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0815 geht gar nicht….oder einfache Lösungen für alle sind mir suspekt


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Fernweh

Um diese Jahreszeit träume ich immer vom großen Urlaub, fern von hier. Mal was ganz Neues sehen und erleben. Andere Kulturen, Sprache, Natur, Klima.
Ein fresh-up für Seele und Geist.

Ich besuche virtuell Länder, Städte und Regionen. Meine Neugier ist geweckt und da ich noch nicht allzu viel in der Welt herum gekommen bin, gibt es für mich noch viel Neues und Interessantes zu entdecken. Bei meiner/unserer Reiseplanung sind immer einige Besonderheiten zu berücksichtigen. Wir sind bei weitem nicht so flexibel wie Menschen ohne Einschränkungen. Das alles sind aber keine wirklichen Hürden.

Ein Besuch auf diversen Urlaubsportalen macht schnell klar, woran es wirklich hapert: ohne Moos nix los.

Selbst günstige  Angebote sind in der Summe noch immer nichts für Menschen, die gerade mal so mit ihrem Einkommen über die Runden kommen. Wenn dann noch Special Needs dazu kommen, erst recht nicht.

Natürlich können wir uns auch hier vor Ort eine schöne Zeit machen. Und Teenie hat in ihrem Leben schon mehr von der Welt gesehen, als ich in ihrem Alter ( etliches allerdings nur, weil ich sie auf Dienstreisen mitnehmen musste).

Es betrübt mich dennoch. Gerade gestern wurde mir Lust auf eine Ausstellung in Zürich gemacht, wegen der „unglaublich günstigen Flugpreise“ auch an 1 Tag von hier aus zu schaffen. Selbiges durchgeführt von einem guten Bekannten mit seinem Sohn.

Ein Blick auf die vermutlich wirklich günstigen Reisekosten entlockten mir heute morgen keinen Jubelschrei sondern eher ein „boah, die spinnen wohl“.

Träume für die Economy-Class

Bildung zum Anfassen ist in der Economy-Class nicht vorgesehen. So wie schon ich in meiner Kindheit und Jugend, erkundet nun Teenie die Welt von zu Hause aus. Immerhin, damit kann man auch Bildungsschranken überwinden, zumindest zum Teil.

Aber wirklich mitspielen, das tut man nicht.
Heute gehört es mehr und mehr dazu, sich in der Welt sicher bewegen zu können.
Einen Flug von A nach B buchen oder Alternativen finden, Kommunikation auf Englisch, sich einer neuen Umgebung schnell anpassen, Grenzen passieren, Visa beantragen… gemachte – nicht erlesene – Erfahrungen geben Sicherheit bei neuen Herausforderungen.

Da ich selbst bildungsmäßig den Sprung in höhere Sphären geschafft habe, höre ich von Freunden und Bekannten aus dieser Schicht häufig Berichte über erfolgreiche Nachkommen, die im Ausland studieren, mal eben work and travel in sonstwo machen,  zur Ausstellung X in Y jetten usw. Oder von gemeinsamen Familien-Unternehmungen fernab vom heimischen Herd.
Materiell und sozial eher in meinem Herkunftsmilieu verblieben, höre ich ebenso von jungen Menschen, für die diese Art der Horizonterweiterung schlicht und einfach nicht umsetzbar ist. Für die bestenfalls ein günstiger Last-Minute-all- inclusive Urlaub drin liegt. Auch weil sie Anderes nicht für sich organisieren können oder sich nicht zutrauen, weil nicht kennen. Und für so manche ist sogar ein Ausflug über die Stadtgrenze hinaus schon ein Abenteuer.

Auf einer Mutter-Kind-Kur  habe ich vor vielen Jahren einmal einen Vortrag über  die „Wunscherfüllung in der Phantasie“ gehört. Anwendbar, wenn Kinder sich Dinge wünschen, die man ihnen nicht geben kann.  Eine Phantasie-Reise, bei der wir die Kinder ermuntern, sich nach Herzenslust alles vorzustellen und auszumalen, was sie gerne hätten. Statt des mütterlichen : du weißt doch, das können wir uns nicht leisten. Danach ginge es den Kindern gleich besser, sie fühlten sich mit ihren Bedürfnissen gesehen, der Wunsch sei dadurch quasi halb befriedigt.
Mag sein, dass die Quengelei dann abnimmt.
Aber  ist damit das Bedürfnis weg?

Ich für meinen Teil versuche nun wie jedes Jahr meine Ansprüche herunter zu schrauben. Aber ganz ehrlich, der Wunsch, mal so richtig tschüs und weg zu sagen, der bleibt.
Da kann ich noch so viel träumen.

 

 


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Murphys Gesetz

Gestern abend beim Einschlafen dachte ich noch : und wenn du dir etwas von dem leckeren Sauerkrauteintopf in einer Dose mit auf die Reise nimmst……?

Sowas mache ich natürlich nicht. Außerdem habe ich  für Teenie gekocht, die ein paar Tage allein klar kommen muss. Das mit dem Hunger ist bei ihr ja so eine Sache: manchmal merkt sie ihn stundenlang nicht und dann ganz plötzlich in so einer Heftigkeit, dass es sich fast wie Magenkrämpfe anfühlt. Dann ist es gut, sie muss nur schnell etwas warm machen, anstatt in einen  “ Hunger-Overload“ zu schlittern.

Ich verdrücke mich für ein paar Tage aufs Land… mir fällt hier die Bude auf den Kopf. So richtig nach Reisen ist mir  dennoch nicht, unfit, wie ich gerade bin.

Nun sitze ich hier im Zug,  wie es nicht anders sein kann mit 2 reizenden kleinen Mädchen samt Mutter an einem Tisch. Der Zug ist voll, ein Entkommen gibt es nicht. Muttern ist bestens gerüstet: während die beiden auf Geheiß von Muttern ihren Lernspielen nachgehen, werden sie mit Selbstgeschmiertem – und geschnippeltem versorgt. Gurkenduft. Geht ja noch.

Reisezeit ist Nachdenkzeit. Aus dem Fenster schauen und sinnieren…ich liebe das. Die kleinere Madame plappert in einer Tour, dabei zeigt sie mir nun, wie schön sie ihr intensiv  duftendes Leberwurstbrot zerkauen kann. Ab und an tritt sie mir auf mein entzündetes Fussgelenk. Autsch. Muttern hat derweil  auf Durchzug gestellt.

Umbaupause: Lernhefte und Brote weg, Uno raus. Uno auf dem Boden, die Kinder auch, meine Füsse nicht mehr. Muttern bleibt tiefenentspannt. Wozu habe ich einen Platz mit Tisch gebucht? Das Tablet belastet meine Handgelenke mehr als schön ist.

Meine Ohr-Verkabelung sorgt dafür, dass ich mich nicht auf mein Buch konzentrieren kann. Musik hören  und lesen kann ich nicht gleichzeitig.  Ich bezweifele, dass die kleine Lady unterm Tisch sich auf “ Schnüpperle“ ( Ostergeschichten)  konzentriert , vorgelesen von der nun auch mental anwesenden Mutter. Das nervt Muttern und mit einem halben Amerikaner wird die Süße nach oben gelockt. Warum muss ich nur immer auf den kauenden, offenen Mund schauen?

Muttern liest nun engagiert und laut. Schließlich sollen die Kids zuhören. Ich kann mich nicht erinnern, Teenie jemals eine Geschichte so entgegen geschrien zu haben. Die Größere hat sich mittlerweile mit einem eigenen Buch abgesetzt und die Welt akustisch auf ihre eigene Musik reduziert. Wenn Muttern doch wenigstens aus Sternentänzer“ vorlesen  würde. „Schnüpperle“ scheint nicht nur mich zu langweilen.

Immerhin: die mitleidigen Blicke meiner Mitreisenden sind  mir sicher. Es reisen auch andere Kids in diesem Wagon. Soweit ich sehen kann, müssen die nicht dauernd essen, ihre Eltern reden ab und an mit ihnen, sie malen , lesen, hören Musik/ Hörspiel oder gamen. Manche schlafen an ihre Eltern gelehnt und auch diese dösen vor sich hin. Was für ein schöner Anblick.

2,5 Stunden habe ich schon  geschafft, 2 Stunden hab ich noch vor mir.  Bestimmt fährt Famile  Schnüpperle weiter als ich.

Und dann bekomme ich eine kleine Chance : Osnabrück muss was ganz besonderes sein, so viele Leute steigen hier aus. 3 Reihen weiter wird ein Platz frei. Ich ignoriere meine schmerzenden Gelenke, schnappe meine Sachen und hechte da hin. Geschafft. Nicht, dass ich “ Schnüpperle“ nicht mehr hören würde, aber ich habe meinen eigenen kleinen Klapptisch , werde nicht mehr getreten und muss den Blick auf diverse Kauvorgänge nebst  weitere sensorische Irritationen nicht mehr ertragen.

Das verschafft mir Luft für das, was ich an langen Zug-Reisen so liebe. Von A nach B gebracht werden mit der nötigen Umschaltzeit fürs Oberstübchen.

Ein wenig gemein komme ich mir ja schon vor, so unnahbar wie ich mich gegenüber Familie Schnüpperle gegeben hab. Ich hätte ja auch die nette ältere Dame geben können, die  den Mädels die Reisezeit “ verkürzt“ und Muttern etwas Pause verschafft.  Wäre mir Mutter Schnüpperle sympatischer gewesen…vielleicht schon eher. Weiß ich doch selbst, wie unterstützend  solche Reisebekanntschaften sein können, wenn man mit Kind unterwegs ist.

Andererseits habe ich heute frei. Von allem. Kein Service für niemanden.

Und deshalb tut mir nur leid, dass ich das verdammte, gut und kräftig duftende Sauerkraut nicht doch mit genommen habe.  Da hätten die Schnüpperles aber geschnuppert 🙂


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Nachdenktage

Trio im Train

Wie sehr ich mich auch um Entschleunigung im Alltag bemühe, die Zeit verging in den letzten Monaten mindestens so schnell wie die Landschaft an mir gerade vorbei rast.
Noch gar nicht lange ist es her, da fuhr ich diese Strecke mit Teenie – Richtung Meer, Richtung Weihnachten.
Wir gönnen wir uns noch einmal ein paar freie Tage Ruhe mit Pferd und Meer. Mit dabei dieses Mal die kluge junge Frau, die viel zu früh ihre Mutter verloren hat und nun mit mir vorlieb nehmen muss.
Ich erinnere mich an sie als kleines Mädchen. So neugierig, so offen, wo Erwachsene rumdrucksten…..ich glaube, sie hat damals den Gedanken, dass es schön und nicht nur nervig sein könne mit Kindern zu leben, in mir entstehen lassen.
Sie und Teenie, schon äußerlich sehr verschieden. Die Eine im üblichen Sinne immer erfolgreich, die Andere weniger, sind sich dennoch in Vielem ähnlicher als man erwarten würde.
Ich bin gespannt, wie unser kleines Urlaubs-Trio miteinander klarkommen wird.
Teenie, gestern noch in großer Sorge um ihre berufliche Zukunft und voller Tränen ob der Steine, die sie schon zur Seite räumen musste – wird sie wieder Zuversicht tanken?
Die Große, im Karrieresprung, der kaum Zeit zum Verarbeiten des Verlustes lässt. Wird sie ihre Seele baumeln lassen können?
Die Kleine lehnt sich gerade an die Große an und es scheint beiden gut zu tun.
Mir auch.
Angesichts all der Verluste des letzten Jahres, der Trauer und der zermürben Auseinandersetzung um Unterstützung für Teenie scheint doch etwas heil geblieben zu sein.
Ich spüre, wie auch ich mich innerlich zurück lehne.

Ein Menschenleben

Ist doch alles schon lange her. Der Krieg und so. Muss auch mal gut sein damit.
Wann immer jemand auf die deutsche Vergangenheit hinweist, bekommt er Sätze wie diese zu hören. Aus der Vergangenheit lernen? Aus der Vergangenheit anderer womöglich noch?
Wir leben im Frieden. Werden weder beschossen, müssen unser Leben nicht verteidigen und haben keinen Grund zur Flucht.
Was also soll das Gerede von früher?
Und dann gehe ich in diesem idyllischen Waldstück spazieren.
Neben dem Fußweg der alte Schützengraben.
Auffällig viele Splitterschutzzellen, auch Einmannbunker genannt.
Sie sind noch nicht verrottet.
Es braucht nicht viel Phantasie um sich vorzustellen, wie sich hier 1 oder 2 Menschen Schutz suchen.
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Eine Gedenktafel weist auf das nahegelegene Gemeinschaftslager hin.
Infrastruktur für die meist männlichen Facharbeiter und Wissenschaftler, inklusive Bordell ( weibliche KZ- Häftlinge arischer Herkunft, sogen. „Asoziale “ -Zwangsprostitution für die Hebung der Arbeitsmoral…. ).
Rüstungsproduktion, verrichtet überwiegend von Zwangsarbeitern. 
Bis ein Luftangriff dem Treiben 1943 ein Ende bereitete, das Lager zerstörte und damit  der Produktionsstandort aufgegeben wurde.
In dieser Woche werde ich Nachrichten-Abstinent leben. Weiß ich doch auch so, wie trügerisch die Wahrnehmung unseres friedlichen Lebens ist.
Unsere Waffen, unsere Soldaten sind in kaum einem Krieg mehr wegzudenken.
Es ist gut, dass die Relikte aus dem letzten in D stattgefundenen Krieg noch herum liegen.
Das macht ihn echt.
Hier gab es Angst und Tod und Leid.
Ist doch gerade mal ein Menschenleben her.
Unheimlicher, wissender Wald.
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Wankel-Mut

Selten wurde mir in der letzten Zeit vor Augen geführt, wie unterschiedlich unsere Erlebenswelten sind.
Das Leben mit meinem Teenie ist langsam getaktet.
Unser Flow des Alltags dauert meist nur einige Stunden an. Dann ein Break, ein Zwischenfall, der Teenie aus dem Takt bringt und einige Zeit, um wieder rein zu kommen.
Ich fürchte, meine Große ist dadurch genervt, aber nein. Es erleichtert auch mal, nicht nur im Hochleistungsreservat Uni zu leben.
Nur manchmal denke ich : Exklusion hat doch was- da sieht man nicht dauernd, was nicht geht.
Teenie aber empfindet das nicht so.
Mit meinem Hang zum ‚ über-den-Tellerrand-schauen ‚ wäre ich im exklusiven Glashaus‘ sowieso nicht gut aufgehoben, auch wenn es mir diese Tage ab und an so scheint.
Ausgesprochen inklusiv ist unsere Zeit mit den Pferden.
Den Tieren ist es piep egal, ob wir studiert oder nicht, jung oder alt sind.
Und es ist überhaupt nicht schwer, mit unseren unterschiedlichen Fähigkeiten gemeinsame Stunden auf dem Pferderücken zu verbringen.
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Mehr davon, bitte.
Ich freue mich über Feedback. Wie immer ohne Registrierung möglich. 
 


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Bergluft I

Das ist das Angenehme auf Reisen
dass auch das Gewöhnliche
durch Neuheit und Überraschung
das Ansehen eines Abenteuers gewinnt
( J.W.Goethe )

Raus aus der Großstadt.
Während für den Norden sagenhaftes Frühlingswetter zum Osterfest erwartet wird, nehmen wir eine Tagesfahrt auf uns, um noch ein wenig Schneeregen abzubekommen.

Egal, das trübt unsere Stimmung nicht.
Einigermaßen stressfrei gestaltete sich die Abreise. Quasi mitternächtliches Aufstehen ist schon wieder so ungewohnt, dass Protest erst gar nicht ausbricht.
Schlaf wird auf unseren gemütlichen Fensterplätzen, welche wir die nächsten Stunden nicht verlassen müssen, nachgeholt.

Nicht im Gepäck ist alles, was unerledigt ist.
Zu Hause bleiben Gedanken an die Arbeit und sonstige Alltagsbelastungen.
Die Reise mit dem Zug ermöglich ein sicht- und fühlbares Loslassen all dessen. Mit jedem Kilometer, jedem Wechsel der Landschaft, wird der Kopf ein wenig freier und die Alltagslast geringer.
Ohne jedes Zutun, der Blick aus dem Fenster reicht.

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Kein hier aus der Welt reißen und dort wieder auftauchen.
So wird ein Weg ein kleines Ziel.

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Gewicht jedoch haben unsere Taschen. Es ist unseren Hobbys und Vorlieben geschuldet.
Cello-Noten, Bücher, Sportzeug für mich, Lieblingsdecke und weitere vertraute Dinge, um ein fremdes Zimmer zu einem ‚ fast wie zu Hause ‚ zu machen für Teenie. Sonst wird es nichts für sie mit der Erholung.

Wir fahren nicht in die Fremde.
Uns erwartet ein vertrauter Tagesablauf in bekannter Umgebung.
Abwechslung wird es dennoch geben: denn neben den Menschen, die wir schon kennen, gibt es viele neue Gesichter kennenzulernen.

Gemeinsam werkeln, musizieren und die Natur erleben.
Sich einem guten Buch hingeben.
Tiere.
Berge.
Ein kleiner Wasserfall am Haus.

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