in unserem privaten Universum immer wieder Lichtblicke.

Umstritten, teuer und genial

Zu Recht umstritten: das neue Konzerthaus vor Ort. Als Rheumi hat man ja nicht so viel zu tun und kann sich stundenlang vor den Rechner hocken. Besonderes Highlight ist immer wieder die  überlastete Software für die Kartenbestellung.

Screenshot (1)

 

Immerhin hatte ich das Glück, bereits einigen Konzerten im großen Saal zu lauschen, wenn auch nicht ganz so, wie gewünscht: das Geburtstagsgeschenk für meinen Gefährten verbrachten wir mit 12 Reihen zwischen uns,  dafür bekam ich für ein weiteres Konzert aus der sehr preisgünstigen Reihe „Konzerte für Hamburg“ von den 2 georderten Tickets nur eines ( das habe ich dann verschenkt) und zu den Elph-Cellisten habe  ich mich aus  gleichem Grund ebenfalls unfreiwillig ohne Begleitung ins Konzert begeben. Was sich musikalisch mehr als gelohnt hat.  Übrigens, kaum zu glauben, wie viele ältere Herren dort alleine rum lungern…. ich hatte nette Pausen-Gespräche, ist das die Alternative zum alleine-in -die Disco-gehen für Ü50? 😉

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Gut geklappt hat  die Kartenbestellung für ein Sonntag-Vormittags-Konzert einer jungen Geigerin aus Norwegen, bei dem mich Teenie begleitet hat. Ganz prima war die konzertante Aufführung von Wagners Rheingold….auch wenn stundenlanges Sitzen ohne Pause die Gelenke gut gefordert hat. Letzteres übrigens ein Geschenk zum Geburtstag, welches gleichzeitig schönen Stunden mit der besten Freundin bescherte…

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Nein, ich bin nicht reich geworden. Für die Karten haben ich zwischen 18 und 35 Euro gezahlt. Und immer gute Plätze gehabt. „Konzerte für Hamburg“ ist ein gutes Konzept, dass es möglich macht, für recht wenig Geld in den Genuss von guter, nicht nur klassischer Musik zu kommen. Ebenfalls positiv : 50% Ermäßigung bei Schwerbehinderung bei fast allen Konzerten, und zwar ab GdB 50.  Ungewohnt sogar bei den regulären Konzerten: das gemischte Publikum. Teenie hatte in den letzten Jahren  nicht wirklich Lust, klassische Musik zwischen Rentnern sitzend zu hören… das war in der Elbphilharmonie deutlich anders bei unserem gemeinsamen Besuch. Hier fanden sich zudem nicht nur Bewohner*innen der Elbvororte ein. Ich hoffe sehr, dass das bleibt und nicht nur der Neugier auf den neuen teuren Musiktempel geschuldet ist.

Die Akustik ist super. Was mir jedoch gefehlt hat, ist die Übertragung der Schallwellen durch das Baumaterial…in der guten alten Musikhalle spürt man die Musik oft körperlich durch leichte Vibrationen, sogar wenn man ganz oben und weit weg von der Bühne sitzt. Na ja, vielleicht soll das heute mehr so studio-mäßig sein.

Nicht so groß gewachsene Menschen wie ich können überall gut sehen. Mir gefällt der Blick in das Orchester hinein. Zu sehen, wie die Musiker*innen zusammen arbeiten, sich mit ihrem Instrument einbringen, die Musik entstehen lassen.

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Wehrmutstropfen: Karten für Pop,- Jazz oder Worldmusik habe ich noch nicht ergattert. Aber da bleibe ich dran.

Sommer, Sonne, Stadteilfest

Umsonst und draußen kann man sich ebenfalls beschallen lassen. Einfach in der Sonne sitzen, die Menschen an sich vorüber ziehen lassen, der Musik lauschen. Teenie liebt die Musik indigener Völker und es gibt eine ganz spezielle Gruppe, die jedes Jahr wieder zu unserem Fest kommt und für ihre Darbietung ein recht lauschiges Plätzchen inmitten des Trubels gefunden hat.  Der Krach von den großen Rock-Bühnen ist ja heftig und mischt sich meist mit den Disco-Sounds irgend welcher Fressbuden. Und so kommt es, dass sich etwas abseits vom großen Remmidemmi ein kleines freakiges Stammpublikum einfindet, gemischt mit den eher Verlorenen unserer Gesellschaft, die sich auch ohne Fest an diesem Ort aufhalten. Das wirkt erst ein wenig befremdlich, aber wenn man sich darauf einlässt, ist es recht vergnüglich. Es wird zugehört, getanzt und geklatscht und es ist ganz egal , ob man dabei Markenschuhe trägt oder Discounter-Treter, ein bürgerliches Äußeres zu bieten hat, jung, alt, hübsch oder hässlich ist.

Nebenbei bekommt man auch von dort genug vom allgemeinen Treiben mit.

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Der Wind, der Wind….

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Nach dem G20  suchen wir Ruhe und Natur auf dem Deich in der Nähe.
Eingepackt unser Lenkdrachen, dessen Mitnahme bisher absolute Windstille sogar an der Küste garantiert  hat. Aber schon auf dem Weg, den Deich längs, schreit Teenie mir ins Ohr:  „muss der Wind so laut sein ?“
Dabei reichte er gerade so, dass es zum Jungfernflug des Drachens kommen konnte und damit strahlende Augen und Dauerlächeln in Teenies Gesicht zauberte.

So einfach kann abschalten sein. Auch vom Windgetöse.

 

 

Malle to stay ?

Das älteste Theater Hamburgs, direkt auf dem Kiez, bietet zur Zeit eine Musik-Show über das Motown-Label. FullSizeRender - Kopie (2)Auf der Bühne gute Arbeit der Musiker*innen, das hätte was werden können. So ohne Publikum, oder mit anderem. Hinter uns eine Gang mittelalter angetrunkener Frauen, die es noch mal krachen lassen wollen. Und mitsingen, sehr laut und falscher geht’s nicht. Nicht nur für Teenies sensible Ohren  eine Herausforderung.
Von „Malle für alle“ haben wir uns urlaubsmäßig bisher fern gehalten, das ist nicht so unseres. Ok, das kann man also auch hier bekommen. Angetrunkenes Party-Volk gehobenen Alters…meine Güte. Schade für die Show.

Der Gang danach auf der  Reeperbahn eher traurig. Das war schon früher nicht meine Gegend. Aber jetzt… da hilft auch kein Beatles-Platz.

Teenie dauert es, dass sie keine Freund*innen hat, mit denen sie mal losziehen kann. Was sie hier sieht, ist ihre Welt nicht.
Und so klingt dieser Abend aus mit Gesprächen über Vermarktung afro-amerikanischer Musik, Benehmen im Theater, Sehnsucht nach dabei sein und angenommen werden und  dem Wunsch, eine Jugend zu haben wie andere auch und doch anders sein zu dürfen.

 

Ich freue mich über Feedbck, wie immer ohne Registrierung möglich.

 

 

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Eingeheizt

Musik.

Berührt uns auf unterschiedliche Weise. Die einen halten sich für unmusikalisch und nehmen eher passiv teil . Andere trällern ab und an ein Liedchen im Privaten, erlernen ein Instrument für den Hausgebrauch oder sind die absoluten Freaks in Sachen “ wer spielt(e) wo mit wem und was “ mit entsprechender Platten/ CD-Sammlung.

Einen Schritt weiter, und man findet sich beim gemeinsamen Musizieren. Privat in der Familie, nicht mehr ganz so heimelig im Chor, Band oder kleinem Orchester . Da kommt dann neben der musikalischen auch die soziale Komponente hinzu.  Für mich fängt da der Spass erst richtig an. Es ist ein völlig anderes aufeinander eingehen, als es mit Sprache möglich ist.Hier finden Gefühle ihren Weg in den Ausdruck, den wir uns sonst nicht gestatten oder die nicht in unsere Alltags-Rollen passen.
Das Topping aber ist für mich der öffentliche Auftritt.
Der Kontakt zum Publikum – eine weitere Dimension. Dafür muss man nicht Berufsmusiker_in sein.
Ein Programm gestalten, es einüben, sich Gedanken über die Performance machen… das alles hat etwas von inspirierender Reiseplanung.

Bei den letzten Proben, hier Chor mit Band und Solokünstlerin, die sich alle getrennt auf das Event vorbereiten, ist schon etwas von der Bühnenluft zu schnuppern: ein Stimmungsgemisch von Kreativität, gegenseitiger Wertschätzung, Anspannung und viel Freude am Erschaffen einer gemeinsamen Klangwelt.
Ein Bad in dieser Atmosphäre und der Alltagsstress ist wie weg gepustet.

Showtime….

Gestern dann das Konzert. Was das Publikum nicht sah: unser Tag begann weit vor der Veranstaltung. Verschieden Teile unseres Chor+ Band – Projektes fügten sich peu à peu über den ganzen Tag zusammen und ich gehörte zu den Glücklichen, die bei allen Teilen dabei war. Die Pause im kühlen Einkaufszentrum am Nachmittag war dann mehr als verdient und nötig.
Trotz tropischer Temperaturen klappte am Veranstaltungsort alles, Backstage machten wir uns pseudo – frisch. Aber 2 Minuten Soundcheck im Bühnenlicht dicht an den Verstärkern reichten aus, um nahezu den Zustand von vorher wieder her zu stellen.

So in jeder Hinsicht „gut geölt“ haben wir Alles gegeben.

Yeah!


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2. Geige ….

Da freut sich Muttern, wenn Teenie Musik macht. Nothing else matters….?

Ist doch egal, dass die Begleit-CD nebst Notenmaterial geklaut wird …. und das Cello zukünftig zum Begleitinstrument bei diesem Stück verdammt ist. Da ist die Violine klar im Vorteil.

Wie ungerecht.

Lieber wieder mehr Klassik spielen? Das verführt nicht so zum mitspielen….

 

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Schattenspiel

»Ach,« sagte der gelehrte Mann, »ich schreibe über das Wahre und das Gute und das Schöne; aber kein Mensch macht sich etwas daraus, dergleichen zu hören. Ich bin ganz verzweifelt, denn ich nehme es mir so zu Herzen.«

»Das tue ich nie,« sagte der Schatten, »ich werde fett, und danach soll man trachten! Ja, Sie verstehen sich nicht auf die Welt, und Sie werden dabei krank.

Aus: Der Schatten von Christian Andersen

Gemessen an meinen Einkünften leiste ich mir/ uns ein nicht unbedeutendes Kulturbudget. Was allerdings nicht bedeutet, dass davon allzu viel für Kultur- Konsum übrig wäre. Aber dann und wann gönne ich mir ( und den Künstlern) dann doch mal ein Ticket, meinst spontan. So auch dieses Mal.

Chilly Gonzales mit seinem neuen Stück “ The Schadow “ spielt am Folgetag und mein Glück beschert mir einen einzelnen Restplatz mit guter Sicht. Ich hatte es bislang immer verpast, ihn life zu erleben und bin hoch erfreut über meinen Fang.

Die düsteren Märchen des dänischen Dichters Christian Andersen haben es mir schon immer angetan. Sie fangen nicht mit ‚ es war einmal ‚ an und sind in ihrer Sprache und Inhalt, verglichen mit den Märchen der Grimm- Brüder eher kompliziert. Als Kind habe ich oft nur ‚ Bahnhof‘ verstanden…..aber allein die Erzählweise reichte aus, um mich zu fesseln.

So ist es nicht verwunderlich, dass ich mir das Andersen- Märchenbuch unter den Nagel gerissen habe, als ich einst von zu Hause auszog.

Erst am Nachmittag vor der Aufführung schaffe ich es, mich durch die Süterli- bedruckten Seiten des alten Buches zu quälen. Was für eine schöne Konzert- Vorbereitung.

Im Märchen geht es um einen gelehrten Mann, der sich von seinem Schatten trennt, damit dieser Einblick in Welten bekommen kann, die ihm selbst verborgen bleiben. Der Schatten wird zum Menschen und im Verlauf der Geschichte wird der Gelehrte zum Schatten seines Mensch geworden Schattens. Er wird von seinem eigenen Schatten beherrscht und das nimmt kein gutes Ende.

Nachzulesen hier.

Die Show selber hat mir gefallen. Die Musik passte zur literarischen Vorlage und wurde sehr sparsam eingesetzt. Von Gonzales ist man eher Action gewohnt, aber diese blieb diesmal – zum Glück – aus. Es gab Schattenbilder und stummes Theater mit Kostümen aus Andersen‘ s Zeit. Unspektakulär. Auf Effektheischerei wurde verzichtet.

Mir gefällt das Stück. Die Musik passt. Selbst nach einigen Tagen sinniere ich noch über die Bedeutung des Märchens, die Art der Umsetzung auf der Bühne und die Erwartung an einen Künstler, selbst wenn er ein für ihn neues Genre bedient, dennoch wie immer sein zu müssen.

Die Kritiken könnten unterschiedlicher nicht sein : hier und hier

Und das sagt der Meister himself über sich :

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Ein Kommentar

Profis

Schon lange hatte ich mich auf diesen Abend gefreut. Sogar Teenie wollte, nach ausführlichem yt-studium, mit.
Was mich freute. Immer seltener werden die gemeinsamen Aktivitäten…

Perfekte Koordinaten

Meine andere Begleiterin, welche die Idee dieses Ausflugs hatte, bürgte durch ihre intensive Beziehung zu Musik und Rhythmus zudem für ein feines kulturelles Erlebnis.
Der Veranstaltungsort vertraut durch diverse Konzert-und Theater -Besuche sowie Teenies besten Darbietungen ‚on stage‘.
Erholt vom Weihnachtsstress und noch nicht geschafft vom Jahreswechselrausch(en).

Hatten wir zunächst noch geplant, uns vor dem musikalischen Ereignis kulinarischen Genüssen hinzugeben, mussten wir kurzfristig zugestehen, dass Ketten-Termine Teenies Sache nicht sind und konzentrierten uns lieber auf die abendliche Veranstaltung.
Relativ glatt gestaltete sich die Anreise und wir waren guter Dinge ( jugendliches Genöle fällt unter die Kategorie Grundrauschen).

Künstler_innen wollen auch leben

Ausverkauft – super.
Der Saal. Eng bestuhlt – oh je.
Teenie beanstandet den Altersdurchschnitt, sucht fast vergeblich nach dunkler Haut, vielleicht sogar Dreadz, wenigstens einer?
Dunkle Haut wurde dann auf der Bühne gezeigt, umhüllt von farbigen Boubous.
Erster visueller Eindruck: schöne Frauen, mit Rundungen, mal mehr mal weniger, aber niemals weg gehungert. Und alle in ihrer Körperlichkeit präsent.
Dahinter die Männer, nicht ganz so bewandet.

Backflash: ich erinnere meine Zeit in Westafrika. Nur morgens hatte ich einen Spiegel. Den Rest des Tages war ich wie ich bin. Fühlte mich wohl, wurde von Tag zu Tag sicherer meiner selbst, weil ich nicht abgelenkt von meinem Äußeren war. Umgeben von Frauen, die denen auf der Bühne glichen, nur meist im Alltags – Boubou.

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Oben, von der Bühne aus, ist es nicht so schlimm.

Die ersten Töne.
Wir sind sofort dabei.
Schon beim ersten Applaus zuckt Teenie zusammen: wie konnte ich DAS vergessen? Dieses plötzlich einsetzende Geräusch, in ihren Ohren wie scharfes Glas. Bin hin und her gerissen. Möchte so gerne, dass sie genießen und entspannen kann und weiß doch, dass es nicht geht und dass ich gar nichts für sie tun kann. Ich weiß, dass sie aushalten wird.

Die Begrüßung auf stark akzentuiertem Englisch, Teenie und ich verstehen es gut, weil wir es öfter als britisches oder amerikanisches hören.
Die Show nimmt Fahrt auf.
Powervoller Gesang, tolle Choreografie.
Begleitet nur von 2 Djemben, gelegentlich ein Keyboard. Weniger ist mehr, hier.
Die Künstler_innen geben alles.
Das Publikum sitzt still und starr…..wie halten die Leute das nur aus? Juckt es nicht in den Beinen? Zuckt vielleicht wenigstens der große Zeh?

Backflash: So oft zusammengesessen, kaum spielt die Musik, schon fängt jemand an zu tanzen. Bei meinen chilenischen Freunden in früher Jugend, meinen afrikanischen später dann.

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Selbst als es so eine Art ‚ Wettbewerb der Tänzer_innen ‚ , umgeben von den anfeuernden Sänger_innen gibt, bleibt die Reaktion im Publikum kühl.
Fast, als säßen wir vor dem TV.

Backflash: auf einer der vielen Tanzgelegenheiten in Afrika fand auch ich mich inmitten eines anfeuernden Kreises der Verwandtschaft wieder. Nach anfänglichen Hemmungen hab ich einfach mitgemacht, es tat nicht weh und keiner hat gelacht. Jede_r wie er/sie kann. Und wie jede/r im Kreis tanzende, hab auch ich mehr mehr gegeben, als sonst auf der Tanzfläche.
Jung, alt, dünn, dick, weiß, schwarz – egal.

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Beifall gab’s für jede/n.

Clap your hands

Musik ohne sichtbare Freude und Bewegung kennen anscheinend nur wir Deutschen. Dafür sind wir groß im Musik Analysieren, im Kritisieren, im Gefühle zurück halten. Außer auf Malle oder mit Alk.
Immerhin wird bei einigen Stücken geklatscht. Zwei Plätze weiter zielsicher neben dem Takt, das muss wirklich schwer sein. Teenie fast vor der Explosion, meine Begleiterin auch sichtlich verspannt. Da hilft auch drüber lachen nicht.

Und dann das Highlight des Grauens:

This –clap– little light of mine –clap….

Kennt jeder. Wie bei Gospel so üblich, wird nicht die erste und dritte, sondern 2. und 4. Note betont.
Man sieht das schon an den Bewegungen der Sänger_innen.

Wir drei geben unser Bestes, von oben bekommen wir Unterstützung, ganz deutlich wird vorgeklatscht.
Es hilft alles nichts : das Klatschen des Publikums macht ein Wanderlied aus dem Song.

Später wird das Publikum aufgefordert, aufzustehen, mitzusingen und zu klatschen. Deutlicher können die Anweisungen nicht sein.
Es klappt: für eine Weile ist es erlaubt, locker zu sein, mit zu gehen mit der Musik. Es funktioniert sogar ganz gut.
Schade, das hätte am Anfang kommen müssen. Aber hätten sich dann die Sänger_innen auf ihren Gesang und Tanz konzentrieren können?
Dies war das 10. Jahr, indem der Soweto Gospel Choir hier aufgetreten ist.
Ich denke, die Künstler_innen wissen, was lohnt und was Energieverschwendung ist.

Nach einigen Zugaben – ja, das Publikum zeigte sich am Ende sehr begeistert- dann die Nationalhymne Südafrikas, anlässlich des kürzlichen Todes von Nelson Mandela.
Ich steh‘ nicht so auf Nationalhymnen, aber diesen Abschluss des Konzertes kann ich nachvollziehen.
Gerade hier in Deutschland :

Apartheid wurde als Verbrechen erstmals in der Internationalen Konvention über die Unterdrückung und Bestrafung des Verbrechens der Apartheid[2] definiert, die von der UNO-Vollversammlung am 30. November 1973 beschlossen wurde und 1976 in Kraft trat, nachdem ihr 76 Staaten beigetreten waren. Eine Reihe von Staaten sind der Konvention bis 2010 nicht beigetreten: Australien, Deutschland, Frankreich, Israel, Italien, Kanada, Neuseeland, die Niederlande, das Vereinigte Königreich sowie die Vereinigten Staaten. Quelle

Es hat uns gefallen .
Teenie brauchte eine Weile, um zur Ruhe zu kommen.
Ich frage mich wieder einmal mehr, was die Menschen hier so erstarrt sein lässt.

Musik im Blut?
Davon halte ich nix.
Es ist die Kultur, die es ausmacht.

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2 Kommentare

Voice of family

Eltern haben oft Angst, den Kontakt zu ihren pubertierenden Kids zu verlieren, sie nicht mehr zu erreichen, keinen Einfluss zu haben, wenn sie Mist bauen.
Das muss wohl so sein.
Gespräche werden seltener, man ist nicht mehr so richtungsweisend.
Häufig dienen wir als Testperson für die Schlüssigkeit der gerade neu gewonnenen Erkenntnisse und Überzeugungen, „Gott und Lotte“ betreffend.
Zurückweisungen sind an der Tagesordnung.
Elterliche Genervtheit ebenso.

Und dann gibt es diese Momente

Die das alles wieder wett machen.
Muttern klimpert alte Songs auf der Gitarre und grölt auch noch dazu.
youtube macht’s möglich : fast für jedes Lieblingslied gibt es ein ‚ how to play ‚ und man muss einfach nur nachmachen bzw. mitmachen, nicht mühsam die richtige Tonart oder Zupf-und Schlagtechnik herausfinden….und die Lyrics kann man eh‘ oder findet sie ebenfalls im Netz.
Teenie, ein Zimmer weiter trainiert Stimme und Körper vorm Spiegel zu den Klängen der Lieblingsband.

So geht das eine Weile….bis wir uns zu fortgeschrittener Stunde in der Küche treffen und gegenseitig die Ergebnisse unseres musikalischen Tuns präsentieren. Ohne Kritik, sich einfach nur anhören, dann einsteigen.
Teenie trällert Elten John und Muttern versucht sich in Within Temptation, einer Gothic Band.
Das ganze dann zweistimmig, Teenie liegt ’ne Runde tiefer als ich.
So geht es eine Weile.
Der neue Tag ist schon längst angebrochen, als wir bei Stand by me angelangt sind, ein Song, den wir beide sehr mögen.

Es fällt schwer, aufzuhören.

Teenie macht wohl noch ein wenig weiter – an diesem Abend, der schon ein Morgen ist. Seltsamerweise erübrigen sich Ermahnungen wie ‚ nimm bitte Rücksicht auf die Nachbarn ‚.
Es klappt von allein….

Muttern verdrückt sich und denkt: ohne Reden geht es auch und solange solche sessions möglich sind, ist alles im grünen Bereich.

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17 Kommentare

Sahnehäubchen

Kürzlich habe ich mich in eine Sendung rein gezappt, es ging um Superhirne und Kinder.
Der Moderator zeigte immer wieder auf eine Musikkassette und fragte x Mal, ob die zusehenden Kids /Leute wüssten , was das sei.
Ja wo lebt der denn?

Mir ist schon klar, dass die Dinger nicht mehr der Renner sind.
Viele Menschen haben sich die Mühe gemacht, ihre Lieblings-Kassetten ( und Schallplatten) zu digitalisieren. Ist ja alles kein Problem mehr. Wenn man Zeit und Lust dazu hat.
Die Tonqualität wird dadurch allerdings auch nicht besser.

Ich schau mich mal so um in meinem “ Musikpark“ .
Muss ich mich schämen?
Meinen Plattenspieler habe ich seit meiner späten Schulzeit.
Verstärker ebenso.
Boxen- große klobige Dinger hab ich mal extra angeschleppt – nach dem Studium.
Rustikal und unkaputtbar, verglichen mit allem, was danach kam.

Irgendwann kam ein CD-Player dazu.

Schweren Herzens habe ich vor wenigen Jahren meinen Kasettenrekorder entsorgt.
Ein prähistorisches Teil….das ich meinem Vater abgeschnackt habe, als ich von zu Hause auszog. Rec war schon lange out of order….aber zuverlässig abgespielt hat er!
Im Schlafzimmer lebte bereits eine kleine Konkurrenz in Form einer Minianlage.
Ist nun auch schon etwas her -dort funktioniert mittlerweile nur noch das Radio und der Kassettenrekorder.

Bei allem habe ich diverse Musik im MP3-Format – die ich auf CD gebrannt nur auf Teenies Dockingstation abspielen kann…..heimlich oder bei gönnerhafter Laune derselben. Sonst bleiben nur der MP3-Player ( auch schon etwas älteres Modell) oder Rechner.

Geld allein ist es nicht

Mir ist schon klar, was für einen tollen Sound man sich heute ins Wohnzimmer holen kann.
Ich liebe Musik. Warum steht hier dann keine Superanlage?
Was ist mir wichtig, was macht meine Lieblingsmusik aus?
Es ist die Melodie, Verwendung und Einsatz der Instrumente, die Stimme, die Interpretation, der Text und die Kombination all dessen.
Der Sound ist für mich das i-Tüpfelchen. Mehr nicht.

Meine Kassetten bleiben.
Da ist der Party-Mix, Frust-Mix, ich-mag-dich-Mix und sonstwie-Mix der 70ger bis 90ger Jahre neben aus dem Radio aufgenommenen T-Rex Aufnahmen….menno, war das nervig wenn der Moderator zu früh rein gequasselt hat …. neben frühen eigenen “ wir machen Musik-Versuchen nebst Streit, wer nun diesmal wieder gepatzt hat..
Verehrer-Gaben, mal mehr, mal weniger gelungen – macht man das heute eigentlich noch?
Selbstverständlich aufgenommene Lieblingsscheiben für den Walkman unterwegs.

Für Teenie eine Fundgrube.
Zufallsfunde garantiert, denn ich bin weitab von alphabetisch oder sonst wie systematischer Aufbewahrung.
Viele ihrer Lieblingsstücke gab es schon in anderer Version vor Jahren.
Dann krame ich ein wenig .
Und voilà!
Das Original – auf Vinyl oder Kassette – inklusive Knistern ertönt.

Manches Mal finde ich die neue Version genial- manches Mal Teenie die alte.
Manchmal beide die neue.

Und das alles ohne Mega-Sound.
Dafür mit Musikgeschichte 🙂

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